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Zuletzt aktualisiert: 09.01.2011 um 14:55 UhrKommentare

Interesse an Stasi-Unterlagen unvermindert groß

Mehr als 20 Jahre nach der Deutschen Einheit ist das Interesse der Bürger an Einsicht in ihre Stasi-Unterlagen weiter groß. Im Vorjahr wollten 87.514 Deutsche ihre Akten lesen.

Foto © AP

Weit mehr als die Hälfte der 87.514 Anträge im Jahr 2010 seien Erstanträge gewesen, sagte die deusche Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler in einem Interview mit der "Bild am Sonntag". "Viele brauchen offenbar den Abstand von 20 Jahren, um den Mut aufzubringen, in ihre Akte zu schauen", sagte Birthler. Im Jahr 2009 - dem 20. Jahrestag der Wende - lag die Zahl bei 102.658 Anträgen.

Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin sieht die Zahlen als Beleg dafür, dass die Aufarbeitung der SED-Diktatur noch lange nicht abgeschlossen ist: "Wir haben uns gründlich verschätzt, als wir 1990 dachten, dass das Interesse an den Stasi-Akten nach zehn, 15 Jahre gestillt ist." Birthler hält deshalb die Aufgabe der Stasi-Unterlagen-Behörde noch lange nicht für erledigt. "So lange die Nachfrage nach den Akten so groß ist, braucht es uns als eigene Institution." Neben der Archivarbeit verwies Birthler auf den Forschungs- und Bildungsauftrag ihrer Behörde. "Dass der noch lange nicht erfüllt ist, können sie an jeder Umfrage über die DDR sehen", sagte Birthler.

Birthler warnte davor, den Zugang zu den Akten künftig zu erschweren. "Die Stasi war ein zentralistischer Apparat, deshalb gehören die Akten in eine Hand und dürfen nicht auf Bundes- und Landesarchive verteilt werden. Außerdem ist nicht sicher, ob der Aktenzugang erhalten bleibt, wenn für die Stasiunterlagen das allgemeine Archivrecht gilt", sagte die Bundesbeauftragte.

Dass ihr designierter Nachfolger Roland Jahn der letzte Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen sein werde, glaubt Birthler nicht: "Als ich vor zehn Jahren Bundesbeauftragte wurde, gab es dieselben Thesen." Birthler, die im März ihr Amt aufgeben wird, zog eine positive Bilanz der Arbeit der Behörde: "Durch die Überprüfung von Mandatsträgern konnte viel aufgedeckt werden. Es ist gut, dass jemand, der seine Mitmenschen verraten hat, nicht ohne weiteres Schuldirektor werden oder in Parlamenten sitzen kann."


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