Eurofighter: Bestechung wie im Flug
Fünf Hausdurchsuchungen in Wien sollen Verdacht auf Korruption beim Eurofighter-Kauf klären. Staatsanwalt ermittelt wegen Beamtenbestechung. Geldwäscherei, falscher Zeugenaussage.

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Seit gut drei Wochen ist die Staatsanwaltschaft Wien hinter einem alten Verdacht her, der zufällig in Rom aufgewärmt worden ist: Ein dort im März als vermutlicher Anlagebetrüger verhafteter Gianfranco Lande hatte der dortigen Justiz Hinweise auf groß angelegte Korruption beim Kauf der österreichischen Militärjets vom Typ Eurofighter geliefert. Nun ermittelt der Staatsanwalt wegen Verdachts auf Beamtenbestechung, Geldwäscherei, falscher Zeugenaussage und Steuerbetrug. Am Samstag wurden in diesem Zusammenhang in Wien, wie die Leiterin der Staatsanwaltschaft Wien, Maria-Luise Nittel bestätigt, an fünf Orten Hausdurchsuchungen durchgeführt.
Im Zentrum der Ermittlungen stehen die zwei Waffenhändler Alfred Plattner und Walter Schön sowie der Manager des deutschen Rüstungskonzerns und Eurofighter-Beteiligten EADS, Klaus Dieter Bergner. Auch gegen Beamte dürfte ermittelt werden. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft allerdings nicht. "Das Ganze ist brandaktuell, ich kann dazu nichts sagen", sagte Nittel zur Kleinen Zeitung.
Mit einschlägigen Recherchen ist seit Wochen auch Peter Pilz beschäftigt, der Vorsitzende des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Thema Eurofighte, der im Frühsommer 2007 von der Rot-schwarzen Regierung abgebrochen worden war. Der grüne Sicherheitssprecher hat in Rom mit Staatsanwälten geredet und von dort Akten und Vernehmungsprotokolle mitgebracht. Sie wollen belegen, dass EADS speziell für den Verkauf der Jets an Österreich in London die Briefkastenfirma "Vector Aerospace" gegründet habe, über die 84 "dubiose" Millionen Euro geflossen seien.
Belegt ist bisher, dass diese Vector Aerospace an eine Firma des der Bestechung verdächtigen Waffenhändlers Schön 14,5 Millionen bezahlt hat. Zumindest weitere 120.000 Euro sind an die European Business Development (EBD) geflossen, die in Österreich gegenüber dem Wirtschaftsministerium für die Abwicklung der Gegengeschäfte beim Eurofighter-Deal zuständig war. Diese EBD gehört, wie sich zur Verblüffung von Pilz zeigte, ausgerechnet den Waffenhändlern Schön und Plattner.
Heikler Kaufvertrag
"Ich gehe davon aus, dass beim Eurofighter-Kauf nicht nur Beamte, sondern auch Mitglieder der Bundesregierung bestochen worden sind", sagt Pilz, der dahinter "den größten Korruptionsfall der Zweiten Republik" wittert. Pilz spricht wegen der zuletzt gefundenen Spuren von einer "Wende im Fall Eurofighter". Er glaubt mehr denn je, der Kauf könne sogar noch rückgängig gemacht werden. Eine Passage im Eurofighter-Vertrag (ein "code of bussiness conduct") mache das Geschäft unwirksam, falls Korruption nachweisbar wird.
"Ich will die Eurofighter in die Luft bringen, zum letzten Flug Richtung Deutschland", sagt er. Ein neuer Untersuchungsausschuss sei "im Lauf der Legislaturperiode jedenfalls unabwendbar", behauptet der Grüne.
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Die Beschaffung
2000 beschloss die schwarz-blaue Regierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, neue Abfangjäger für das Bundesheer anzuschaffen. Das Rennen machte 2002 Eurofigther-Hersteller EADS: 24 Stück um 1,8 Milliarden Euro. Dann Reduktion auf 18 Stück, später 15. Der erste Austro-Eurofighter landete 2007 im obersteirischen Zeltweg.
Der Vergleich
Als die SPÖ unter Alfred Gusenbauer 2006 die Nationalratswahl gewann, versuchte sie, ihr Wahlversprechen zu verwirklich, aus dem Deal auszusteigen. Ein Gutachten beschied aber, dass das ohne hohe Kosten nicht möglich ist. Der neue Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) schloss einen Vergleich mit nur noch 15 Jets.
Die Lobbyisten
Von Beginn umrankten den Deal Gerüchte über Korruption. Ein Lobbyist zahlte der Frau eines hohen Offiziers ("Airchief") 87.000 Euro. FPÖ-Sympathisanten kassierten 100.000 Euro für eine Pressekonferenz. Ein Mann des Liberalen Forums gab zu, auch als EADS-Lobbyist tätig zu sein wie der bereit legendäre Alfons Mensdorff-Pouilly.
Die Aufarbeitung
2007 untersuchte ein Untersuchungsausschuss des Nationalrates mögliche Malversationen beim Ankauf der Jets. Der Rechnungshof kritisierte die Verhandlungsführung von Minister Darabos beim Vergleich. Die Staatsanwaltschaft stellte das Strafverfahren gegen den Offizier, dessen Gattin EADS-Geld bekommen hatte, 2011 ein.













