Mehrheit der Atom-Länder hält an Atomenergie fest
Auch nach dem nuklearen Desaster in Japan hält die Mehrheit der Atomenergie nutzenden Staaten am Ausbau der nuklearen Energiegewinnung fest. Neben China und Russland zeigten sich auch zahlreiche europäische Länder von den Ereignissen in Japan unbeirrt. Israel will hingegen seine Pläne zu Nutzung von Atomenergie noch einmal überdenken.
Russland hält am geplanten Bau von mehr als 20 Atomkraftwerken allein im eigenen Land fest. "Wir werden unsere Pläne nicht ändern, aber natürlich unsere Schlüsse daraus ziehen, was im Moment in Japan passiert", sagte Regierungschef Putin nach Angaben der Agentur Interfax am Montag bei einem Besuch in der Stadt Tomsk. Bis 2030 sollen in Russland 26 Atomreaktoren gebaut werden. Der Anteil des Atomstroms soll von derzeit 16 Prozent auf etwa 33 Prozent wachsen. Als nächstes soll im Gebiet Kaliningrad ein Atomkraftwerk gebaut werden.
Auch China setzt weiter voll auf den Ausbau der Kernenergie. Allein in den nächsten fünf Jahren soll mit dem Bau von rund 40 weiteren Reaktoren begonnen werden. Die Regierung versicherte, "einige Lehren" aus den Unfällen in Japan ziehen zu wollen. "Aber China wird seine Entschlossenheit und Pläne für die Entwicklung der Atomkraft nicht ändern", zitierten Staatsmedien Vizeumweltminister Zhang Lijun.
Tschechien sieht ebenfalls keine Notwendigkeit, die Erdbebensicherheit des umstrittenen Atommeilers Temelin neu zu bewerten. "Das AKW Temelin kann ein Erdbeben in der Größenordnung von 5,5 auf der Richterskala überstehen", sagte der stellvertretende Leiter des staatlichen Amts für Atomsicherheit, Petr Brandejs, am Montag der dpa. Der halbstaatliche Stromkonzern CEZ will das AKW Temelin bis voraussichtlich 2025 um zwei weitere Blöcke erweitern.
Die türkische Regierung hält an ihren Plänen für den Bau von zwei Atomkraftwerken fest. Energieminister Taner Yildiz wies laut Zeitungsberichten darauf hin, dass die Türkei die neueste Technologie einsetzen werde, während die bei dem Erdbeben in Japan zerstörten Anlagen aus dem Jahr 1971 stammten.
In Polen sprachen sich Politiker aller im Parlament vertretenen Parteien dafür aus, an der Einführung der Kernkraft in ihrem Land festzuhalten. Atomkraftwerke der neuesten Generation seien sicher, erklärte Ministerpräsident Tusk von der rechtsliberalen Partei "Bürgerplattform". Die polnische Regierung will bis 2020 in Nordpolen das erste Kernkraftwerk des Landes bauen.
Israels Ministerpräsident Netanyahu betonte hingegen, die " Idee, zivile Atomreaktoren in Israel zu errichten" müsse angesichts der Ereignisse in Japan "noch einmal überdacht werden". Israel sei ein kleines Land. Jede Umweltkatastrophe könnte da größeren Schaden anrichten als in einem großen Land wie Japan, fügte er laut Zeitungsberichten in einer Kabinettssitzung am Sonntag hinzu.













