Deutschland: Opposition fordert Klarheit von Guttenberg
Für Linken-Chef Klaus Ernst ist der Rücktritt Guttenbergs "unausweichlich", wenn sich die Plagiatsvorwürfe bestätigen. Der CSU-Landesgruppenchef findet hingegen die Vorwürfe "lächerlich".

Foto © APAKarl-Theodor zu Guttenberg
Nach Bekanntwerden neuer Vorwürfe gegen den deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat die Opposition diesen aufgefordert, rasch Klarheit in der Plagiatsaffäre zu schaffen. "Guttenberg ist klug genug, um zu wissen, hier ruht die ganze Verantwortung auf ihm selbst", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier der "Welt am Sonntag". Linken-Chef Klaus Ernst erklärte, falls Guttenberg tatsächlich einen Teil seiner Doktorarbeit vom wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages habe schreiben lassen, sei ein Rücktritt "unausweichlich".
Amtsmissbrauch?
Laut "Spiegel" hatte Guttenberg 2004 beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages eine Ausarbeitung zum Gottesbezug in der US-Verfassung in Auftrag gegeben und das Papier fast vollständig in seine Dissertation eingefügt - obwohl Abgeordnete den Dienst nur für mandatsbezogene Arbeit nutzen dürfen. "Wenn das stimmt, ist es Amtsmissbrauch", erklärte Ernst am Sonntag. "Akademisches Ghostwriting, und dann noch auf Kosten der Steuerzahler, das ist nicht hinnehmbar."
CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich nannte den Vorwurf lächerlich. In seiner Dissertation verweise Guttenberg auf Seite 373 ausdrücklich darauf, dass er in den folgenden Passagen einen Beitrag des wissenschaftlichen Dienstes verarbeite, den er als Grundlage für eine Rede angefordert habe. Diesen Beitrag dokumentiere Guttenberg sowohl im Literaturverzeichnis als auch in den Fußnoten. Wenn die Opposition jetzt Aktuelle Stunden fordere, müsse man fragen, ob sie ernsthaft der Meinung sei, "dass wir keine anderen Probleme haben".
Trotz der Plagiatsvorwürfe halten 57 Prozent der Deutschen Guttenberg nach einer Emnid-Umfrage für "Bild am Sonntag" nicht für einen Schwindler. 28 Prozent sehen in Guttenberg demnach einen Schwindler. Eine Mehrheit von 52 Prozent hält allerdings die Glaubwürdigkeit des Ministers für beschädigt, 41 Prozent sehen dies nicht so. 47 Prozent sind der Umfrage dafür, dass Guttenberg seinen Doktortitel zurückgibt.












