Erstes Atomkraftwerk im Iran offiziell eröffnet
Der Iran hat am Samstag damit begonnen das Atomkraftwerk in Bushehr mit Kernbrennstoff zu bestücken. Dass das iranische Atomprogramm nur friedlichen Zwecken diene, wird international bezweifelt.

Foto © APAtomkraftkwerk im iranischen Bushehr
Der Iran hat im internationalen Dauerkonflikt um sein Atomprogramm mit russischer Hilfe sein erstes Kernkraftwerk in Betrieb genommen. In der Hafenstadt Bushehr brachten russische Nuklearexperten am Samstag die ersten der insgesamt 163 Brennstäbe in den Reaktor, wie die Agentur Interfax meldete. Für die Führung in Teheran ist der Start der Anlage ein wichtiges politisches Signal. Der Chef des russischen Atomkonzerns Rosatom, Sergej Kirijenko, schloss bei der Zeremonie am Persischen Golf einen Missbrauch der Anlage zur Waffenproduktion aus. Israel bezeichnete die Inbetriebnahme dennoch als "völlig inakzeptabel".
Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO / IAEA) bestätigte die erstmalige Ausrüstung des iranischen Atomkraftwerks mit Kernbrennstoff aus Russland. Die Kontrollbehörde werde den Meiler auch in Zukunft regelmäßig inspizieren, teilte ein IAEO-Sprecher in Wien mit. Bushehr soll nach jahrzehntelangen Verzögerungen Ende 2010 erstmals Atomstrom produzieren.
Kritiker werfen dem Iran vor, das Spaltmaterial von Bushehr auch zu militärischen Zwecken nutzen zu wollen. "Alle Experten wissen, dass dies (wegen der ständigen Kontrolle durch die IAEO) nicht möglich ist", sagte Kirijenko. Aus Washington gab es am Samstag zunächst keine Reaktion auf das Bushehr-Projekt. Moskau hatte wiederholt darauf verwiesen, dass die Fertigstellung des ersten iranischen Atomreaktors ausdrücklich von der US-Regierung begrüßt werde. Experten sehen keine große Gefahr, dass mit Hilfe des Leichtwasserreaktors waffenfähiges Plutonium erzeugt wird. Die 163 Brennstäbe stehen unter IAEO-Kontrolle und müssen nach Gebrauch an Russland zurückgegeben werden.
Der iranische Atomchef Ali Akbar Salehi sprach in Bushehr von einem "historischen Tag". Laut Rosatom soll das Beladen mit Brennstäben spätestens am 5. September abgeschlossen sein. Der in den 1970er Jahren mit westdeutscher Hilfe begonnene Leichtwasserreaktor soll im November ans Netz gehen und spätestens im März seine Maximalleistung von 1.000 Megawatt erreichen.
"Auf den Fundamenten, die deutsche Ingenieure vor mehr als 30 Jahren zu legen begannen, haben Experten aus beiden Ländern ein einzigartiges Projekt geschaffen", sagte Kirijenko. Der Rosatom-Chef kündigte bei der Eröffnung auch an, dass Russland künftig Atomteilchen ("medizinische Isotope") zur Behandlung von Krebspatienten an den Iran liefern werde. Bisher hatte Teheran diese in einem Forschungsreaktor selbst herstellt. Ali Akbar Salehi dankte Kirijenko für die Fertigstellung von Bushehr. "Damit hat sich Russland unauslöschbar in die Geschichtsbücher des Iran eingetragen."
Die Eröffnung des Meilers verdeutliche die Entschlossenheit von Teheran, sein "friedliches Atomprogramm" trotz der Ablehnung durch den Westen fortzuführen, unterstrich Salehi. Jedoch wolle der Iran den Bau weiterer Atomanlagen "nicht überstürzen". Bushehr ist nicht Bestandteil der Sanktionen, die der Weltsicherheitsrat im Juni mit der Stimme Russlands gegen Teheran verschärft hatte. "Auch die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates plus Deutschland bestätigen, dass die Anlage in keiner Beziehung zum Militärprogramm des Irans steht", betonte der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Michail Margelow, am Samstag in Moskau.
Ein israelischer Regierungssprecher bezeichnete es dagegen als "völlig inakzeptabel, dass ein Land, das (internationale Verträge) so unverhohlen verletzt, die Früchte der Nutzung von Atomenergie genießen darf". Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf den Iran im Atomstreit zu erhöhen. Teheran weigert sich trotz jüngst verschärften internationalen Sanktionen, die Uran-Anreicherung einzustellen. Angereichertes Uran kann auch zum Bau von Atomwaffen genutzt werden. Die Atommacht Israel sieht sich durch Iran in ihrer Existenz bedroht und hat nicht ausgeschlossen, präventiv Luftangriffe zur Zerstörung iranischer Atomanlagen zu fliegen. Im Irak hat Israel 1981 eine Baustelle für einen Atomreaktor bombardiert.
Der Bau der Anlage war noch vor der Iranischen Revolution im Jahr 1979 vom Siemens-Konzern begonnen worde. 1974 hatte Schah Reza Pahlevi mit dem deutschen Unternehmen einen Vertrag über den Bau eines Reaktors abgeschlossen. Siemens trat von dem Abkommen zurück, als der Schah durch die Islamische Revolution gestürzt wurde. Die teilweise fertiggestellte Anlage wurde durch irakische Bombardements während des Ersten Golf-Krieges zwischen dem Iran und dem Irak (1980-1988) beschädigt. Bevor der Iran sich mit Russland auf die Wiedererrichtung des Kraftwerks einigte, waren bereits Verträge mit Argentinien, Spanien und anderen Ländern unterzeichnet worden, die auf Druck der USA aber wieder annulliert wurden. Der 1995 geschlossene Vertrag mit Russland hat einen Umfang von einer Milliarde US-Dollar (787 Mio. Euro).












