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Zuletzt aktualisiert: 18.05.2011 um 09:26 UhrKommentare

USA fordern von IWF Ablöse von Strauss-Kahn

Der wegen versuchter Vergewaltigung verhaftete IWF-Chef Strauss-Kahn wird vermutlich seinen Job verlieren. Die USA fordern vom IWF das Einsetzen einer Interimsführung. Nun bringen sich die Geberländer in Stellung.

Foto © AP

Wegen der Inhaftierung von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat die US-Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgefordert, eine Interimsführung zu ernennen. Er könne sich zwar zu dem konkreten Fall nicht äußern, aber Strauss-Kahn sei derzeit offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu leiten, sagte Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag in New York. Es sei daher wichtig, dass das IWF-Direktorium offiziell jemanden einsetze, der für eine Übergangszeit die Führung übernehme. Die USA sind das wichtigste Geberland für den Währungsfonds.

Geithner sagte zudem, er sei zuversichtlich, dass der IWF trotz der gegenwärtigen Herausforderung seine Rolle in der Finanzwelt spielen werde. "Da passiert gerade eine Menge in der Welt, und da möchte man, dass der Währungsfonds hilfreich ist", sagte Geithner. "Ich bin aber überzeugt, dass er dazu in der Lage sein wird." Der IWF hatte zuvor Strauss-Kahns Stellvertreter John Lipsky mit der Führung der Geschäfte beauftragt.

Derzeit hat IWF-Vize John Lipsky die Aufgaben von Strauss-Kahn übernommen, der wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung einer Hotelangestellten in Untersuchungshaft sitzt. Ein offizieller Interimschef wurde aber nicht ernannt.

Aus dem Umfeld des IWF-Direktoriums hieß es, dass das Führungsgremium Kontakt zu Strauss-Kahn aufnehmen wolle, um zu erfahren, ob er sein Amt weiter ausführen wolle. Das 24-köpfige Gremium kann den IWF-Chef von seinem Posten entheben. Eine Person aus dem Umfeld des Direktoriums sagte, ideal wäre ein Rücktritt. Eine zweite Person erklärte aber, dass diese Sicht nicht von dem gesamten Gremium geteilt werde. Ein IWF-Sprecher sagte lediglich, seit der Festnahme am Samstag habe das Direktorium keinen Kontakt zu Strauss-Kahn gehabt. Dies dürfte aber zu gegebener Zeit geschehen.

Kein Europäer?

In die Debatte über eine Nachfolge von Strauss-Kahn kam weiter Bewegung. Vor allem die großen Schwellenländer brachten sich in Stellung. China, Brasilien und Südafrika begannen indirekt die Regelung infrage zu stellen, wonach Europa traditionell den IWF-Chef stellt. Als zweiten Mann an der Spitze wollen die USA offenbar Präsidentenberater David Lipton als Nachfolger von Lipsky, wenn dieser wie geplant sein Amt im August aufgibt, wie Reuters aus IWF-Kreisen erfuhr.

Zu den Namen, die für den IWF-Chefposten genannt werden, gehören Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde und der britische Ex-Premier Gordon Brown. Als mögliche deutsche Kandidaten im Gespräch sind Thomas Mirow, der Chef der in London ansässigen Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, sowie der frühere deutsche Finanzminister Peer Steinbrück und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Bisher besetzen die Europäer den IWF-Chefposten mit Sitz in Washington. Im Gegenzug steht bisher stets ein Amerikaner an der Spitze der Weltbank. Inzwischen haben aber aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien mehr Einfluss beim IWF und wollen künftig auch Führungspositionen besetzen.

Der brasilianische Finanzminister Guido Mantega sprach sich dafür aus, dass Kandidaten aus Entwicklungs- und Schwellenländern diesmal durchaus in Betracht kommen müssten. Zu den kursierenden Namen aus aufstrebenden Schwellenländern gehören der türkische Ex-Minister Kemal Dervis, Südafrikas Ex-Finanzminister Trevor Manuel sowie der mexikanische Zentralbank-Governeur Agustín Carstens.

Der IWF ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal.

Selbstmordgefahr

Strauss-Kahn war am Samstag festgenommen worden. Der 62-jährige Franzose soll versucht haben, in einem Hotel ein Zimmermädchen zu vergewaltigen - was er bestreitet. Nachdem das Gericht in Manhattan eine Kaution ablehnte, wurde er zur Untersuchungshaft ins berüchtigte New Yorker Gefängnis Rikers Island verlegt. Dort steht er Justizkreisen zufolge unter besonderer Beobachtung, um eine Selbstmordgefährdung auszuschließen. Er werde öfter beobachtet als gewöhnlich. Dabei handle es sich allerdings um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Strauss-Kahn habe keine Anzeichen gezeigt, dass er sich etwas antun wolle. Der nächste Gerichtstermin ist für Freitag angesetzt. Im Falle einer Verurteilung drohen Strauss-Kahn 25 Jahre Gefängnis. Bis zu einem Prozessbeginn könnte es Rechtsexperten zufolge aber noch sechs Monate dauern.

Bei dem mutmaßlichen Opfer handelt es sich ihrem Anwalt zufolge um eine 32-jährige Witwe, die vor sieben Jahren aus dem westafrikanischen Guinea mit ihrer inzwischen 15-jährigen Tochter nach New York gekommen sei. Der Frau sei nicht bewusst gewesen, um wen es sich bei Strauss-Kahn gehandelt habe. Sie wolle anonym bleiben, weil sie sich angesichts der weltweiten Aufmerksamkeit des Falles bedroht fühle, sagte ihr Anwalt Jeffrey Shapiro.

New York Bürgermeister Michael Bloomberg wies Kritik an dem Vorgehen der Polizei zurück. Vor allem in Frankreich war die öffentliche Zurschaustellung des Gangs von Strauss-Kahn in Handschellen von der Zelle bis zum Haftrichter auf Empörung gestoßen. Strauss-Kahns sozialistische Partei bezeichnete dessen Behandlung als "Lynchmord" und warf den US-Behörden politische Motivation vor. Der ehemalige Kulturminister Jack Lang sagte, es sei erschreckend und abscheulich, dass der Angeklagte der Presse unrasiert und in Handschellen vorgeführt worden sei.


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