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Zuletzt aktualisiert: 01.06.2011 um 09:17 UhrKommentare

Mladic in Den Haag: Verlesung der Anklage vor Tribunal

Der vor dem Kriegsverbrechertribunal angeklagte frühere Militärführer der bosnischen Serben, Ratko Mladic, hat eine erste Nacht in einem Gefängnis in Den Haag verbracht. Die serbischen Behörden hatten ihn am Dienstag ausgeliefert.

Mladic am Tag seiner Verhaftung

Foto © APMladic am Tag seiner Verhaftung

Eine Sondermaschine der Regierung brachte ihn am Abend nach Rotterdam. Von dort wurde der Ex-General, der sich für die schwersten nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa begangenen Kriegsverbrechen verantworten soll, unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in das Gefängnis von Scheveningen gebracht.

Mladic muss in Den Haag jetzt innerhalb von 48 Stunden erstmals vor dem Richter des UNO-Tribunals erscheinen. Dann wird ihm die Anklage verlesen, anschließend muss er sich für schuldig oder unschuldig bekennen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton begrüßte die die Überstellung Mladics an das UNO-Kriegsverbrechertribunal. Dies sei ein "bedeutender Moment" für die Versöhnung in den Balkanländern und die internationale Justiz, erklärte Ashton am Dienstagabend in Brüssel. Der Prozess gegen den früheren bosnisch-serbischen Armeechef vor dem UNO-Tribunal werde dazu beitragen, die Wahrheit aufzudecken und für Gerechtigkeit sorgen, und damit eine "Verpflichtung" gegenüber den Opfern und ihren Familien erfüllen.

"Starkes Signal"

Ähnlich äußerte sich der deutsche Außenminister Guido Westerwelle. "Es ist ein starkes Signal für die gewachsene Kraft des internationalen Rechts, dass sich dieser mutmaßliche Kriegsverbrecher jetzt vor Gericht verantworten muss", sagte er am Mittwoch bei einem Besuch in der australischen Hauptstadt Canberra. Es sei auch eine, "wenn auch späte Genugtuung für die Opfer der Untaten, die Mladic zu verantworten hat."

Wenige Stunden vor der Auslieferung hatte ein Gericht in Belgrad einen Einspruch der Verteidigung gegen die Überstellung nach Den Haag abgelehnt. Justizministerin Snezana Malovic unterzeichnete daraufhin die Auslieferungspapiere. Mladic war am vergangenen Donnerstag nach fast 16-jähriger Flucht verhaftet worden.

Vor seinem Abflug aus Belgrad hatte die Polizei aus Sicherheitsgründen ein Verwirrspiel organisiert. Insgesamt drei Kolonnen mit Polizei-Jeeps hatten im Abstand von einer Stunde das Gericht in Belgrad verlassen, in dem Mladic seit seiner Verhaftung in einer Zelle saß. Die Autobahn von der Innenstadt in Richtung Flughafen wurde von der Polizei blockiert.


Anklage

Der ehemalige Oberkommandant der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992-1995) ist des Völkermordes angeklagt. Unter anderem geht es um die Ermordung von bis zu 8.000 muslimischen Männern und Jugendlichen im ostbosnischen Srebrenica im Juli 1995, um Grausamkeiten in Gefangenenlagern, sogenannte ethnische Säuberungen und den jahrelangen Beschuss von Sarajevo mit schweren Waffen, wobei tausende Menschen getötet wurden.

Insgesamt waren im Bosnien-Krieg aufseiten der Muslime, Kroaten aber auch der Serben insgesamt wenigstens 100.000 namentlich benannte Menschen ums Leben gekommen.

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