Neue Kärntner braucht das Land
In 19 Jahren werden Kärnten voraussichtlich 20.000 qualifizierte Arbeitskräfte fehlen. Attraktivität des Landes für Einwanderer stark gesunken. Tourismus leidet.

Foto © Fotolia (2)Täglich verlassen sieben Menschen das Land, statistisch gesehen. In knapp zwei Jahrzehnten fehlen rund 20.000 qualifizierte Arbeitskräfte. "Nachschub" ist nicht in Sicht
Neue Kärntner müssen her! Das zeigt ein Blick auf die Bevölkerungsentwicklung: Bis 2030 werden fast 20.000 qualifizierte Arbeitskräfte fehlen - dessen ist sich Franz Pacher, Präsident der Kärntner Wirtschaftskammer, bewusst. Selbst wenn die Geburtenrate wider Erwarten ansteigen würde, könnte das nichts an dieser Entwicklung ändern. Pachers Lösungsvorschlag: "Wir schaffen das nur mit Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland und aus anderen Bundesländern."
Schnell gesagt, schwer zu verwirklichen. Da die nötige Zuwanderung ein langjähriger Prozess wäre, ist Pacher dafür, ausgewanderte Kärntner "heimzuholen". Dafür seien Förderungsprogramme notwendig: "Es müssen Wohnungen zur Verfügung stehen, Familienförderungen sind wichtig und Firmengründungen müssen forciert werden", analysiert Pacher. Konkrete Schritte werden aber noch nicht gesetzt. Nur einzelne Unternehmen versuchen, Arbeitskräfte aus dem Ausland zu bekommen.
Um Leute nach Kärnten zu locken, "muss die Vielfalt der Sprache gepflogen werden", ist Pacher überzeugt. Das Thema Internationalisierung fehle derzeit aber und müsse vom Kindergarten an bis zur Universität vermittelt werden. Kärnten müsse in Bezug auf Zuwanderung toleranter werden, sonst würden sich die düsteren Prognosen für den Arbeitsmarkt, die Wirtschaft und die Bevölkerung verwirklichen.
Defizite im Arbeitsmarkt sieht auch Peter Ibounig, Leiter der Landesstatistik. Er weiß, dass "nichts offensiv gemacht wird", um Leute herzuholen: "Es ist wichtig, Leute reinzulassen, die der Arbeitsmarkt braucht." Derzeit gibt es in Kärnten 22.000 Arbeitslose, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 9,9 Prozent. Die Altersstruktur ließe aber erkennen, dass ab 2020 ein Rückgang spürbar werde. "Falls nicht gegengesteuert wird, gibt es 2030 fast 20.000 weniger Erwerbstätige als heute."
Kärnten ist als Urlaubsziel beliebt, so Pacher wie Ibounig. Aber auch im Tourismus sind starke Rückgänge zu verzeichnen. Im Sommerhalbjahr 2009 übernachteten 9 Millionen Gäste in Kärnten, 1991 waren es rund 14 Millionen - ein Minus von 40 Prozent. In Kärnten gibt es nur mehr halb so viele Übernachtungen wie in Tirol. Ibounig: "Die Übernachtungsspitze ist im Juli und August und beträgt 62 Prozent. Das entspricht fast zwei Drittel aller Sommernächtigungen in Kärnten. Die Marke ,warme Badeseen' ist zu wenig, wir brauchen mehr Urlauber in der Vorsaison."
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Wirtschaftsdialog
Was? Diskussion: "Stirbt Kärnten aus? - Die demografische Entwicklung als Herausforderung für Kärntens Wirtschaft".
Wann & wo? Heute, 4. Mai, um 19 Uhr im Casineum Velden.
Wer? Politologe Peter Filzmaier, Bildungsexpertin Elke Gruber, Demograf Rainer Münz, GF Franz Kreuzer, Stefan Sagl (ÖH).












