Spannender Kampf um die drittgrößte Stadt
Wolfsberg wählt am 19. Juni. Die FPK will mit enormem Werbeaufwand der SPÖ das Bürgermeister-Amt abjagen. Antonia Gössinger in ihrer Kolumne "Salz & Pfeffer" über die Kandidaten und die aktuelle politische Situation in Wolfsberg.

Foto © HollaufLandespolitik-Chefin der "Kleine Zeitung", Antonia Gössinger mit den Kandidaten Mario Woltsche, Hans-Peter Schlagholz und Heinz Hochegger
Knapp und kühl. Der im März überraschend erfolgte Rücktritt von Gerhard Seifried als Wolfsberger Bürgermeister war auf beiden Seiten ein Abschied ohne Wehmut. Seifried fand es gerade noch der Mühe wert, sich von den Gemeindebediensteten zu verabschieden. Seither wird er in der Stadt nicht mehr gesichtet, und von den Wolfsbergern auch nicht vermisst. Denn der 1998 als "Superstar" und große Hoffnung der SPÖ ins Bürgermeister-Amt gekommene Seifried war kein Volkstribun, ließ sich nur selten bei Veranstaltungen blicken und irritierte die Bürger, wenn er beim Sprechtag dem Bildschirm mit den CNN-Schlagzeilen größere Beachtung schenkte als ihren Anliegen. Als ihm vor der Wahl 2009 sein Mann für alles und fürs Grobe, Heimo Toefferl , und bei der Wahl die absolute SPÖ-Mehrheit abhandenkam, dürfte Seifried die Lust an der Politik vergangen sein. Die letzten beiden Jahre waren gegenseitige Quälerei - zuerst in einer "Plattform" mit der FPK (damals noch BZÖ) und dann als Bürgermeister ohne Mehrheit gegen eine stille Koalition von FPK und ÖVP.
Als Folge ist die Frage des Klimas im Rathaus das größte Thema im laufenden Bürgermeister-Wahlkampf. Gewählt wird Seifrieds Nachfolger am 19. Juni oder in einer Stichwahl am 3. Juli.
Eine "Stilwende herbeizuführen und dieses Signal von der stärksten Fraktion auszusenden", sieht Hans-Peter Schlagholz , der SPÖ-Bürgermeister-Kandidat, als "wichtigste Aufgabe", sollte er das Rennen machen. Die SPÖ ist die stärkste Fraktion. Die 35 Gemeinderatsmandate verteilen sich auf 15 SPÖ, 14 FPK, 5 ÖVP und ein Mandat der Grünen. Im Stadtsenat steht es 4 SPÖ, 4 FPK und eins ÖVP. Bei einer - von der Kleinen Zeitung veranstalteten - Konfrontation der drei Kandidaten signalisierten auch Heinz Hochegger (FPK) und Mario Woltsche (ÖVP) ihre Bereitschaft zur Gemeinsamkeit, zu einer Zusammenarbeit ohne koalitionäre Bindungen. Die Frage ist nur, ob der umgängliche Hochegger - von Beruf Bundesheer-Beamter - so darf, wie er will. Als starker Mann, der im Hintergrund die Richtung vorgibt, gilt Harald Trettenbrein , FPK-Fraktionschef in Wolfsberg und Landtagsabgeordneter. Trettenbrein wiederum ist verlängerter Arm der FPK-Landesspitze, die sich brachial alle Positionen einverleiben will. Da spielt Geld keine Rolle. Für Hochegger wird eine ausufernde Werbung getrieben, als hätte es nach der letzten Landtagswahl nie eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit eines solchen Aufwandes gegeben. Der SPÖ das Bürgermeister-Amt in der drittgrößten Stadt Kärntens abzunehmen, wäre ein riesiger Erfolg für die Freiheitlichen und ein Desaster für die Roten.
D ank Seifrieds Großzügigkeit bei der Referatsaufteilung nach der letzten Wahl - seine Partei nennt es einen Fehler -, kann Hochegger einige Leistungen vorweisen. Was ÖVP-Kandidat Woltsche relativiert: Alle hätten ihren Anteil an der Entwicklung der Stadt, Hocheggers Bauprojekte seien einfach sichtbarer. Heftig in Abrede stellt Woltsche - von Beruf Vertriebsmanager einer deutschen Versicherung -, dass seine Kandidatur ein Hilfsdienst für die FPK ist und dazu dient, einen Schlagholz-Erfolg im ersten Wahlgang zu verhindern. Es werde bei einer Stichwahl von ihm keine Empfehlung geben, sagt Woltsche. Er überraschte mit seinem guten Auftreten bei der Veranstaltung der Kleinen die rund 250 Zuhörer am meisten: Aufgrund seines beruflichen Engagements ist er in Wolfsberg nicht so präsent und bekannt.
Aufgrund seiner starken Verankerung im Lavanttal und jahrzehntelangen Polit-Erfahrung ist Schlagholz überzeugt, im ersten Wahlgang zu gewinnen. Derzeit ist er SPÖ-Landesgeschäftsführer und Landtagsabgeordneter. Alt-Bürgermeister Manfred Kraxner hält große Stücke von ihm: In seiner Amtszeit seien die meisten Ideen vom damaligen Fraktionsführer Schlagholz gekommen. Von Seifried, mit dem Schlagholz nie ganz auf Linie war, wird es wohl keine Unterstützung geben. Den Ex-Stadtchef hat der Weg in die Gesundheitsberatungsfirma "shm" geführt.












