Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 30. Oktober 2014 18:35 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Präsidentenwahl in Mosambik: Nyusi gewann Älteste Frau der Welt (118) bekommt erste Pension Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Politik Nächster Artikel Präsidentenwahl in Mosambik: Nyusi gewann Älteste Frau der Welt (118) bekommt erste Pension
    Zuletzt aktualisiert: 28.09.2010 um 14:52 UhrKommentare

    Licht und Schatten nach 20 Jahren deutscher Einheit

    Am 3. Oktober 1990 wurde Wirklichkeit, woran viele schon nicht mehr geglaubt hatten: Nach rund 40 Jahren Teilung war Deutschland wiedervereint.

    Foto © AP

    "Für mich ist dieser Augenblick einer der glücklichsten in meinem Leben", sagte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) am Vorabend des Tages der Deutschen Einheit in einer Fernsehansprache.

    Um Mitternacht zogen 14 Jugendliche aus Ost und West die schwarz-rot-goldene Flagge unter dem Jubel hunderttausender Menschen vor dem Reichstag in Berlin auf. Vor dem Portal mit der Inschrift "Dem deutschen Volke" hatte sich auch die gesamtdeutsche politische Führungsspitze versammelt. Immer wieder ertönten "Helmut, Helmut"-Rufe aus der Menge. "Es waren bewegende, unvergessliche Momente, die einfach nicht enden wollten", schrieb Kohl in seinen Erinnerungen.

    Wunder

    Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die stellvertretende Regierungssprecherin des letzten und einzigen frei gewählten DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière war, sagte jetzt: "Ich glaube, damals kam es einem Wunder gleich, und ein bisschen von diesem Wunder sollten wir uns auch in unseren Herzen und Köpfen bewahren."

    20 Jahre danach ist vieles erreicht. Der Lebensstandard hat sich angeglichen, marode Häuser sind in vielen ostdeutschen Städten saniert, die Infrastruktur ist modernisiert. Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) zog jüngst eine Bilanz der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit: Sechs von neun Schienenprojekten seien fertiggestellt, die anderen drei im Bau. Fertiggestellt oder im Bau seien 95 Prozent der Straßenbauprojekte. "Insgesamt 17 Schienen-, Straßen- und Wasserverkehrswege wurden mit einem Investitionsvolumen von rund 39,4 Milliarden Euro in Angriff genommen."

    Transferleistungen

    Auch materiell holten die Ostdeutschen schnell auf. Das verfügbare Durchschnittseinkommen je Einwohner wuchs von 1991 bis 2007 in den neuen Ländern um 85 Prozent auf 1260 Euro im Monat, im Westen nur um 40 Prozent auf 1603 Euro, wie aus einem Dossier der Bundesregierung zu "20 Jahren Deutsche Einheit" hervorgeht. Dazu trugen auch Transferleistungen aus dem Westen erheblich bei. Seit 1990 sollen es nach Schätzungen von Wissenschaftlern etwa 1,6 Billionen Euro netto gewesen sein. Offizielle Zahlen gibt es nicht.

    Allerdings liegen die neuen Länder nach wie vor bei der Wirtschaftskraft zurück und die Arbeitslosigkeit ist immer noch fast doppelt so hoch wie in Westdeutschland. Nach Zahlen des Zentrums für Sozialforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wurden bis zum Jahr 2002 in Ostdeutschland 58.803 Betriebe geschlossen. Andererseits wurden aber auch eine halbe Million neue Betriebe gegründet, darunter heute börsennotierte Unternehmen wie die Jenoptik AG in Jena. Viele Menschen sahen keine Perspektive mehr in ihrer Heimat. Innerhalb von 20 Jahren verlor Ostdeutschland im Saldo rund 1,8 Millionen Menschen - vor allem jüngere und gut ausgebildete, darunter viele Frauen.

    Die Regierung hält die deutsche Einheit trotzdem für eine Erfolgsgeschichte. Merkel sieht im Jubiläumsjahr viel Gemeinsames bei den Bundesbürgern in West- und Ostdeutschland. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) räumte bei der Vorstellung des Jahresberichts zum Stand der Deutschen Einheit 2010 aber auch "Schattenseiten" ein. Zu Kohls Versprechen, es werde in wenigen Jahren "blühende Landschaften" im vereinten Deutschland geben, sagte er: "Der Begriff der blühenden Landschaften beschreibt die Realität 2010 nicht umfassend. Es gibt eben neben blühenden Landschaften auch Industriebrachen und auch gescheiterte Biografien."

    Auch wenn die damals verantwortlichen Politiker in der Rückschau Fehler einräumen, sind sich doch alle einig, dass es richtig war, die deutsche Einheit so schnell zu vollziehen. "Solche Prozesse gehen in der Geschichte schnell oder gar nicht", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der 1990 Innenminister war, vor kurzem bei einer Podiumsdiskussion. "Das Tempo ist nicht von irgendwem in Bonn gemacht worden, sondern von den Menschen in der DDR."

    Auch heute noch halten nach einer aktuellen Umfrage 81 Prozent der Deutschen die Wiedervereinigung für einen Glücksfall. Fast jeder zweite Ostdeutsche meint, dass es ihm materiell besser geht.

    Der "Sozialreport 2010" der Volkssolidarität macht aber auch deutlich, wie gespalten das Volk in der Bewertung von 20 Jahren Einheit ist. In den alten Bundesländern sehen demnach 47 Prozent die Einheit als weitgehend vollendet an, im Osten sind dies nur 17 Prozent. Während im Osten 42 Prozent der Bürger durch die Einheit für sich Gewinne sehen, sind dies im Westen nur 37 Prozent.

    Keine gemeinsame Identität

    Der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, Prof. Klaus Schroeder, stellt fest: "Auch nach zwanzig Jahren staatlicher Einheit fehlt es an einer gemeinsamen Identität." Viele Ost- und Westdeutsche begegneten sich weiterhin mit Vorurteilen und grenzten sich voneinander ab. Viele Ostdeutsche empfänden jede Kritik am sozialistischen System als Herabwürdigung ihres eigenen Lebens und neigten zur nostalgischen Verklärung der DDR. Trotzdem betrachte eine breite Mehrheit die Zeit nach der Wiedervereinigung als die beste ihres Lebens.

    "Anders fällt die Wahrnehmung der Westdeutschen aus: Die Zeit vor 1990 wird als schöner empfunden. Die Westalgie übertrifft insofern - öffentlich kaum wahrgenommen - die Ostalgie", so Schroeders These.


    Grafik

    Grafik © APA

    Grafik vergrößernGrafik © APA

    Mehr Politik

    Mehr aus dem Web

      KLEINE.tv

      Proteste in Burkina Faso eskalieren

      Nach tagelangen Demonstrationen ist die Lage im westafrikanischen Burkin...Noch nicht bewertet

       

      Politik im Bild

      Über 600 Rekruten am Sportplatz St. Andrä angelobt 

      Über 600 Rekruten am Sportplatz St. Andrä angelobt

       

      100 Jahre Erster Weltkrieg

      Eine Reise an Orte, die bis heute vom Krieg gezeichnet sind. Elf illustrierte Reportagen auf 285 Seiten. Das neue Buch der Kleinen Zeitung ist ab sofort im Online-Shop erhältlich.

       


      Steirische Strukturreform

      APA

      Die Landesspitze baut die Gemeindestruktur massiv um. Im Jahr 2015 soll es von den derzeit 539 nur mehr 285 Gemeinden geben.

      Griechenland in der Krise



      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang
      Bitte Javascript aktivieren!