Die "Doppelkrise" auf beiden Seiten des Atlantiks
Das Timing für das Abrutschen der US-Bonität könnte dramatischer nicht sein: Seit Tagen spielen die Finanzmärkte verrückt. Wall Street meldete in der vergangenen Woche die schwersten Kurseinbrüche seit drei Jahren. Über Europa hängt der Makel der Schulden mitunter aus den Mittelmeerländern. Auch Italien droht eine Herabstufung.

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Nach der Herunterstufung der Kreditwürdigkeit hat die US-Regierung die Parteien des Landes zur Geschlossenheit in der Finanzpolitik aufgerufen. Die Politiker müssten zusammenarbeiten, um die Wirtschaft zu stärken und die Nation auf ein besseres finanzielles Fundament zu stellen, sagte US-Präsidialamtssprecher Jay Carney am Samstag in Washington.
Präsident Barack Obama werde in den nächsten Wochen einen parteiübergreifenden Ausschuss damit beauftragen, Einsparpotenziale auszuloten. Damit sollten die Staatsfinanzen langfristig gestärkt werden. Die Diskussionen bis zur Einigung auf einen Schuldenkompromiss hätten aber zu lang gedauert und seien manchmal zu kontrovers geführt worden, ergänzte Carney.
Den USA stehen schwere Tage bevor. Nach dem Entzug der Bestnote AAA durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wird mit Zittern der Montag erwartet: Wie reagieren die Märkte, fragen sich Börsianer in aller Welt.
Börse in Saudi-Arabien bereits abgestürzt
Nach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's ist die Börse in Saudi-Arabien bereits abgestürzt. Bis zur Schließung am Samstagabend fiel der saudi-arabische Leitindex TASI um 5,46 Prozent auf 6073,44 Punkte. Die wichtigste arabische Börse war der erste große Handelsplatz weltweit, der auf die Nachricht von der US-Herabstufung reagieren konnte. Alle anderen wichtigen Börsenplätze waren wegen des Wochenendes geschlossen.
S&P beurteilt auch die Aussichten der USA für die nahe Zukunft negativ. Das könnte die weltweit großen Unsicherheiten wegen der Rezessionsgefahren in den USA und der Schuldenkrise im Euro-Raum weiter verstärken.
China stellt US-Dollar als Leitwährung infrage
Amerikas größter Gläubiger China reagierte mit heftiger Kritik an der US-Haushaltspolitik und stellte die Rolle des US-Dollar als Leitwährung infrage. Die guten alten Zeiten des Schuldenmachens seien vorbei, ließ China - mit 1,15 Billionen Dollar in US-Staatsanleihen investiert - über Kommentare in der regierungstreuen Nachrichtenagentur Xinhua ausrichten. Auch die chinesische Ratingagentur hat gleich nach S&P die US-Bonität zurückgestuft.
US-Präsident Barack Obama forderte Republikaner und Demokraten im Kongress auf, gemeinsam daran zu arbeiten, den US-Staatshaushalt wieder in Ordnung zu bringen.
Gut 14,3 Billionen Dollar Staatsschulden sind es derzeit in den USA, IWF-Experten gehen davon aus, dass sie bereits sehr bald auf 100 Prozent vom BIP anwachsen wird. Allein das Haushaltsdefizit liegt dieses Jahr bei über 10 Prozent - beinahe "griechische Verhältnisse".
Nach der Abstufung der USA gibt es nur noch 17 Staaten, die von S&P die Bestnote AAA erhalten, dazu zählen allerdings auch einige Steueroasen und Zwergstaaten. Von den führenden Industrienationen (G-7) werden jetzt nur noch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada von S&P mit der höchste Bewertung eingestuft. Auch Österreich ist stolz auf sein Triple-A
Zwar stufte die "New York Times" die Herabstufung der USA eher als eine "symbolische" Aktion ein, deren konkrete Folgen derzeit noch alles andere als klar seien - doch die harte Reaktion aus Peking lässt nichts Gutes ahnen. Bis zur letzten Minute hatte Washington versucht, die Herabstufung zu verhindern. Bereits Freitagnachmittag hatte S&P der Regierung die Hiobsbotschaft zukommen lassen, die offizielle Verkündung wurde vorsorglich auf den Abend verschoben - die Börsen rund um die Welt hatten geschlossen.
US-Medien berichteten, das US-Finanzministerium habe einen Rechenfehler in den Kalkulationen der Ratingagentur entdeckt. Um 2 Billionen Dollar habe die Agentur die künftigen Schulden überschätzt. Doch die Agentur ließ sich nicht beirren.
Das Timing könnte nicht dramatischer sein: Seit Tagen spielen die Finanzmärkte verrückt. Wall Street meldete in der vergangenen Woche die schwersten Kurseinbrüche seit drei Jahren. Weltweit geht die Angst vor einem Rückfall in die Rezession um.
Auf beiden Seiten des Atlantiks herrscht "Doppelkrise". Über Europa hängt der Makel der Schulden aus den Mittelmeerländern. Jetzt droht auch Italien abzurutschen, die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wenn jetzt mit den USA der Primus der Weltwirtschaft ins Gerede gerät, kann niemand die Folgen einschätzen.
Optimisten setzen darauf, dass die direkten Konsequenzen der Herabstufung eher gering ausfallen. Sie verweisen darauf, dass die beiden großen US-Agenturen Moody's und Fitch die Bestnote "AAA zumindest fürs erste erhalten.
"Der Schritt sollte die Märkte nicht allzusehr überraschen", meint Ajay Rajadhyaksha von Barclays Capital in New York. Tatsächlich hatte S&P die Herabstufung vor Wochen angedroht - für den wahrscheinlichen Fall, dass sich die USA nicht zu wirklichen massiven Konsolidierungsmaßnahmen einigen können. Doch auch der Wall-Street-Banker räumt ein, dass die Herabsetzung zur Unzeit kommt. Die Chefanalystin der UniCredit Bank Austria in Wien, Monika Rosen, erwartet, dass die US-Notenbank Fed in den nächsten Wochen ein drittes Hilfspaket (sprich: neue Anleiheaufkäufe) schnürt.












