Klage gegen Belgier wegen Ermordung Lumumbas

Foto © APA
50 Jahre nach der Ermordung des kongolesischen Ministerpräsidenten Patrice Lumumba wollen Aktivisten eine Klage wegen Kriegsverbrechen gegen zwölf Belgier einreichen. Lumumba wurde nach seiner Ermordung zu einer Symbolfigur der Unabhängigkeitsbewegung in Afrika. Ein U-Ausschuss des belgischen Parlaments kam 2002 zu dem Schluss, dass Belgien moralische Verantwortung für den Mord an Lumumba trägt.
Lumumba war nach fast einem Jahrhundert kolonialer Herrschaft im Kongo nach der Unabhängigkeit des Landes 1960 zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Der charismatische Regierungschef galt im Westen als gefährlicher Radikaler, weil er die lukrativen Kupfer- und Uranminen, die in belgischer Hand waren, verstaatlichen wollte. Historiker sind sich einig, dass belgische Regierungsvertreter und Offiziere sich verschworen, um Lumumba zu stürzen, und schließlich seine Hinrichtung am 17. Jänner 1961 organisierten. Der belgische Befehlshaber des Erschießungskommandos erhielt einen neuen Namen und wurde zu einer belgischen Brigade nach Westdeutschland versetzt. Lumumba wurde zunächst hastig begraben. Später exhumierten belgische Polizisten die Leiche und lösten sie in Säure auf, um zu verhindern, dass das Grab zu einer Pilgerstätte wurde.
Ein Untersuchungsausschuss des belgischen Parlaments kam 2002 zu dem Schluss, dass Belgien die moralische Verantwortung für den Mord an Lumumba trägt. Brüssel entschuldigte sich offiziell für seine Rolle beim Tod des Ministerpräsidenten, verweigerte seiner Familie aber eine Entschädigung und wollte die Verantwortlichen nicht strafrechtlich verfolgen. Ein US-Senatsausschuss ermittelte 1975, dass auch die US-Regierung einen Plan zur Ermordung Lumumbas ausgearbeitet hatte.
"Es gab eine enorme Masse an Dokumenten, die wir sichten mussten, darunter Berichte von Untersuchungsausschüssen in Belgien und den USA, um die Fakten herauszufinden", erklärte der Anwalt Marchand. Er wollte die Namen der Beschuldigten aber nicht nennen.
Nach dem Mord an Lumumba stützten die USA und Belgien 32 Jahre lang den Diktator Mobutu, der ihnen als Bollwerk gegen den Kommunismus galt. Er wurde 1997 gestürzt.












