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Zuletzt aktualisiert: 12.10.2010 um 08:17 UhrKommentare

Streiks lähmen den Nah- und Fernverkehr

In Frankreich hat ein Streik gegen die Rentenreform der Regierung am Dienstag zu Zugausfällen im Nah- und Fernverkehr geführt. Allerdings betreffen die Ausfälle hauptsächlich lokale Strecken.

In Frankreich streiken die Bahnbediensteten - zahlreiche Züge fallen aus

Foto © APAIn Frankreich streiken die Bahnbediensteten - zahlreiche Züge fallen aus

Bei den Streiks in Frankreich waren in der Früh die Verbindungen innerhalb des Landes nach Angaben der staatliche Bahngesellschaft SNCF heftiger betroffen als internationale Strecken. Nach Deutschland sollten demnach noch zwei Drittel aller Züge fahren. Die Eurostar-Verbindung von Paris nach London blieb zunächst ungestört. Bei den Thalys-Zügen nach Belgien und in die Niederlande sowie bei den Zügen in die Schweiz wurde erwartet, dass jeder fünfte ausfällt.

Die SNCF ging jedoch davon aus, dass nur jeder dritte Hochgeschwindigkeitszug (TGV) zwischen Paris und dem Rest des Landes fährt. Von den TGV, die nicht die Hauptstadt passieren, wurde sogar erwartet, dass nur jeder fünfte Zug planmäßig im Einsatz ist. Die Pariser Nahverkehrsbetriebe RATP vermeldeten hingegen am Morgen geringere Folgen des Streiks als erwartet. Dies könne sich jedoch noch im Lauf des Tages ändern, warnte ein RATP-Sprecher.

Auch Lehrer, Lastwagenfahrer und Postmitarbeiter hatten angekündigt, sich an dem Streik zu beteiligen. Die Gewerkschaften erwarten eine ähnlich hohe Teilnehmerzahl wie bei den Aktionstagen der vergangenen Wochen, als nach ihren Angaben zuletzt rund drei Millionen Menschen auf die Straße gegangen waren. Die Regierung sprach von knapp unter einer Million Teilnehmern.

Verlängerung?

Diesmal könnten die Streiks noch ausgeweitet werden, denn in verschiedenen Bereichen, darunter bei der Bahn, wurden Abstimmungen zur Verlängerung der Streiks ab Mittwoch angesetzt. Die Gewerkschaften riefen zudem Schüler und Studenten auf, sich an den Protesten zu beteiligen. Arbeitsminister Eric Woerth kritisierte dies als "vollkommen unverantwortlich". Für Samstag sind weitere Demonstrationen geplant.

Die Regierung machte unterdessen deutlich, dass sie trotz der Proteste an der Pensionsreform festhalten will. Im Senat setzte die Regierungspartei UMP am Montagabend die Verabschiedung eines besonders umstrittenen Passus des Gesetzes durch. 174 Senatoren stimmten dafür, dass das Alter, ab dem Franzosen künftig die volle Pension unabhängig von den Beitragsjahren beziehen, schrittweise von 65 auf 67 Jahre erhöht wird. Gegen die Umstellung ab dem Jahr 2016 stimmten 159 Senatoren. Der andere zentrale Artikel des Reformwerks, die Anhebung des Pensionseintrittsalters von 60 auf 62 Jahre, war bereits vergangenen Freitag im Senat gebilligt worden.

"Wir sind nicht hier, um zu tun, was leicht ist, wir haben nicht immer die Zustimmung des Volkes", sagte Arbeitsminister Woerth vor dem Senat. Es sei "schwierig, den Franzosen zu sagen, dass sie mehr arbeiten müssen, bis hin zum Alter von 67 Jahren, aber es muss getan werden". Die Nationalversammlung hat die gesamte Reform bereits abgesegnet, der Senat will bis Freitag über die Neuerungen debattieren. Sarkozys Regierung hofft, die Reform bis Ende des Monats abzuschließen.

Einer Umfrage zufolge unterstützen mit 69 Prozent mehr als zwei Drittel der Franzosen den Streik am Dienstag. 61 Prozent sprachen sich für länger währende Protestaktionen aus. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Ifop-Umfrage für die Zeitung "France-Soir" vertrauen derzeit 53 Prozent der Franzosen den Gewerkschaften. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als bei einer ähnlichen Umfrage im Juni.


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