Die "Schlange" in Nöten
Vergangenheit holt Premier Hashim Thaci ein.

Foto © Reuters
PRISHTINA. "Noch am Sonntagabend schien die Welt für den kosovarischen Ministerpräsidenten Hashim Thaci (42) in Ordnung: Vor jubelnden Anhängern in Pristina rief er seine "Demokratische Partei" (PDK) zum Sieger der ersten Parlamentswahl im unabhängigen Kosovo aus. Doch nun wurde bekannt, dass es ausgerechnet in Thacis Hochburgen Indizien auf massiven Wahlbetrug gibt und in einem Europarats-Bericht wird er als Kopf eines Organhändlerrings gebrandmarkt.
Den Hauptprotagonisten des Kampfes um die kosovarische Unabhängigkeit, der sich in den vergangenen Jahren als versöhnlicher Landesvater zu präsentieren versuchte, hat seine Vergangenheit als Anführer der Rebellenorganisation "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) in den 1990er Jahren eingeholt. Unter dem Kampfnamen "Gjarper" (Schlange) hatte er damals gegen die serbischen Sicherheitskräfte gekämpft und beging dabei laut Belgrader Justiz auch Kriegsverbrechen. Ein Gericht im damals noch serbisch kontrollierten Prishtina verurteilte ihn 1998 in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft.
Den Sieg seiner PDK bei der Parlamentswahl feierte Thaci als "Referendum für die europäische Zukunft des Kosovo". Doch jetzt könnte sich der Regierungschef Premier als Belastung für den kosovarischen Weg nach Europa erweisen.












