Schakfeh will Minarett in jedem Bundesland
Eine halbe Million Muslime lebt derzeit in Österreich. Für sie es gibt zu wenig Gebetshäuser, kritisiert der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Anas Schakfeh. Er wünscht sich in jeder Landeshauptstadt eine Moschee mit Minarett.

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Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Anas Schakfeh ist davon überzeugt, dass auf lange Sicht zumindest in jeder Landeshauptstadt ein adäquater Gebetsraum - also auch mit Minarett - stehen wird. "Denn auf lange Sicht kann man Menschen nicht verbieten, ihre wirkliche religiöse Freiheit, die verfassungsgeschützt ist, auszuüben." So hätten etwa evangelische Christen noch vor rund 150 Jahren keine Kirchen mit Türmen errichten dürfen, nun störe das niemanden mehr. "Deshalb bin ich für die Zukunft optimistisch, dass es irgendwann zu einer Normalität kommt", so Schakfeh.
Kompromisse
"Selbstverständlich können wir auch in Moscheen ohne Minarett beten", so Schakfeh, "aber eine Kirche hat eine Struktur, eine Architektur. Und eine Moschee hat auch eine Architektur". Und wie bei christlichen Kirchen gebe es auch bei islamischen Gebetshäusern unterschiedliche Stile. "Es kann sich ein Stil für Mitteleuropa entwickeln", glaubt der IGGiÖ-Präsident. Man könne aber Kompromisse bei der Höhe der Minarette eingehen, auch Lautsprecher müssten nicht angebracht sein. Theologisch begründet sieht Schakfeh eine bestimmte Architekturform für Moscheen zwar nicht - wie auch christliche Kirchen ihre Baustile nicht theologisch vorschrieben. Trotzdem würden Gläubige in solchen Gebäuden Geborgenheit finden.
"Die Anzahl der muslimischen Bevölkerung ist bei einer halben Million angelangt, was wir an Bethäusern haben, reicht nicht aus", betont Schakfeh die Notwendigkeit, die Infrastruktur für die Muslime auszubauen. Durch die anstehenden Wahlen plant die Glaubensgemeinschaft auch, kurzfristig in jeder Landeshauptstadt zumindest ein Verwaltungsgebäude zu betreiben. Derzeit gebe es dies neben Wien noch in Graz, Bregenz und Linz. In Klagenfurt wurde soeben ein Objekt gefunden. Die Büros sollen neben Anlaufstellen für Muslime auch Informationsstellen für am Islam Interessierte sein.
Muslime wählen Vertretung
Die Einrichtung eines Klagenfurter Büros kommt nicht zufällig: Ab November wählen die Muslime in Österreich - auf Basis der neuen, lange erkämpften Verfassung - eine neue Vertretung. Den Beginn macht Kärnten, im April 2011 wird Wien als letztes Bundesland an der Reihe sein. Derzeit registrieren sich viele der geschätzten 500.000 Muslime in Österreich. Wie viele registrierte Mitglieder die IGGiÖ letztendlich haben wird, kann Schakfeh noch nicht sagen, er rechnet mit mehreren 10.000. Ein Zwischenstand soll im September präsentiert werden.
Deutsch-Pflicht
Die von der Regierung geplante Deutsch-Pflicht vor der Zuwanderung ist für den Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Anas Schakfeh, schlicht "nicht machbar". Da die Möglichkeiten für Kurse oft nur in den Hauptstädten der Herkunftsländer bestünden, müssten Zuwanderer so zweimal emigrieren - "einmal von der Provinz in die Hauptstadt und dann nach Österreich". Den Ausländer-Wahlkampf der FPÖ in Wien verurteilt er und fordert ein Staatssekretariat für Zuwanderung.
Kopftuch
Ein Burka-Verbot lehnt Schakfeh ab, da es auch keine Trägerinnen in Österreich gebe. "Wir empfehlen ihnen diese Form der Schleier nicht", so der IGGiÖ-Präsident, ein Verbot wäre jedoch kontraproduktiv und würde die Trägerinnen gesellschaftlich isolieren: "Wir wollen die Frauen nicht von einer Bevormundung in eine andere Bevormundung transferieren." Sollte das Tragen eines Kopftuches keine freie Entscheidung der Betroffenen sein, würden sich die Glaubensgemeinschaft und andere Institutionen als Anlaufstelle anbieten. "Da muss man wirklich Programme und Maßnahmen entwickeln. Man muss garantieren können, dass die Frau wirklich ihre eigene Entscheidung trifft."













