Groß-Demo in Tunesien gegen alte Führungsriege

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In Tunesien lassen die Demonstranten auch rund eine Woche nach dem Sturz des verhassten Präsidenten nicht locker. Am Wochenende trugen Tausende Tunesier erneut ihre Wut über die Übergangsregierung auf die Straße. Die Massenproteste richten sich gegen Mitglieder der Führungsriege um Ex-Präsident Ben Ali, die weiter in dem nordafrikanischen Land den Ton angeben wollen.
Etwa 1.000 Menschen aus der Region um die Stadt Sidi Bouzid, wo der Aufstand seinen Anfang nahm, marschierten nach Angaben des französischen Rundfunks Sonntag in der Früh in die Hauptstadt Tunis. "Das Volk will die Regierung stürzen", skandierten die zumeist jugendlichen Protestler, die eine "saubere" Regierung verlangten, ohne Vertreter des gestürzten Regimes. Auch aus anderen Landesteilen wollten Demonstranten zu Protesten nach Tunis marschieren.
Den Protesten schlossen sich auch Tausende Polizisten an, die sich damit demonstrativ von ihrer Vergangenheit distanzierten. Bis zuletzt hatte die Polizei versucht, den Aufstand niederzuschlagen. Eine unabhängige Kommission soll nun die Rolle der Sicherheitskräfte bei den tödlichen Schüssen auf Demonstranten untersuchen. Die Polizei stellte zudem zwei Verbündete Ben Alis unter Hausarrest.
"Das Volk will den Sturz dieser Regierung", skandierte am Sonntag die Menge vor dem Sitz des im Amt gebliebenen Ministerpräsidenten Ghannouchi, der zuvor noch an die Geduld seiner Landsleute appelliert hatte. Unter dem Druck der Proteste hatte Ghannouchi angekündigt, sich nach Neuwahlen aus der Politik zurückzuziehen.
Am 14. Jänner hatten die Massenproteste Präsident Ben Ali selbst in die Flucht nach Saudi-Arabien geschlagen. Sein Ministerpräsident Ghannouchi blieb im Amt, um eine Koalition der Einheit zu führen. Doch viele Kritiker werfen ihm vor, dass ehemalige Top-Politiker von Ben Alis Regierungspartei Schlüsselministerium behalten sollen.
Bei den Unruhen der vergangenen Tage starben nach tunesischen Regierungsangaben 78 Menschen. Der UNO zufolge wurden bei dem Aufstand 117 Menschen getötet, 70 davon durch Schüsse mit scharfer Munition.












