Den Haag: Mladic muss am Freitag vor den Richter
Der frühere Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, wird am Freitag um 10.00 Uhr zum ersten Mal vor den Richtern des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien erscheinen. Wer Mladic in Den Haag verteidigt, ist noch nicht bekannt.

Foto © APRatko Mladic muss sich in Den Haag für seine Verbrechen verantworten
Der jahrelang gesuchte frühere Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, wird Freitag früh um 10.00 Uhr zum ersten Mal vor den Richtern des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) erscheinen. "Mladic wird einen fairen Prozess haben, seine Rechte werden geachtet werden", versicherte Tribunals-Chefankläger Serge Brammertz bei einer Pressekonferenz in Den Haag anlässlich der am Dienstag erfolgten Überstellung des Haager Angeklagten.
"Festnahme auch für die Opfer wichtig"
"Dies (Festnahme und Überstellung von Mladic an das UNO-Tribunal, Anm.) bestätigt, dass niemand damit rechnen kann, unbestraft zu bleiben", unterstrich Brammertz. Die Festnahme und Auslieferung Mladics seien auch für die Opfer wichtig, die 16 Jahre lang auf Gerechtigkeit gewartet hätten. Mladic sei während des Bosnien-Krieges der höchstrangige Offizier der bosnischen Serben gewesen. Er sei für seine Teilnahme und die Teilnahme seiner Truppen am gewaltsamen Vorgehen während des Bosnien-Krieges (1992-1995) angeklagt worden. "Diese Verbrechen haben ganze Nationen zerstört", unterstrich Brammertz.
Vor dem Tribunalssenat, der sich aus dem Deutschen Christoph Flügge ( 63), dem Niederländer Alphons Orie (63) und dem Südafrikaner Bakone Justice Moloto (66) zusammensetzt, soll sich Mladic beim ersten Erscheinen zur Anklage äußern. Entsprechend den Tribunalsregeln kann er bzw. sein Verteidiger beantragen, dass er dies erst in 30 Tagen tut. Für Letzteres hatte sich vor drei Jahren der frühere Präsident der Serbischen Republik, Radovan Karadzic, entschlossen. Laut der Tribunalspraxis sind die Richter, vor denen sich der Angeklagte zur Anklage zu äußern hat, allerdings nicht auch diejenigen, die den darauffolgenden Prozess führen.
Mladic hat noch keinen Verteidiger
Da Mladic derzeit noch keinen Verteidiger hat, wird er sich vor seinem ersten Auftritt vor den Richtern laut Tribunalssprecherin Nerma Jelacic einen Verteidiger aus einer Liste beim Tribunal akkreditierter Anwälte aussuchen können. Es wird erwartet, dass Mladic vor den Richtern auch ein kleines Detail klärt. Es geht um diverse Geburtsdaten, die in der Öffentlichkeit kursieren. Laut der Anklageschrift wurde Mladic am 12. März 1942 in der bosnischen Gemeinde Kalinovik südlich von Sarajevo geboren. Anderen Quellen zufolge soll er um ein Jahr jünger sein.
Das Verteidigerteam Mladics ist bisher noch unbekannt. Sein Belgrader Anwalt und Familienfreund Milos Saljic erklärte in den vergangenen Tagen, dass er zu den Verteidigern gehören würde. Vor der Überstellung an das UNO-Tribunal war Mladic im Belgrader Gefängnis auch von der Völkerrechtsexpertin Smilja Avramov, in den 1990er Jahren eine der treusten Beraterinnen von Slobodan Milosevic, besucht worden. Es hieß, dass der Haager Angeklagte auch sie in seinem Verteidigerteam haben möchte. Dass sich Mladic eventuell selbst verteidigen will, scheint nicht sehr wahrscheinlich zu sein.
Belgrad muss nicht für Verteidigungskosten aufkommen
Die serbischen Behörden sind nach Worten des Arbeitsministers Rasim Ljajic nicht verpflichtet, die Verteidigungskosten für den einstigen Militärchef der bosnischen Serben Ratko Mladic zu übernehmen. Mladic habe sich nicht freiwillig gestellt, argumentierte der Minister gegenüber der privaten Presseagentur Beta. Die serbischen Behörden wären allerdings verpflichtet, der Verteidigung des Haager Angeklagten oder der Anklage die beantragten Unterlagen zuzustellen.
Sollte die Familie Mladic´ allerdings beweisen, dass sie sich in einer schlechtern finanziellen Lage befinde, könnten die Behörden über die finanzielle Hilfe aus "humanitären Gründen" entscheiden, präzisierte Ljajic. Dafür müssten den Behörden allerdings entsprechende Beweise über die Finanzsituation der Familie von Mladic zugestellt werden.
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Mladic ist vor dem Haager Tribunal wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 angeklagt. Er wird vor allem für das Massaker von Srebrenica mit rund 8.000 Toten, die 44 Monate dauernde Belagerung Sarajevos, aber auch die Geiselnahme von 200 UNO-Soldaten im Mai 1995 verantwortlich gemacht. Das Massaker von Srebrenica gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.















