Gaddafis peinlicher Auftritt in Rom
Revolutionsführer will Europa zum Islam bekehren und predigt Untergang der Christen.
Quelle © APA Gaddafi: Vortrag vor Hunderten Models
Es war wie immer ein spektakulärer Auftritt, als der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi am Sonntag in Rom eintraf. Mit der schon üblichen Verspätung von über einer Stunde landete die Maschine des Revolutionsführers auf dem Flughafen Ciampino, wo er von Außenminister Franco Frattini empfangen wurde. Dass sein enger Freund und Regierungschef Silvio Berlusconi nicht selbst an die Gangway der Maschine kam, ist sicher als innenpolitisches Zeichen zu werten: Die Opposition lehnt die enge Verbindung Berlusconis zu Gaddafi genauso ab wie die zum russischen Regierungschef Wladimir Putin. Und auch in den eigenen Reihen sind die Kontakte nicht unumstritten.
Den Grund dafür demonstrierte der libysche Revolutionsführer noch am selben Tag: Vor 500 von einer Agentur angemieteten Hostessen predigte Gaddafi die Vorzüge des Islam. Mit den Worten "der Islam wird die Religion der Zukunft in Europa sein und die falsche Religion des Christentums überwinden" erregte er nicht nur den Unmut der Katholiken Italiens, sondern auch der christlichen Regierungsmitglieder. Die Anhänger des Präsidenten des Abgeordnetenhauses Gianfranco Fini charakterisierten die Veranstaltung sogleich auch als "politisches Disneyland". Berlusconi wiegelte ab, es sei "alles nur Folklore".
70 Euro für Escortfrauen
Gaddafi liebt es, sich mit Frauen zu umgeben - wie auch sein Gastgeber. Dass seine Leibgarde aus vierzig Amazonen besteht, begründete der nordafrikanische Staatschef mit der Loyalität der Frauen. Sie seien - anders als Männer - nicht anfällig für Korruption und Verrat.
Die Escortfrauen wurden für das Treffen am Sonntag mit je 70 Euro bezahlt - das ist deutlich weniger, als Silvio Berlusconi für seine reizenden Begleitungen auszugeben beliebt.
Offizieller Anlass des Treffens ist der zweite Jahrestag des Freundschaftsvertrages zwischen Italien und Libyen. In dem am 30. August 2008 geschlossenen Abkommen hatte sich Italien zur Schuld am Kolonialsystem in Libyen bekannt und zur Zahlung von 6,7 Milliarden Euro Schadenersatz verpflichtet. Libyen hingegen verpflichtete sich, für die Eindämmung der Migration von Afrikanern nach Italien zu sorgen. Dies wird seither von beiden Seiten mit harter Hand betrieben. Zudem haben sich die wirtschaftlichen Kontakte zwischen beiden Ländern vertieft. Italien ist zum wichtigsten Außenhandelspartner Libyens avanciert, das erdöl- und erdgasreiche Land zum wichtigen Rohstofflieferanten.
Berlusconis Kritiker warnen vor zu engen Kontakten nach Tripolis. Dies sei vor allem dazu geeignet, sich von den traditionellen Alliierten - allen voran die USA und auch der Vatikan - zu distanzieren. Dass Muammar al-Gaddafi nach dem offiziell erklärten Verzicht auf Kernwaffen zum anerkannten Staatsmann mutierte, lässt nicht vergessen, dass er über Jahrzehnte hinweg den internationalen Terrorismus unterstützt hatte.












