Grasser mit Humor nehmen
Seine Kritiker verfolgen eine neue Strategie: Sie verhöhnen ihn. Wie weit darf man im Hörsaal, im Netz, in den Medien gehen?

Foto © APAWalter Meischberger und Karl-Heinz Grasser
WIEN. Der ganze Saal lachte, laut und schallend. Publikumshit war ein Zitat von Walter Meischberger: "Wo woar mei Leistung?" Am Ende sprang der Großteil der 1200 Zuhörer auf. Weitere 1000 hatten vergeblich Einlass begehrt. Selbst für erfolgreiche Kabarettisten wie Florian Scheuba, Robert Palfrader und Thomas Maurer ist so viel Zuspruch nicht alltäglich.
Montagabend lasen sie im Audimax der Uni Wien aus den Polizeiabhörprotokollen des Telefons Meischbergers - nicht nur jene Auszüge, welche die Grünen in Form einer parlamentarischen Anfrage "immunisiert" hatten und der "Falter" daher hatte abdrucken dürfen. Es ging um Buwog & Porr, um Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser & Freunde. In einer Vorlesung sei die Aufführung erlaubt, sagte Heinz Mayer, Dekan des Juridicums, nachdem er die drei "Gastprofessoren" begrüßt hatte. Er warnte die anwesenden Journalisten und mit Videohandys bewaffneten Studenten jedoch davor, gesperrtes Material an die Öffentlichkeit zu bringen, dies werde mit bis zu 100.000 Euro geahndet.
Erste Reihe fußfrei saß Grassers Anwalt Manfred Ainedter, fand "nicht unkomisch", was er hörte, und lachte mit. Rechtliche Handhabe gegen die Darbietung, in der die Kabarettisten auch Beschimpfungen Dritter zitierten, sah er keine. "Wenn es jemand veröffentlicht, werden wir aber sicher dagegen vorgehen", sagte er am nächsten Tag - und recherchierte gleich auf der Videoplattform "Youtube".
Das Gaudium im Auditorium maximum ist Teil einer Welle des Hohns, die über Grasser hereinbricht. Schon vor zwei Jahren verspottete ihn das Gitarrenduo Christoph & Lollo in der Nummer "Karl-Heinz". Seit ein paar Tagen fällt die heimische Internetgemeinde über ihn her: Unter dem Schlagwort "#grassermovies" verballhornen Spaßvögel Filmplakate. Aus "Mission: Impossible" wird "Erwischen: Impossible", aus "Pirates of the Caribbean" "Pirates of the Carinthian". Meinungs- und Kunstfreiheit erlauben den Spaß. Der steirische Blogger Martin Höllinger, der Grasser als James Dean posieren lässt, meint: "Den Karl-Heinz kann man nur noch mit Humor nehmen." EVA WEISSENBERGER,
WOLFGANG RÖSSLER












