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Zuletzt aktualisiert: 01.04.2011 um 22:43 UhrKommentare

Dramatische Eskalation des Bürgerkriegs befürchtet

Monatelang weigerte sich Laurent Gbagbo, die Wahlniederlage anzuerkennen: Nach schweren Gefechten in Abidjan scheint der Widerstand gebrochen.

Foto © Reuters

ABIDJAN. In der westafrikanischen Republik Côte d'Ivoire geht der Machtkampf um die Präsidentschaft des Landes, im Windschatten der Ereignisse in Nordafrika und Japan fast unbemerkt, in die letzte Runde.

Nach einer Blitzoffensive, in deren Verlauf sie weite Teile des Landes widerstandslos überrannten, sind die Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara bis in die Wirtschaftsmetropole Abidjan vorgedrungen - und haben dort offenbar einen ersten Angriff auf die schwer gesicherte Residenz des bisherigen Amtsinhabers Laurent Gbagbo unternommen. Angeblich soll sich das Staatsfernsehen, das bislang Gbagbo diente, bereits in Händen der früheren Rebellen befinden. Französische Truppen brachten derweil mehrere Hundert Ausländer zum Schutz vor Plünderern in ein Militärcamp. Auch der internationale Flughafen steht unter Kontrolle von Truppen der früheren Kolonialmacht.

Die meisten Beobachter in Abidjan sind der Ansicht, dass Gbagbos Sturz nach dem unerwartet schnellen Siegeszug seiner Gegner nun nur noch eine Frage der Zeit sei. Vieles deutet darauf hin, dass der langjährige Präsident, der sich seit Monaten beharrlich weigert, seine Wahlniederlage vom November anzuerkennen und abzutreten, inzwischen fast völlig isoliert ist.

Seit Wochen ist Gbagbo nicht mehr öffentlich aufgetreten. Auch eine angekündigte Fernsehansprache wurde zuletzt mehrfach verschoben. Gbagbo selbst bezeichnete die seit sechs Tagen laufende Offensive von Kämpfern Ouattaras als einen "Staatsstreich", der von einer internationalen Koalition unterstützt werde. Nach Angaben von Militärbeobachtern kann sich der abgewählte Präsident derzeit nur noch auf eine Elitetruppe von rund 5000 Mann verlassen. Sie besteht aus Angehörigen der Republikanergarde, der Gendarmerie sowie der Fallschirmspringer-Bataillone. Viele Soldaten der fast 50.000 Mann starken regulären Armee sind dagegen inzwischen desertiert. Erst am Donnerstag war Gbagbos Armeekommandant mit Familie in die südafrikanische Botschaft geflüchtet.

Der UNO-Sicherheitsrat hatte bereits zu Wochenbeginn ein Reiseverbot gegen den früheren Präsidenten und den Kreis seiner engsten Vertrauten verhängt und deren Vermögenswerte im Ausland eingefroren. WOLFGANG DRECHSLER


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