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Zuletzt aktualisiert: 01.03.2011 um 15:45 UhrKommentare

Experte: "Guttenplag-Wiki" wurde Guttenberg zum Verhängnis

Die immer neuen Plagiatsfundstellen im Internet haben nach Meinung von Experten eine entscheidende Rolle für den Fall des Ministers gespielt.

Foto © AP

Tagelang hat das Netz Häme und Spott über Karl-Theodor zu Guttenberg ausgegossen. Das allein hätte der Politiker überstanden. Für die Social-Media-Expertin Christiane Schulzki-Haddouti steht fest, dass es die Sammlung von immer neuen Plagiatsfundstellen im Internet war, die eine entscheidende Rolle für den Fall des Ministers hatte: "Ohne dieses Wiki hätte er nicht zurücktreten müssen." Die Autorin betreibt das Blog "KoopTech", das sich mit Techniken zur Kooperation beschäftigt.

" Wiki ist ideal für eine solche Ad-Hoc-Zusammenarbeit"

Die Wiki-Software, wie sie auch von der Online-Enzyklopädie Wikipedia genutzt wird, ermöglicht es, dass viele an einem gemeinsamen Projekt arbeiten. "Das Wiki ist ideal für eine solche Ad-Hoc-Zusammenarbeit", erklärte Schulzki-Haddouti im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Es ist ein effizientes Werkzeug für die kollaborative Erstellung und Analyse von Inhalten." Vielen sei nicht bewusst, wie schnell man mit einem Wiki zusammenarbeiten könne.

Als die Affäre Mitte Februar erstmals von Tageszeitungen bekanntgemacht wurde, ging es zunächst nur um einige wenige mögliche Plagiate. Die von einem Doktoranden gestartete Initiative mit der Bezeichnung "Guttenplag" (Plag wie Plagiate) förderte dann in kurzer Zeit zahllose weitere Stellen zutage und machte dies in einem Balkendiagramm grafisch sichtbar. Internet-Experten bezeichnen die gemeinschaftliche Lösung von Aufgaben durch Freiwillige auch als "Crowdsourcing".

"Das Ergebnis war eindeutig"

"Das ist das Schlimmste, was passieren kann, dass eine Horde von Menschen die eigenen Texte auseinandernimmt", sagte die Bonner Wissenschaftlerin. "Das Ergebnis war eindeutig." Dabei habe die politische Diskussion eher darauf abgezielt, die ganze Sache herunterzuspielen. "Es ging ja eigentlich um ein aus Sicht der Bevölkerung elitäres Thema, ob wissenschaftliche Standards bei einer Doktorarbeit eingehalten werden. Das ist den meisten egal."

Bereits in der Vergangenheit habe es erfolgreiche Fälle der politischen Intervention mit Internet-Mitteln gegeben, sagte Schulzki-Haddouti. Als Beispiele nennt sie Analysen zum Abstimmungsverhalten von Abgeordneten in den USA und die Zusammenstellung von Nebentätigkeiten bei Abgeordneten des Europaparlaments. Die Ergebnisse im "Guttenplag"-Wiki wurden von anderen aufgegriffen und fanden breite Beachtung, auch international. "Vor allem Twitter ist da ein Mobilisierungsinstrument gewesen", erklärte Schulzki-Haddouti.

"Künftig werden solche Verfehlungen schneller aufgedeckt, weil alles digital verfügbar ist", sagte die "KoopTech"-Bloggerin. Damit steige hoffentlich auch die Qualität der Hochschularbeiten. "Spätestens jetzt muss jedem klar sein, dass es so nicht mehr geht."


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