Minister der Selbstverteidigung
Trotz des gestrigen Kraftaktes: Norbert Darabos übersieht, dass der Widerstand gegen seine Heerespläne zum Aufstand der Militärs wurde, die dem Ex-Zivildiener seit Jahren wilde Gefechte liefern.

Foto © APANorbert Darabos
Eines muss man Norbert Darabos lassen: Er liebt schräge Auftritte. "Ich bin Norbert Darabos - und ich habe nicht gedient." Mit diesen Worten begann er im Mai 2009 eine Grundsatzrede vor mehr als 500 Soldaten, die als "Mautern-Rede" flüchtige Berühmtheit erlangte. Auch, weil Darabos dort erklärte, nie ein Militarist gewesen zu sein und er auch nicht plane, einer zu werden. Und weil er, ganz Pazifist, zugleich so von einem humanistischen Bundesheer schwärmte, dass etliche Uniformierte glaubten, auf der falschen Veranstaltung zu sein.
Dabei waren diese Erklärungen von Darabos nur eine Replik auf höhnische Kommentare aus Offizierskreisen, wie sie dieser Tage wieder fröhliche Urständ feiern: So wenig wie zu Beginn können es viele Militärs auch im vierten Jahr seiner Ministerschaft verkraften, dass ihnen ausgerechnet ein Ex-Zivildiener den Marsch bläst. Hatte es anfangs nur geheißen, ein Zivi tauge nicht als Chef einer Armee, wurden bald Zweifel laut, ob sich ein "Milchgesicht" wie er gegen erprobte Nahkämpfer aus Waffenlobby und der Heeresführung werde durchsetzen können. Bis der Generalverdacht laut wurde, Darabos kümmere sich generell zu wenig um das Heer und dessen Generäle - und lieber um sein Nebenressort Sport. Führende Milizoffiziere wie Michael Schaffer, der gegen Darabos nun heftig die Messer wetzt, werfen ihm seit Jahren schlicht "Unfähigkeit" vor.
Das ganz große Los
Seit Darabos jetzt auch noch die Wehrpflicht aussetzen und seine kritischen und vorlauten Offiziere an die Kandare nehmen will, pfeifen Höchstdekorierte auf jede Deckung: Darabos handle "undemokratisch, verfassungswidrig und geradezu stalinistisch", er solle zurücktreten, behaupten und fordern Offiziersverbände. Darabos sieht im Hintergrund die ÖVP aktiv, die ihn abräumen wolle.
Dass sich jetzt auch SPÖ-Kollegen wie der rote Verfassungssprecher, der Wehrsprecher und dessen Vorgänger gegen seine Heerespläne - eine Mischung aus Berufs- und Freiwilligenarmee - mit allerlei Einwänden gegen Berufssoldaten querstellen, hat Darabos zusätzlich geärgert. Zudem hatte sich das SPÖ-Präsidium doch erst vor zwei Wochen auf das Ende der Wehrpflicht eingeschworen. Und der Parteisoldat Darabos ist so gezwungen, die Wehrpflicht sausen zu lassen, von der er noch vor wenigen Wochen behauptet hatte, sie sei "in Stein gemeißelt".
In dieser Situation konnte auf das mannhafte Njet des SPÖ-nahen Generalstabschefs Edmund Entacher nur mit dessen faktischer Entlassung reagieren. Sonst wäre nicht nur er beschädigt gewesen, sondern auch der mächtige Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl mitsamt dessen Freunde im Boulevard.
Dass er mit seiner Heeresreform scheitern könnte, ist nämlich nicht vorgesehen. Behauptete Darabos jedenfalls, als er seine Modelle für das neue Heer vorstellte. "Jetzt beginnt Stufe drei von fünf", sagte er scheinbar ungerührt auf Fragen, ob er abtreten werde, falls er nichts erreicht. Er werde "den radikalsten Schritt in der 2. Republik" setzen, die Zeit "der Kosmetik" sei vorbei.













