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Zuletzt aktualisiert: 13.07.2011 um 21:38 UhrKommentare

"Rabattschlacht" gegen die Krise

Schulden zum halben Preis? EU sucht verzweifelt nach Möglichkeiten, dem Krisen-Strudel zu entkommen und findet keine Linie.

Foto © AP

Kommt der EU-Gipfel am Freitag, am Sonntag, oder nächste Woche? In Brüssel wusste die rechte Hand gestern nicht, was die linke will - und auch mögliche Modalitäten einer Schuldenerleichterung für Griechenland wurden nur heftig diskutiert, obwohl auch die Rating-Agentur Fitch Griechenland von der Note B+ auf CCC herabgestuft hat, die schlechteste Note vor der Pleite.

Einigkeit herrschte letztlich nur bei der Einschätzung der Krise, denn mittlerweile ist wohl allen Finanzministern klar: Es geht ums Ganze. Längst geht es nicht mehr allein um Griechenland, Portugal oder Irland, die Krise schwappt mittlerweile auf Italien, Belgien und Spanien über. An den Börsen herrschte zwischenzeitig Panik, ein Schuldennachlass für die Griechen wird immer lauter diskutiert.

Die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet von einem Konzept, dem zufolge Griechenland seine Staatsanleihen zurücknimmt, dafür aber nur die Hälfte des Nominalwertes bezahlt. Der Schritt wäre ein klarer Tabubruch und würde einen radikalen "Haircut" bedeuten, 50 Prozent Schuldennachlass wären sogar weit mehr als die bisher in Bankenkreisen diskutierten 30 Prozent. Damit könnte erstmals eine "Rabattschlacht" frei nach dem Motto "darf es ein bisschen weniger sein" entbrannt sein. Das Geld für den Rückkauf könnte Griechenland aus dem Euro-Schutzschirm EFSF bekommen, der Wirtschaftszeitung zufolge soll eine Mehrzahl der Euro-Länder bereit sein zu akzeptieren, dass Anleihen zeitweise als "teilweiser Zahlungsausfall" eingestuft werden. Der Erfolg der Aktion: Griechenland könnte so seine Verschuldung von derzeit rund 150 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf 120 Prozent reduzieren. Fix ist aber noch lange nichts, ganz abgesehen davon, dass Deutschland einmal mehr auf der Bremse steht. Es gäbe keine Pläne für einen Sondergipfel, verlautete aus Berlin, jetzt gehe es erst einmal darum, dass ein neues Hilfspaket für Griechenland verabredet werde.

"Harakiri" der USA

Unheil braut sich aber nicht nur über Europa zusammen, auch in den USA ziehen immer düstere Wolken auf. Wie berichtet droht auch Washington - sollte das Schuldenlimit nicht erhöht werden - der finanzielle Gau. Da auch der jüngste "Schuldengipfel"im Weißen Haus kein Ergebnis brachte, sprach das Wall Street Journal angesichts der Streitereien zwischen Republikanern und Demokraten bereits von einem "Schuldenlimit-Harakiri", die New York Times schrieb, politischer Profit und nicht ökonomischer Verstand regiere die Politik. Wie berichtet müssten die USA bis zum 2. August ihre Schuldengrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar hinaufsetzen. Widrigenfalls drohen die Zahlungsunfähigkeit und eine Herabsetzung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen. Mit den in Europa sattsam bekannten Folgen. RAINER STRUNZ


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