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Zuletzt aktualisiert: 17.11.2010 um 21:10 UhrKommentare

Die Jungen zahlen drauf - oder doch nicht?

Zocken die Alten die Jungen ab? Oder funktioniert der Generationenvertrag? Erstmals nimmt sich eine Studie dieser brisanten Frage an.

Foto © Maxim Malevich - Fotolia.com

Die Alten leben auf Kosten der Jungen: So heißt die alte Leier, die jetzt wieder kräftig angeschlagen wird, weil die Pensionisten mehr Geld bekommen, die Regierung aber bei Familien und Bildung sparen wird. Jetzt wurde erstmals wissenschaftlich geprüft, was an dem Klagelied dran ist. Im Auftrag der Jungen Industrie hat sich das Institut für Höhere Studien über die einschlägigen Fakten gebeugt und genauer nachgerechnet.

Das erstaunliche Ergebnis: An der Behauptung ist nicht viel dran. Jedenfalls, was den Status quo betrifft: Im Vergleich dessen, was ein 1950, 1970 und 1990 Geborener als Nettoleistung bekommt, schneiden die Jüngeren nur um fünf Prozent schlechter ab. Jüngere zahlen höhere Steuern, bekommen aber auch mehr.

"Der Unterschied ist nicht groß", sagt Studienautor Ulrich Schuh. Allerdings: "Die ausgeglichene Bilanz wurde mit einem ungedeckten Scheck in der Höhe von 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erkauft." Genauer: Derzeit liegt die Staatsverschuldung bei 70 Prozent des BIP. Sollten alle gesetzlichen Versprechungen des Staates bei Pensionen, Gesundheit, Pflege, Infrastruktur oder Arbeitsmarkt, Schule, Unis und Beihilfen auch in aller Zukunft halten, würde die Verschuldung auf 240 Prozent klettern, sagt Schuh. 40 Prozent der aktuellen Zusagen seien nicht durch Einnahmen gedeckt.

Die fünfprozentige Differenz bei den Nettoleistungen des Staates bliebe nur erhalten, wenn alle versprochenen Leistungen eingehalten werden und die Steuern stabil bleiben, sagt Schuh. Sie dürfte sich aber zwangsläufig erhöhen, meint Mitautor Helmut Hofer. Denn ohne höhere Steuern oder größere Einsparungen sei die Zukunft wohl nicht bewältigbar. Beides werde eher zulasten der Jüngeren gehen, weil Pensionisten, wenn überhaupt, dann nur mäßig belastbar seien. Jüngere zahlen laut Hochrechnungen als spätere Pensionisten ohnehin drauf: Wegen verschärfter Pensionsbedingungen lässt sich laut Schuh bereits sagen: Ein heute 20-Jähriger bekommt dann als Rentner im Durchschnitt pro Monat 814 Euro, falls die Gesetze unverändert bleiben. Aktuell liegt die Durchschnittspension bei 1023 Euro.

Die Junge Industrie leitet aus der Studie ein Bündel an Forderungen ab: Die Älteren sollten mehr Verzicht üben, bei kommenden Budgets müsse es ein "intergeneratives Monitoring" geben, die Hacklerregelung sei abzuschaffen und Beamtenpensionen sollen angepasst werden.

WOLFGANG SIMONITSCH

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