Arzt als Taxler bald Geschichte
Bestausgebildete Zuwanderer begnügen sich mit simplen Jobs, weil sie bei Anerkennung der Zeugnisse an Behörden verzweifeln. Neo-Staatssekretär Kurz will Vergeudung von Wissen beenden.

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Bisher hat es die Politik schulterzuckend zur Kenntnis genommen: dass ein irakischer Chirurg in Österreich als Taxifahrer unterwegs ist, eine ukrainische Atomphysikerin, die einst den KGB-Spionagesatelliten bedient hat, hierzulande zwei Jahrzehnte (!) auf die Anerkennung ihrer Diplome warten musste und sich in all diesen Jahren mit Nachhilfestunden über Wasser gehalten hat. Oder dass eine polnische Architektin als Putzfrau ihr Geld verdient.
Dieser unvorstellbaren Vergeudung von Wissen, Fähigkeiten und Know-how will Neo-Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz bald ein Ende bereiten. Die Wirtschaft klagt permanent über den Mangel an Facharbeitern, die Regierung will mit einer Rot-Weiß-Rot-Card Experten aus aller Welt nach Österreich locken - doch die Superqualifizierten sind längst im Land.
"Mir geht es darum, dass wir auf das gewaltige Potenzial zurückgreifen und die Leistungen, die die Menschen in Form von Lehr- oder Uni-Abschlüssen bei sich in der Heimat erbracht haben, auch anerkennen", so Kurz zur Kleinen Zeitung. Bei seinen Gesprächen mit Migranten wurde der Jungpolitiker immer wieder mit dieser nahezu skandalösen Praxis konfrontiert.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Sieben von zehn Migranten haben ihre Ausbildung in ihrer Heimat gemacht, bloß 17,7 Prozent unterziehen sich der Mühe, ihren Abschluss hierzulande anerkennen zu lassen. 47 Prozent der ausländischen Uni-Absolventen gehen einer Wifo-Studie zufolge einer Tätigkeit nach, für die sie überqualifiziert sind.
Warum das so ist, weiß fast jeder Österreicher, der im Ausland maturiert, studiert oder eine Ausbildung abgeschlossen hat. Die Anerkennung der Diplome gleicht einem Behördenlauf, der an Franz Kafka erinnert: Man wird von Pontius zu Pilatus geschickt, von der Uni zum Ministerium, zur Behörde und zurück. Wenn man das Glück hat, den Zuständigen zu finden, wird zumeist nur ein Bruchteil der Zeugnisse angerechnet. Wer Pech hat, muss wieder bei null anfangen, selbst wenn er knapp vor dem Abschluss stand.
Kurz will den Wildwuchs an Verfahren vereinfachen und im Ausland erworbene Zeugnisse schneller und unkomplizierter anerkennen lassen. In den nächsten Wochen sind Gespräche mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (Anerkennung von Uni-Abschlüssen), Unterrichtsministerin Claudia Schmied (Schulabschlüsse), Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (Fachkräfte) und Gesundheitsminister Alois Stöger (Gesundheitsberufe) geplant.
One-Stop-Shop
Ideal wäre freilich das One-Stop-Shop-Prinzip, also dass es in Österreich eine einzige Stelle gibt, die für die Anerkennung von Berufsqualifikationen zuständig ist. Dazu wird es angesichts der Beharrungskräfte in der Verwaltung wohl kaum kommen.













