Groß, blond, präsidial
Mit Christian und Bettina Wulff rückt ein neues Lebensmodell an die Spitze Deutschlands. Über die neue First Lady passt sich das Frauenbild an die Lebenswirklichkeit an.

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Es ist nicht gerade das, was man einen Blitzstart nennt. Aber Christian Wulff nimmt den späten Erfolg im dritten Wahlgang mit dem ihm eigenen nordischen, trockenen Humor. "Wenn ich Ihnen sage, dass mein Antritt als Ministerpräsident im dritten Anlauf neun Jahre gedauert hat, dann war die Bundesversammlung heute relativ kurz", sagte Wulff in seiner ersten Rede als frisch gewählter Bundespräsident. Da lagen just neun Stunden und 34 Minuten Zittern hinter ihm und seiner Frau Bettina, die mit Christian Wulffs Tochter Annalena auf der Tribüne ausgeharrt hatten.
Wulff mag technokratischer daherkommen als sein wortgewaltiger Kontrahent Joachim Gauck. Im Vergleich zur Lebenserfahrung des Bürgerrechtlers nimmt sich auch die Lebenserfahrung des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten etwas bescheidener aus. Doch mit Wulff rückt ein völlig neuer Lebensentwurf ins Rampenlicht. Denn mit den Wulffs zieht eine moderne Patchworkfamilie in den Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin. Und mit Bettina Wulff eine junge, pragmatische Frau, die das Frauenbild in Deutschland endlich der Lebenswirklichkeit anpasst.
Die Unkonventionelle
Die 36-Jährige ist nicht nur die bislang jüngste First Lady in der Geschichte der Bundesrepublik, sie ist zugleich die unkonventionellste. Berufstätig, selbstbewusst, zwei Kinder. Neben der 16-jährigen Annalena aus Christian Wulffs erster Ehe, die aber hauptsächlich bei ihrer Mutter in Osnabrück wohnt, ziehen der zweijährige gemeinsame Sohn Linus und der sechsjährige Leander aus Bettina Wulffs vorheriger Beziehung ins neue Berliner Zuhause.
Und dann sind da ja noch die zwei Tattoos am Oberarm der 1,80 Meter großen Blondine. In ihrer Heimatgemeinde Großburgwedel bei Hannover birgt das allein genug Gesprächsstoff. Man zweifelt ein wenig, ob das einer First Lady würdig ist. Doch in allen anderen Punkten ist man sich sicher: Bettina Wulff hat das Zeug, dem weltumspannenden First-Lady-Gesprächsthema um Michelle Obama, Carla Bruni und Samantha Cameron eine eigene deutsche Note hinzuzufügen.
Denn die 36-Jährige kennt das Geschäft der Medien. Unmittelbar nach ihrer Matura hat sie in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover Medienmanagement studiert. Danach profilierte sie sich bald als Pressereferentin beim Reifenhersteller Continental in München, schlug sich zeitweise als Alleinerziehende durch und lernte dann über ihre Funktion im Jahr 2006 Christian Wulff kennen.
Sie liebt den Glanz, sie liebt die Scheinwerfer und trotzdem bleibt sie bodenständig, ist eine Frau "ohne Allüren", wie man in ihrem Heimatort erzählt. Seit ihrer Rückkehr aus München arbeitet sie halbtags als Pressereferentin der Drogeriemarktkette Rossmann. Und wirkt nebenbei repräsentabel in Hannover.
Ein kleines Skandälchen
Doch dann ist da noch die Geschichte mit dem Luxusflug. Beim Weihnachtsurlaub mit seiner Familie hat Wulff gegen das Ministergesetz verstoßen. Er war bei der Reise nach Florida in die Business Class hochgestuft worden. Das unerlaubte Upgrade hat er einem munteren Gespräch seiner Frau mit dem Air-Berlin-Chef auf einem Empfang in Berlin zu verdanken - so erzählt man es sich in Wulffs niedersächsischer CDU. Solche Fehler sollten ihm als Bundespräsident nicht passieren. Aber Wulff gibt bei seinen Antrittsworten freimütig zu: "Aus Niederlagen habe ich eigentlich immer noch mehr gelernt als aus Siegen."
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ZUR PERSON
Bettina Wulff wurde am 25. Oktober 1973 in Hannover geboren (Mädchenname Körner).
Karriere: Medienmanagement-Studium. 2000 bis 2009 Pressereferentin beim Reifenhersteller Continental AG, seit 2009 Pressereferentin bei Rossmann.













