Nach Protesten zahlreiche Festnahmen in China
Mehr als ein Dutzend bekannter Menschenrechtsanwälte sind festgenommen, unter Hausarrest oder strenge Überwachung gestellt worden. China versucht so, jeden Protest im Keim zu ersticken.

Foto © APAGefängnisinssassen in China
Menschenrechtsgruppen haben die Festnahmen und verschärfte Verfolgung von Bürgerrechtsaktivisten nach den jüngsten Protestaufrufen in China kritisiert. Mehr als ein Dutzend bekannter Menschenrechtsanwälte seien festgenommen, unter Hausarrest oder strenge Überwachung gestellt worden, berichtete Amnesty International am Dienstag. "Diese Welle von Festnahmen ist sehr beunruhigend und erscheint eine furchtsame, irregeleitete Reaktion auf die Ereignisse in Nordafrika und den Nahen Osten zu sein", sagte Amnesty-Direktor Sam Zarifi laut einer Mitteilung. Chinas Regierung glaube, jeden einsperren zu können, der nur darüber nachdenke, Kritik zu üben.
In Peking, Shanghai und anderen Städten waren Menschen am Sonntag einem Protestaufruf im Internet gefolgt, der zu Demonstrationen nach dem Vorbild der Volksaufstände im arabischen Raum in 13 Städten aufgefordert hatte. Der Ruf nach einer "Jasmin-Revolution" in China war begleitet von Forderungen nach Freiheit und Reformen. Chinas Führung reagierte mit einem Großaufgebot von Sicherheitskräften und verschärfter Verfolgung der Bürgerrechtsbewegung. Mehr als 100 Menschen wurden verhört, eingeschüchtert oder in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, berichtete die in den USA ansässige Organisation Chinese Human Rights Defenders (CHRD).
In Polizeigewahrsam verschwunden
"Die schnelle Reaktion der Regierung, diese Proteste im Keim zu ersticken, zeigt einmal mehr, wie sehr sie ihre eigenen Bürger fürchtet", meinte CHRD-Direktor Renee Xia. Außer dem bekannten Bürgerrechtsanwalt Teng Biao seien die Anwälte Tang Jitian und Jiang Tianyong sowie die Aktivisten Gu Chuan, Chen Wei und Ran Yunfei in Polizeigewahrsam verschwunden. Der Anwalt Liu Shihui sei am Sonntag in der südchinesischen Stadt Guangzhou an der Stelle, wo die Protestaktionen geplant waren, brutal zusammengeschlagen und mit Messerstichen in die Beine schwer verletzt worden.
Der bekannte Menschenrechtsanwalt Liu Anjun wurde am Samstag in Peking von einer Gruppe in einem Kleinbus ohne Nummernschild attackiert, verprügelt und verschleppt, wie der US-amerikanische Sender Radio Free Asia (RFA) berichtete. Es habe sich um Polizeibeamte gehandelt, berichtete eine Bekannte, die noch kurz mit ihm telefonieren konnte. Zwei Kollegen und ein Passant, der sich eingemischt habe, um die Schläge zu verhindern, hätten auch Prügel bezogen, seien aber nicht mitgenommen worden, berichtete RFA.













