Wiener Blut, Sprechblasen und ein Häupl im Wind
Es ist vollbracht: Der Wahlkampf in Wien ist so gut wie vorbei, die diversen Comics sind verbreitet, der große (Wahl-)Tag steht unmittelbar bevor. Ein Rückblick auf Wochen mit Sprechblasen-Niveau.

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Jene Gruppierungen, die sich um einen Einzug in den Gemeinderat bzw. in die Bezirksvertretungen bewerben, waren in den vergangenen Wochen omnipräsent - auf Plakaten, Dreiecksständern, medial oder auch ganz real bei den unzähligen Wahlveranstaltungen. Dass dabei über die Zukunft der Stadt diskutiert wurde, ist nicht völlig auszuschließen, gemerkt haben die Wiener davon aber offenbar wenig.
Eine im Auftrag der APA durchgeführte Oekonsult-Umfrage hat den Wahlkampfstrategen der Parteien zuletzt nämlich ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis ausgestellt. Rund 79 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Wahlauseinandersetzung eher nicht den "wirklich wichtigen Fragen und Problemen" der Stadt gewidmet habe. 67 Prozent fanden nicht, dass sich die diskutierten Inhalte weitestgehend mit ihren Anliegen, Problemen und Forderungen decken. Nur jeder zehnte Wiener fühlte sich von den Wahlkampfthemen dezidiert persönlich angesprochen.
Begonnen hat der Wahlkampf bereits im Sommer, wenn auch eher gemächlich. Eine der ersten Festlegungen kam von der Chefin der Wiener ÖVP, Christine Marek. Sie brachte sich mit ihrer Versicherung, keinesfalls "Pipifax"-Ressorts akzeptieren zu wollen, als Koalitionspartnerin ins Spiel. Den Grünen gelang es schon relativ früh, und zwar im Juni, mit einem dominierenden Thema präsent zu sein - nämlich mit den parteiinternen Querelen in den Bezirken.
Sprechblasen-Niveau.
Der quasi inoffizielle Auftakt zum Wahlkampf fand schließlich Mitte August statt, als die FPÖ Plakate affichierte, auf denen sie "Mehr Mut für unser 'Wiener Blut'" forderte. Das Konzept ging auf, der programmierte Aufreger sorgte für heftige Debatten. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache legte nach: Die SPÖ, so versicherte sie, sei eine Partei, die Lobbyismus für Islamismus betreibe.
Die SPÖ wies die Anwürfe zurück und konterte: Bürgermeister und SP-Spitzenkandidat Michael Häupl warnte davor, dass die FPÖ Gemeindebauten verscherbeln werde, sollte sie jemals in Wien an die Macht kommen. Die FPÖ schaltete eigens Inserate, um diesen Vorwurf zu dementieren.
Noch intensiver wurde das Match Rot gegen Blau auf Sprechblasen-Niveau geführt: Die Freiheitlichen sorgten mit einem Geschichts-Comic für Empörung, in dem ein kleiner Bub einen türkischen Belagerer Wiens ("Mustafa") mit der Steinschleuder zu Leibe rückt. Die SPÖ zeichnete daraufhin ebenfalls. In ihrem Comic wird gegen Nazi-Zombies und einen Androiden mit dem Aussehen Straches gekämpft.
Für Staunen - dem Vernehmen nach auch in der eigenen Partei - sorgten die ersten Plakate der ÖVP, war darauf doch niemand geringerer als Michael Häupl zu sehen. Dem fröhlich dreinblickenden ÖVP-Häupl wurde das Haar vom "frischen Wind", den die ÖVP der Stadt bringen möchte, zerzaust. Christine Marek bot zudem an, "Lotse" für den "roten Jumbo" - alias Vizebürgermeisterin in einer rot-schwarzen Koalition - zu werden.
Sicherheit und Integration
Insgesamt setzte die ÖVP eher nicht auf Themen, die mit Begriffen wie "urban" und "liberal" assoziiert werden. Stattdessen ging es in der schwarzen Kampagne vor allem um Sicherheits- und Integrationsfragen. Gewarnt wurde schließlich auch vor einer "griechischen Hochzeit", also - in Anspielung auf die Herkunft der grünen Spitzenkandidatin Maria Vassilakou - vor einer rot-grünen Koalition nach der Wahl.
Einer der in so einem Fall wohl zum Zug kommen würde, ist Alexander Van der Bellen. Der frühere Bundessprecher der Grünen warb in Wien um Vorzugsstimmen. Inhaltlich standen Energie und Verkehr im Mittelpunkt der grünen Kampagne. Auch das BZÖ setzte auf ein bekanntes Gesicht: Der ehemalige ORF-Wirtschaftsjournalist Walter Sonnleitner fungierte als Spitzenkandidat. Dessen Kritik traf nicht nur die Mitstreiter, sondern auch die eigenen Reihen: Sonnleitner fand wenig Gefallen am Wahlkampfstil des steirischen BZÖ-Chefs Gerald Grosz.
Das vermutlich am intensivsten diskutierte Thema brachte erst das Wahlkampf-Finale. Interessanterweise ging es dabei nicht um Wien. Allerdings wurde es von Bürgermeister Häupl lanciert: Er plädierte für eine Volksbefragung über ein mögliches Aus für die Allgemeine Wehrpflicht.













