Schulbeginn mit alten Baustellen
Im Herbst ist die Regierung gerade in der Schulpolitik gefordert. Mit enormen Widerständen ist wieder einmal zu rechnen. Ganztags- und Gesamtschule entzweien SPÖ und ÖVP, die Gewerkschaft bremst beim neuen Dienstrecht, die Länder schießen quer.

Foto © Hannes Eichinger
Nicht nur für Schüler und Lehrer, auch für die Regierung beginnt spätestens heute wieder der Ernst des Lebens. Bildungspolitisch hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied bereits einiges auf den Weg gebracht, etwa die Verkleinerung der Klassen, die Einführung der Zentralmatura (ab 2014), die Kindergartenpflicht ab dem fünften Lebensjahr. Die wahren Herkulesaufgaben stehen der Ministerin aber erst ins Haus. Mit der Gewerkschaft muss ein Dienstrecht ausverhandelt werden, die Länder schießen auch schon quer. Nicht ganz einer Meinung sind sich SPÖ und ÖVP beim Ausbau der Ganztags- sowie der Gesamtschule. In einem Punkt ist für Spannung gesorgt: Im Herbst legt die ÖVP ihr neues Bildungskonzept vor.
Ganztagsschule
Die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in Österreich - im Unterschied zu anderen Ländern - noch immer ein großes Problem. Zwar konnte das Angebot an ganztägiger Schulbetreuung auf fast 100.000 Plätze gesteigert werden, doch fehlen immer noch 200.000 Plätze.
Bewertung: Im Ausbau
Gemeinsame Schule
Der Run auf die Neue Mittelschule, die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen, ist enorm. Derzeit sieht es nicht so aus, dass die ÖVP an einer nach Leistungsgruppen differenzierten Gesamtschule interessiert ist. Die gute alte Hauptschule am Land soll weiterhin bestehen bleiben.
Bewertung: Langsame Fortschritte
Dienstrecht
Lehrer sollen künftig flexibler eingesetzt werden können, etwa an Nachmittagen, dafür aber höhere Einstiegsgehälter erhalten. Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft stehen erst bevor. Damit diese nicht gleich zum Scheitern verurteilt sind, soll die Regelung nur für Junglehrer gelten.
Bewertung: Noch unerledigt
Sprachförderung
Ab heute müssen Fünfjährige in den Kindergarten gehen und dürfen nicht mehr zu Hause bleiben. Einer der Hauptgründe für diese Aktion: Auf diese Weise lernen Kinder aus Migrantenfamilien bereits im Kindergarten - und nicht erst in der ersten Klasse Volksschule - Deutsch.
Bewertung: In Umsetzung
Personalhoheit
Der Konflikt zwischen Bund und Ländern ist bereits ausgebrochen. Die Länder wollen die Personalhoheit auch über die Bundeslehrer an den Gymnasien, die Regierung ist - noch - dagegen. Zu erwarten ist, dass Kanzler und Vize auch hier einknicken. Die Bildungsziele soll der Bund aber vorgeben.
Bewertung: Heftiger Streit
Lehrerausbildung
Die Ausbildung soll auf komplett neue Füße gestellt werden: Zunächst soll es eine gemeinsame Ausbildungsphase sowohl für Volksschul- als auch für Gymnasiallehrer geben. Die Aufnahme zum Studium erfolgt nach einem pädagogischen Eignungstest. Eingebunden sind Unis sowie Pädagogische Hochschulen.
Bewertung: In Verhandlungen












