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Zuletzt aktualisiert: 14.07.2011 um 10:40 UhrKommentare

"Neue" Hymne - und was haben die Frauen davon?

Die Politik leistete sich über Monate eine "Luxusdiskussion", stritt über "Söhne" und "Töchter" in der verstaubten Bundeshymne. Frauen - die das Scheingefecht auf der Politbühne mitansehen mussten - wollen endlich wahre Probleme gelöst sehen. Ein Kommentar von Thomas Golser.

Foto © Inter-Stilist - Fotolia.com

Aus "Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne" wird nun also fix "Heimat großer Töchter, Söhne, begnadet für das Schöne". SPÖ, ÖVP und Grüne haben sich doch auf das Unmögliche, Unvorstellbare verständigt, die Textpassage, in der in Österreichs Bundeshymne "große Söhne" besungen werden, um "Töchter" zu erweitern.

Eine "Luxusdiskussion"

Eine lächerliche Formalität im Jahr 2011, könnte man meinen. Eine nicht weiter erwähnenswerte Nachbesserung eines (übrigens von einer Frau namens Paula Preradovic geschriebenen) Textes, der seit 1947 einiges an Staub angesetzt hat. Nicht so in Österreich: Eine "Luxusdiskussion", die über Monate, ja Jahre, immer wieder angesteckt wurde und von den wahren Problemen einer Frau gar nicht weiter entfernt sein könnte. Das weibliche Geschlecht versteht nicht einmal, was hier einer Diskussion wert ist.

Ein Eiertanz um der Söhne Bart, dem es vor allem auf männlicher Seite leider oft auch an Stil gefehlt hat: ÖVP-Chef Michael Spindelegger sah sich mit einem Geschlechterstreit in der eigenen Partei konfrontiert. Denn was sich im Parlament im Juli abgespielt hat - man kann es hoffentlich auf die akute Sommerhitze schieben - hatte keinerlei Stil und leider auch wenig Substanz. Der Tiefpunkt der Posse: Die Spitze der ÖVP-Frauen hatte in einer Geheimaktion mit den Kolleginnen von SPÖ und Grünen einen Gesetzesantrag auf Änderung des Textes der Bundeshymne verfertigt, den Ex-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat in ihrer Abschiedsrede an den Nationalrat vortragen sollte. Dies wusste der (männliche) ÖVP-Klub zu verhindern, indem er einen Mandatar nach dem anderen zum Rednerpult schickte und z.B. über Mastschweine schwadronieren ließ.

Parlamentarisch und dem ganzen Volk zur Schau gestellte Verlustängste einer Männerdomäne: Dort, wo es für Männer eigentlich nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen gibt, würden sie endlich die Chancen einer gleichberechtigten Gesellschaft im 21. Jahrhundert erkennen. Nur für jene Männer freilich, die nicht gleich mit Aussagen "Was wollen die denn noch alles?" oder "Haben die sonst keine Sorgen?" ihre "Männer-sind-noch-immer-Männer"-Mentalität zur Schau stellen und die Diskussion um die Rolle der Frau in der Gesellschaft ins Lächerliche ziehen wollen.

Ein großes Problem ist freilich, dass selbst Frauen sich hier von den Frauen im Parlament nicht vertreten sehen: "Gendering" alleine hat in dieser Welt noch keine Probleme gelöst. Selbst das Argument, das Nachjustieren der Hymne sei ja ein Symbol, ein Anfang (von etwas, das längst Realität sein sollte) und "bewusstseinsprägend" (wie Rauch-Kallat es nannte), lassen Frauen im Land nicht gelten. Auch das huldvolle Absingen einer geschlechtsspezifisch geänderten Bundeshymne dürfte eine Frau beim Betrachten des Lohnzettels nicht glücklicher stimmen. Am Ende des Tages fühlen sich Frauen angesichts einer parlamentarischen Diskussion über die Änderung von zwei (!) Wörtern in einer 60 Jahre alten Hymne in ihren wahren Anliegen nicht ernst genommen. Zu Recht.

Die wahren Probleme

Die Lücke zwischen Mann und Frau klafft weiter auseinander - eine Hymne, die beide Geschlechter einschließt, alleine taugt nicht, nicht einmal als Symbol. Diskutieren wir lieber hitzig, hingebungsvoll und doch nüchtern über Frauen, z.B. über Frauen die weiter im Sumpf von Lohndumping, schlecht bezahlten Teilzeit-Jobs und mangelnden Aufstiegschancen waten müssen, fehlende Betreuungsplätze für Kinder und Vorherrschaft der Männer in Führungsetagen. Das sollte man den Männern in der Politik und ihren weiblichen Kolleginnen, die mindestens auf Augenhöhe sind, mitgeben - so übrigens auch der Tenor bei einer Umfrage unter etlichen jungen Frauen im Büro.

Und sogar Männer, die gerne ihre Bundeshymne grölen, wenigstens vor ÖFB-Ländermatches, sollten hier beipflichten. Sofern sie denn "wahre Kerle" sind.

THOMAS GOLSER

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