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Zuletzt aktualisiert: 21.09.2010 um 10:35 UhrKommentare

Akademiker zur Kasse bitten?

Eine "Akademikerabgabe" von bis zu sechs Prozent des monatlichen Einkommens soll die Probleme bei der Finanzierung der heimischen Hochschulen lösen, schlägt jetzt ein deutscher Bildungsökonom vor.

Foto © Fotolia - Gina Sanders

Eine "Akademikerabgabe" soll die Probleme bei der Finanzierung der Hochschulen lösen. Diesen Vorschlag machte der deutsche Bildungsökonom Dieter Dohmen Montag Abend bei einer Veranstaltung der Universitätenkonferenz (uniko) in Wien. Hochschulabsolventen sollten sich verpflichten, befristet einen Prozentsatz ihres Einkommens an die jeweilige Uni zu bezahlen, schlug Dohmen vor. Uniko-Chef Hans Sünkel bezeichnete dieses Modell als durchaus "diskutierbar", das Finanzierungsproblem der Unis könne aber "nur die öffentliche Hand lösen". Das würden Studiengebühren - in welcher Form auch immer - alleine nicht schaffen.

Sünkel: Finanzierungsprobleme kann nur die öffentliche Hand lösen

Für Sünkel macht es erst dann Sinn, über eine Erhöhung der privaten Beteiligung zur Hochschulausbildung zu diskutieren, wenn die öffentliche Hand bereit sei, den seit Jahren unterfinanzierten Universitäten die erforderlichen Mittel aufzustocken. Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie in Berlin, ist dagegen überzeugt, dass die - etwa durch wachsenden Qualifizierungsbedarf - absehbaren Finanzierungsprobleme der Hochschulen nicht durch öffentliche Mittel alleine gelöst werden könnten. "Das ist in Zeiten der Krise unrealistisch." Deshalb sei eine private Beteiligung an der akademischen Ausbildung unumgänglich.

Für ihn sollten nach einem Bachelor-Studium 3,6 Prozent und nach einem Master-Studium sechs Prozent des monatlichen Einkommens an die jeweilige Hochschule bezahlt werden. "Wer dann 2.000 Euro verdient, zahlt monatlich 120 Euro, wer 5.000 Euro verdient, zahlt 300 Euro als Akademikerabgabe", so Dohmen. Wird diese über sieben Jahre eingehoben, summierten sich die Einnahmen auf 10.000 bzw. 25.000 Euro.

Durch eine vertragliche privatrechtliche Verpflichtung könnte man sich dieser Zahlung auch nicht durch Abwanderung in ein anderes Land entziehen, was im Fall Österreichs wegen der vielen deutschen Studenten interessant sein könnte. Weitere Vorteile sieht Dohmen darin, dass damit der Zugang zum Studium unabhängig von den finanziellen Voraussetzungen ermöglicht werde und das Modell zwischen gut und weniger gut Verdienenden, zwischen Eltern und Kinderlosen und zwischen Männern und Frauen ausgleiche. Wenn etwa nur Teilzeit gearbeitet werde oder Frauen weniger verdienen, zahle man auch weniger. Damit die Unis gleich etwas von einem solchen Modell hätten, könnten Banken mit einer Vorfinanzierung einspringen.

Den in Österreich unter dem Eindruck angekündigter Sparmaßnahmen im Hochschulbereich immer wieder gehörten Verweis auf Deutschland, wo die Bundesregierung angekündigt hat, in der laufenden Legislaturperiode zusätzlich zwölf Mrd. Euro für Bildung und Forschung aufzuwenden, ließ Dohmen nicht gelten. Aufgrund der Zuständigkeit der deutschen Länder für Bildung dürfe der Bund Bildungseinrichtungen wie etwa Universitäten nicht direkt finanzieren, es seien "nervige und kontraproduktive Winkelzüge notwendig, um das Bildungssystem aufrecht erhalten zu können".

Rektoren-Chef Sünkel betonte, dass auch die immer wieder geforderte Effizienzsteigerung an den Unis durchaus noch möglich sei und verwies auf die Medizin-Unis, wo die Drop-Out-Rate seit Einführung der Aufnahmetests von rund 50 auf nunmehr zehn Prozent gesunken sei. "Ohne diese Selektion und die Lenkung von Studentenströmen werden wir die Effizienz nicht erhöhen können", sagte Sünkel.


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