Prölls Probleme mit dem Personal
Eigentlich muss Finanzminister Pröll ein Budget zimmern - er hat also andere Sorgen. Doch nun rächt sich, dass der ÖVP-Obmann keine gute Hand bei der Personalauswahl hat.

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Das geht schon als gute Nachricht durch: Gestern musste sich im Parlament keine ÖVP-Ministerin einer Misstrauensabstimmung stellen. ÖVP-Chef Josef Pröll hat Probleme mit seinen Mitarbeiterinnen. Innerhalb von zwei Wochen erwiesen sich drei seiner Personalentscheidungen als Fehler.
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner holt ihre Vergangenheit als Richterin ein. Die Generalprokuratur empfiehlt, das Urteil im Bawag-Prozess, das sie in erster Instanz gefällt hat, teilweise aufzuheben.
Innenministerin Maria Fekter überzieht ihre Rolle als eiserne Lady. Sie ließ es geschehen, dass die Polizei achtjährige Zwillinge abholte, in Schubhaft steckte und am nächsten Tag in den Kosovo schickte. Eine Woche später hob sie den Bescheid, der die Familie des Landes verwiesen hatte, auf und meinte, deren Berater könne diese ja zurückholen.
Und Familienstaatssekretärin Christine Marek strauchelt im Zweitjob. Ihre Arbeit in der Bundesregierung macht sie gut, unter ihrer Führung und Spitzenkandidatur ist die Wiener ÖVP jedoch zur Kleinpartei von knapp 15 Prozent geschrumpft.
Falsche Zeit, falsche Rolle
Prölls Fehlentscheidungen sind unterschiedlichen Gründen geschuldet. Bei Bandion-Ortner lag es am Zeitpunkt ihrer Kür. Pröll brauchte in seinem Teams noch ein neues Gesicht, sie war als Richterin im Bawag-Prozess bekannt geworden. Und hatte mit Ex-Bankchef Helmut Elsner einen prominenten Roten verknackt. Doch Bandion-Ortner hatte, als Pröll sie der Öffentlichkeit präsentierte, das Urteil noch nicht geschrieben. Ihr Amtsantritt wurde verschoben. Aber der Druck war enorm, vor lauter Aufregung wurde sie krank.
Über Fekter sagte Pröll einmal: "Sie ist die Einzige in meinem Team, die ich übernommen, die ich mir nicht ausgesucht habe." Doch er ließ keinen Zweifel daran, wie zufrieden er damit war, wie sie ihre Rolle als rechte Flanke und Ausländerschreck anlegte. Es war ein Grenzgang, als sie sagte, sie ließe sich von Arigona Zogajs "Rehleinaugen" nicht erpressen, doch damals gaben ihr viele Wähler insgeheim recht. Nun, mit der Abschiebung der blonden Volksschülerinnen, ist die Stimmung gekippt.
Marek war vielleicht sogar die richtige Frau am richtigen Platz - doch dann ließ Pröll sie alleine. Marek, unerfahren in Kampagnenführung, ließ sich als Wiener Spitzenkandidatin schlecht beraten und machte alles falsch. Mit der Abschiebung der Zwillinge gab ihr Fekter dann den Rest.
Immer Ärger mit den Frauen? Mit Nikolaus Berlakovich ist man in der ÖVP auch nicht zufrieden - und seinen eigenen Nachfolger für das Landwirtschaftsressort auszusuchen, das hätte für Pröll eigentlich die leichteste Übung sein müssen, sollte man glauben.
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Familienstaatssekretärin Christine Marek: Wiener ÖVP zur Kleinpartei geschrumpft Foto © AP













