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    Zuletzt aktualisiert: 13.02.2011 um 12:01 UhrKommentare

    Auch Ex-Minister Strasser erhielt Geld von Hochegger

    Vom früheren Lobbyisten Peter Hochegger hat auch Ex-ÖVP-Innenminister Ernst Strasser Beraterhonorare erhalten - und zwar insgesamt 100.000 Euro zwischen 2006 und 2008. Wofür genau, darüber gehen die Ansichten aber auseinander.

    Ernst Strasser

    Foto © APAErnst Strasser

    Laut Hochegger war Strasser "mitinvolviert in die Beratung der bulgarischen Regierung, er lieferte eine Einschätzung, wie die Reformbemühungen Bulgariens in der EU gesehen wurden und präsentierte diese Analyse auch gemeinsam mit dem damaligen Team von HocheggerCom dem Premierminister", wie das "profil" berichtet. Strasser beschreibt seine Rolle dagegen so: "Herr Hochegger hatte einen ausländischen Kunden, der ein Problem hatte. Ich habe dabei geholfen, dieses Problem zu beseitigen."

    Laut Vertrag verpflichtete sich Strasser, bis zu viermal im Jahr an "Strategiesitzungen" teilzunehmen, Hochegger-Kunden zu "besuchen" und "konkrete Kundenprojekte" abzuwickeln, wie es in der neuen Ausgabe des Nachrichtenmagazins heißt. Im Gegenzug wurde dem Ex-Minister ein Honorar von 50.000 Euro jährlich - exklusive allfälliger Reisespesen, Umsatzsteuer und Kilometergeld - zugestanden. Unter anderem soll der Vertrag "Beratung und Unterstützung bei der Analyse des Beratungsbedarfs sowie der Weiterentwicklung des Beratungsangebotes; beim Netzwerkaufbau und direkten Beratungsaktivitäten; bei der Gestaltung der Marketing- und Vertriebsaktivitäten" vorgesehen haben und 2008 ersatzlos aufgelöst worden sein. Gegenüber der APA wollte Strasser dazu nicht näher Stellung nehmen, wie er über einen Sprecher ausrichten ließ.

    Wie "profil" weiter berichtet, stellte Strasser der Innsbrucker PR-Agentur Hofherr Communication Ende 2007 für "Beratungstätigkeiten" in Zusammenhang mit der Tiroler Wasserkraft AG einen Betrag von 17.059,16 Euro in Rechnung. Er verrechnete dabei 31 Stunden Arbeit à 450 Euro und eine Autofahrt. Über diese Abrechnung hat voriges Jahr bereits das Magazin "News"berichtet. Und der Tiroler "Tiwag-Aufdecker" Markus Wilhelm aus Sölden (www.dietiwag.at) rühmte sich dieses Wochenende, dass die Honorarforderung des Ex-Ministers zum ersten Mal von ihm im Mai 2010 veröffentlicht worden sei.

    Strassers "cee - consulting, coaching & educating-gesmbh" mit Sitz in der Badeteichsiedlung in Jettsdorf (Grafenwörth, Bezirk Tulln, NÖ) hat laut der letzten, im Frühjahr 2010 eingereichten Bilanz im Jahr 2008 einen Bilanzgewinn von 675.925,48 Euro erzielt (nach 608.000 Euro im Jahr davor). Davon resultierten 508.185,43 (221.000 Euro) aus dem Gewinnvortrag, geht aus dem "Firmen Compass" hervor. Die CIN Consult Unternehmensberatungs GmbH. (Zaunergasse in Wien-Landstraße), an der Strasser nur 10 Prozent hält (zwei Drittel der Geschäftsführer Thomas Havranek), dagegen wies für 2009 lediglich knapp 24.000 Euro Bilanzgewinn aus, nach rund 26.000 Euro im Jahr davor.

    Hocheggers Honorare

    Indes gehen die Meinungen darüber auseinander, wie viel an Honoraren und Provisionen in der Ära Schwarz-Blau über den Lobbyisten Peter Hochegger gelaufen sind. Laut "profil" waren es mehr als 40 Millionen Euro, die überwiegend von staatsnahen Konzernen wie Telekom Austria (allein von dort angeblich 25 Mio. Euro) und ÖBB (mehr als 6 Mio. Euro von 2002 bis 2009) gekommen seien. In der Zeit unterhielt Hochegger auch Kontakte in mehrere Ministerien: das Finanzministerium unter Karl-Heinz Grasser, das Infrastrukturressort unter Mathias Reichhold und später Hubert Gorbach und das Innenressort Strassers. Hochegger lobbyierte für die teilstaatliche Telekom Austria, als Grasser Finanzminister und folglich Eigentümervertreter derselben war. Er naschte heimlich am Buwog-Verkauf mit, den Grasser zu verantworten hatte. Er zeichnete maßgeblich für die Erstellung von Grassers privater Homepage verantwortlich. Und nach Grassers Abschied aus der Politik holte er ihn vorübergehend auch noch an Bord einer gemeinsamen Gesellschaft, erinnert das "profil".

    Hochegger beriet die ÖBB, für die Reichhold und Gorbach auf ministerieller Ebene zuständig waren - wie in Teilbereichen auch für die Telekom Austria. Im Gegenzug zeigte er sich mit "Konzepten zur Positionierung" von Reichhold und Gorbach erkenntlich. Und Hochegger stand auch in Verbindung mit seinem Kollegen aus der Waffenbranche, Alfons Mensdorff-Pouilly, Ehemann der früheren ÖVP-Ministerin Maria Rauch-Kallat, der von der Telekom Austria 2008 ein Beraterhonorar von 1,1 Mio. Euro erhielt, so das "profil". Und Hochegger habe einst auch dem unabhängigen Telekom-Regulator der Republik Österreich, Georg Serentschy, individuelle "PR-Strategie" zukommen lassen, so das Magazin: Serentschy wolle mit deren Erstellung zwar nichts zu tun gehabt haben, dienlich sei sie ihm aber trotzdem gewesen.

    Die RTR-GmbH und Serentschy wiesen am Sonntag in einer Aussendung die vom profil in der neuen und der vorigen Nummer "vorgenommenen Interpretationen mit aller Deutlichkeit zurück". "Weder die RTR-GmbH noch Dr. Georg Serentschy persönlich haben jemals - direkt oder indirekt - bei Dr. Peter Hochegger bzw. seiner damaligen Agentur eine 'PR-Strategie' oder sonstige, andere Leistungen bestellt erbeten oder bezahlt", heißt es in der Aussendung der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH. Zu den vom Magazin "herausgearbeiten Doubletten" zwischen einem Hochegger-Dossier und einer Serentschy-Präsentation von Jänner 2003 wird festgehalten, es liege nahe, dass bei dem von Serentschy mit RTR-Experten finalisierten Konzept "von außen Ideen Eingang in die RTR-interne Diskussion gefunden" hätten.

    Politische Verbindungen

    Bei Hocheggers Bulgarien-Kampagne soll übrigens Peter Schieder, früherer außenpolitischer Sprecher der SPÖ und Vater von Finanzstaatssekretär Andreas Schieder, mitgemacht haben - Honorar 9.500 Euro für 2007/08. Auch der ehemalige SPÖ-Innenminister und jetzige Pensionistensprecher Karl Blecha wurde in ein Advisory Board für den EU-Beitritt Bulgariens geholt; Hochegger überwies Blecha "zwei Mal 2.500 Euro. Damit waren meine Spesen abgedeckt", und rund 2.000 Euro gab es nochmals für Blechas Marktforschungsinstitut Mitropa, wie auch der "Kurier" (Sonntag-Ausgabe) berichtet.

    Gerätselt wird in der Berater-Branche, wie Hochegger selbst zu so hohen Honorar-Einnahmen kommen konnte - etwa kolportierte 25 Mio. Euro allein von der Telekom Austria innerhalb eines Jahrzehnts. Sechsstellige Dimensionen für einzelne Aufträge "sind mit normalen Honorarabrechnungen nie erklärbar", erklärt etwa Wolfgang Rosam (Change Communications), ehemals Besitzer der größten PR-Agentur des Landes, im "Kurier". Und Dietmar Ecker, Chef der Agentur Ecker & Partner, meint: "Das muss nicht kriminell sein, aber Honorare in dieser Größenordnung sind in unserer Branche absolut unüblich."

    Selbst der frühere langjährige Telekom-Austria-Sprecher Martin Bredl, jetzt Präsident beim Public Relations Verband Austria (PRVA), wundert sich über Hocheggers Einkünfte: "Eine Agentur, die für einen Großkonzern von der Presseaussendung über die Pressekonferenz, Kundenevents bis zum Großereignis alles organisiert und mehrere Berater einsetzt, kann auf rund eine Mio. Euro im Jahr kommen", sagt er in der "Presse" (Sonntag). Das würde in zehn Jahren 10 Mio. Euro ergeben, aber nicht 25 Mio., wie sie Hochegger kassiert haben soll.


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