Eine Altlast und ein neuer Verdacht
Konzern-Kennzahlen des Bauriesen Strabag: 73.600 Mitarbeiter, 12,8 Milliarden Euro Umsatz, 14,7 Milliarden Auftragsbestand. Strabag-Chef macht frühere Mitarbeiter verantwortlich. Kammer-Präsident sieht auf allen Ebenen Inkasso-System.

Foto © APADer Bau-Riese, die Politik und die Geistlichkeit: Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner (vorne) beim symbolischen Spatenstich für den Koralm- tunnel, den sein Unternehmen baut
Braucht einer der führenden europäischen Baukonzerne tatsächlich die Dienste einer Ein-Mann-Agentur für "Layout-Beratungen". "Nein, natürlich nicht", sagt Konzernchef Hans Peter Haselsteiner. Dennoch hat die Strabag eine Rechnung der FPK-Werbeagentur "Connect" über 24.000 Euro bezahlt. Das führt Haselsteiner auf personelle Altlasten in Kärnten zurück. Bei der Übernahme einer Baufirma habe man einen Niederlassungsleiter "und in dessen Dunstkreis" einen der Landeshauptmann-Partei nahestehenden Manager übernommen (Namen der Redaktion bekannt). Von beiden habe man sich längst getrennt, mit einem streite der Konzern noch und beide versuchten jetzt, der Strabag das Leben in Kärnten schwer zu machen. Über diese Schiene sei das Geld an die FPK-Agentur geflossen. Er, Haselsteiner, habe davon "gar nichts gewusst". Die zweite öffentlich aufgetauchte Rechnung über 84.000 Euro findet man in der Strabag-Zentrale nicht. "Wir haben alles durchforstet", zeigt sich der Konzernherr sehr informiert. Denn: "So etwas sollte es nicht geben."
Wie hält es die Strabag generell mit Parteispenden? "Seit wir an der Börse sind, ist dafür kein Spielraum mehr", sagt Haselsteiner. Im Oktober 2007 ging der Baukonzern an die Börse. Früher hätte es gelegentlich Spenden an Parteien gegeben. Aber seit er selbst in der Politik war, hätte es Zahlungen "nur noch an die Liberalen" gegeben.
In den Verdacht unlauterer Parteienfinanzierung ist der Baukonzern aber mehrmals geraten. So hatte die Strabag als einer der Bieter bei der Nordautobahn im Jahr 2005 einen 240.000 Euro schweren Beratungsauftrag an die "Orange Werbeagentur" des BZÖ vergeben - für ein PR-Konzept rund um die Einführung der Lkw-Maut in Tschechien. Als Teil eines Konsortiums baute die Strabag an der A5 mit.
Um eine größere Summe ging es in Ungarn rund um ein Autobahnprojekt. Da soll die Strabag 2004 an eine Lobbying-Firma 15,4 Millionen Euro gezahlt haben, die teilweise an die ungarischen Sozialisten geflossen sein sollen. Seit Bekanntwerden des Vorwurfes ermittelt die Justiz. Allerdings bisher ohne Ergebnis. Das ärgert Haselsteiner: "Seit eineinhalb Jahren tut sich nichts. Sie sollen entscheiden oder niederlegen." Das habe er der Justizministerin auch gesagt.
Wirtschaftskammer-Präsident Franz Pacher hat eine Erklärung, warum es in der "Connect"-Affäre mehr Rechnungen als von Firmen bestätigte Zahlungen gibt. Es sei offenbar System gewesen, an Auftragnehmer des Landes einfach Rechnungen zu schicken. Manche hätten den Wink verstanden und gezahlt, andere nicht. So sei es nicht nur bei Aufträgen. Der Präsident hegt einen schweren Verdacht: Diese parteipolitische Inkasso-Partie gäbe es "auf vielen Ebenen, auch bei Widmungen". In Reaktion auf die "Connect" hat er seinen Vorgänger Karl Koffler als Korruptions-Ombudsmann installiert.
Pacher ist Mit-Unterzeichner des Koalitionsvertrages von FPK und ÖVP. Was sagen die Parteispitzen zu seinem Vorgehen? VP-Chef Josef Martinz: "Ich will das nicht interpretieren." Und FPK-Chef Uwe Scheuch: "Pacher? Nein, der belastet die Koalition schon lange nicht mehr."












