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Zuletzt aktualisiert: 02.05.2011 um 21:57 UhrKommentare

Gül trifft auch fragwürdigen islamischen Verein

Bundespräsident Heinz Fischer und seine Frau Margit empfingen den türkische Staatspräsident Gül samt Gattin betont freundlich, mit den höchsten militärischen Ehrbezeugungen. Doch Staatschef Gül trifft in Österreich nicht nur die Spitzen der Republik.

Der türkische Präsident Abdullah Gül mit Bundespräsident Heinz Fischer

Foto © ReutersDer türkische Präsident Abdullah Gül mit Bundespräsident Heinz Fischer

Hinter den Mauern der Hofburg bläht sich eine türkische Fahne neben der österreichischen, daneben steht ein Großaufgebot an Soldaten Spalier. Vom nahen Stephansdom her ist das Schlagen der Pummerin zu hören. Zwölf Uhr Mittag, alles wartet auf Abdullah Gül.

Der türkische Staatspräsident verspätet sich. Mit seiner Gattin Hayrünnisa entsteigt er wenig später einem schusssicheren Audi. Hayrünnisa trägt Kopftuch - was in der Türkei eigentlich verpönt ist. Wie Premier Recep Erdogan gehört Gül der konservativ-islamischen Regierungspartei AKP an.

Bundespräsident Heinz Fischer und seine Frau Margit empfangen die beiden betont freundlich, mit den höchsten militärischen Ehrbezeugungen. Es ist kein einfacher Staatsbesuch für Gül. Kurdische Menschenrechtsgruppen wie "Feykom" hatten im Vorfeld gegen Diskriminierungen in der Türkei protestiert. Allein im April seien insgesamt 831 Bürgerrechtler verhaftet worden, kritisiert der Wiener Feykom-Sprecher Mevlüt Kücükyasar.

Zudem sorgt Österreichs ablehnende Haltung gegen einen EU-Beitritt der Türkei in Ankara seit Jahren für böses Blut. In Wien wiederum kamen die provokanten Aussagen des türkischen Botschafters Ecvet Tezcan ("Wenn ihr keine Ausländer wollt, dann jagt sie doch fort") gar nicht gut an. FPÖ und BZÖ blieben dem Staatsbankett daher demonstrativ fern, der BZÖ-Abgeordnete Ewald Stadler hat Gül sogar zur "unerwünschten" Person erklärt. Eine Ansage, die Fischer sichtlich empört: "Unhöflich" und "wenig relevant" seien diese Aussagen. Jede Form von Fremdenfeindlichkeit sei zurückzuweisen, erklärt Fischer.

Gül selbst nimmt zur Situation der rund 200.000 türkischen Migranten in Österreich offensiv Stellung. "Die Probleme sind bekannt", sagt er. Er würde sich wünschen, dass die Zuwanderer sowohl Deutsch als auch Türkisch akzentfrei beherrschten: "Doppelmuttersprache", nennt er das. Seine Hoffnung: Die in Österreich lebenden Türken könnten eine "Brückenfunktion" zwischen den Kulturen einnehmen.

"Genau hinschauen"

Güls Aussagen stehen in einem gewissen Widerspruch zu seinem Terminkalender. Neben Treffen mit den Staatsspitzen und mit dem Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl plant Gül auf seinem dreitägigen Österreich-Besuch auch einen Besuch beim islamischen Studentinnenverein "Wonder" in Wien Ottakring. Der Verein geriet Ende 2010 in die Schlagzeilen. Damals traten dort Redner auf, die von deutschen Behörden als "rassistisch, antisemitisch und antidemokratisch" eingeschätzt werden. Auch die islamische Glaubensgemeinschaft distanzierte sich klar von Wonder. "Dort sprachen Hassprediger", sagt der Grünen-Abgeordnete Harald Walser. "Auch wenn Wonder sicher nicht aus lauter Fundamentalisten besteht, sollte man sehr genau hinschauen, wenn Gül dort auftritt".

Das freilich wird schwer sein. Die Diskussion ist nicht öffentlich, Akkreditierungen müssen dem Vernehmen nach von Ankara genehmigt werden. Als Beispiel gelungener Integration kann der Verein jedenfalls nicht herhalten. Kommilitonen erzählen, dass Wonder-Mitglieder an der Uni systematisch von anderen abgeschottet werden.


Fakten

Neben den offiziellen Terminen, die Gül in Wien und Salzburg wahrnehmen wird, sind auch Treffen mit Vertretern der türkischen Gemeinschaft vorgesehen. Türkische Beobachter werteten es gegenüber der Austria Presse Agentur als bedeutend, dass sich Gül zu einem drei Tage dauernden Besuch in Österreich aufhält.

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