Galgenfrist für Thilo Sarrazin
Die Aussagen des deutschen Bundesbankvortstandes Thilo Sarrazins zum Thema Einwanderer schlagen weiterhin hohe Wogen. Demografen weisen seine Theorien zurück, Kritik kommt von Schäuble. Über Sarrazins berufliche Zukunft soll aber erst am Donnerstag entschieden werden.

Foto © APThilo Sarrazin muss um seine Karriere zittern.
Der Streit um die berufliche Zukunft Thilo Sarrazins bei der Deutschen Bundesbank zieht sich hin. Wie ein Sprecher der Bundesbank am Mittwoch sagte, dauerten die Gespräche zwischen dem Vorstand und Sarrazin an. "Vor Donnerstag ist nicht mit einer Entscheidung zu rechnen", sagte der Sprecher nach einer Sitzung des Vorstands.
Der frühere Berliner SPD-Finanzsenator Sarrazin steht seit Tagen wegen seiner Thesen zur Integrationsfähigkeit von Muslimen und Äußerungen zur angeblichen genetischen Disposition bestimmter Volksgruppen in der Kritik. Die Bundesbank verzichtete bisher auf einen Antrag auf Entlassung, weil sie Sarrazin erst anhören wollte.
Von Literaturfestival Berlin ausgeladen
Während um die berufliche Zukunft Sarrazins noch beraten wird, wurde er vom Internationalen Literaturfestival in Berlin ausgeladen . Festivalleiter Ulrich Schreiber sagte am Mittwoch bei der Vorstellung des Programms, man habe sich entschieden, Sarrazin nicht innerhalb des Festivals zu präsentieren.
Das Haus der Kulturen der Welt habe die Veranstaltung nicht ohne einen Gegenpart für den umstrittenen Buchautor organisieren wollen. Nun gebe es Überlegungen, die geplante Buchvorstellung vor oder nach dem Festival zu veranstalten. Sarrazin sollte am 25. September zum Thema "Zukunft Deutschland" sprechen.
Heftige Kritik von Schäuble
Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble hat den umstrittenen Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin kritisiert und in der Affäre zugleich zur Umsicht gemahnt. Die Autonomie der Bundesbank sei ein hohes Gut, sagte Schäuble am Mittwoch vor der Presse. Sarrazin habe als Vorstandsmitglied der Bundesbank zwar "ersichtlich gegen seine Verpflichtungen zur Zurückhaltung (...) verstoßen."
Es gehe im Umgang mit der Affäre jedoch darum, "sehr klug die Autonomie der Bundesbank" zu beachten. "Ich warte jetzt mal ab, was die Bundesbank heute entscheidet", sagte der CDU-Politiker, der nach eigenen Worten mit Bundesbankpräsident Axel Weber über die Personalie Sarrazin gesprochen hat. "Es wird Sie nicht überraschen, dass ich nicht sage, was wir besprochen haben", fügte Schäuble hinzu.












