Selbstmordanschläge in Ostpakistan: 42 Tote
Nahe einer muslimischen Heiligenstätte in Lahore im Osten des Landes sprengten sich drei Selbstmordattentäter in die Luft. Mehr als 150 Menschen wurden verletzt.

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Bei einem doppelten Selbstmordanschlag in einem islamischen Heiligtum in der ostpakistanischen Stadt Lahore sind nach Polizeiangaben mindestens 42 Menschen getötet und 175 weitere verletzt worden. Zwei Attentäter sprengten sich am Donnerstagabend an der Grabstätte eines Sufi-Heiligen in die Luft. Es gab keine Bekenntnisbotschaft, der Verdacht fiel aber auf islamische Extremisten, die die Anhänger des Sufismus als Ketzer betrachten und deshalb schon wiederholt Anschläge auf sie verübten. Die radikal-islamischen Taliban wiesen eine Verantwortung allerdings zurück. Regierungschef Yousuf Raza Gilani verurteilte die Tat.
Nach Behördenangaben sprengte sich der erste Attentäter in einem unterirdischen Gewölbe des Data-Darbar-Schreins des Sufi-Heiligen Hazrat Syed Ali bin Usman Hajweri in die Luft, in dem Pilger vor dem Gebet ruhen und sich waschen können. Wenige Minuten später zündete der zweite Attentäter in einem großen Hof vor dem Mausoleum, auf den sich viele nach der ersten Explosion geflüchtet hatten, seinen Sprengsatz. Die Explosionen hatten eine verheerende Wirkung, wie Fernsehbilder zeigten. Tausende waren in dem Schrein, als die Bomben detonierten. Die Köpfe der beiden Selbstmordattentäter seien gefunden worden.
TTP: "Nicht verantwortlich"
Dem Hausmeister zufolge detonierten die Sprengsätze im Abstand von wenigen Minuten. Unter den Besuchern brach Panik aus. Sufismus steht für Strömungen im Islam, die von asketischen Tendenzen und einer spirituellen Orientierung ("Mystik") geprägt sind.
"Terroristen nehmen keine Rücksicht auf Religionen", sagte Ministerpräsident Gilani. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Ein Regierungssprecher machte jedoch islamische Extremisten verantwortlich und erklärte, es handle sich um "dieselben Leute, die auch die früheren Anschläge in Lahore verübt haben". Die pakistanischen Tehrik-e-Taliban (TTP) wiesen eine Verantwortung zurück. "Wir sind für diese Angriffe nicht verantwortlich", sagte TTP-Sprecher Azam Tariq. Das Attentat sei eine "Verschwörung ausländischer Geheimdienste".
Nach dem Doppelanschlag versammelten sich vor dem Schrein mehrere Demonstranten und kritisierten die nach ihren Worten unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen. Nach Medienberichten gingen mehrere Autos in Flammen auf. Die Polizei habe Tränengas gegen Steine werfende Demonstranten eingesetzt, hieß es. Auch Warnschüsse wurden abgegeben, um die Menge auseinanderzutreiben. Die Zeitung "The News" berichtete am Freitag, der Schrein für den persischen Sufi-Gelehrten aus dem 11. Jahrhundert habe in der Vergangenheit mehrfach Drohungen erhalten.
Mit Blick auf die Freitagsgebete wurde das Sicherheitsaufgebot in der Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt Lahore massiv erhöht. Polizeipatrouillen überwachten mögliche Anschlagsziele. Pakistan wird seit rund drei Jahren von einer Welle blutiger Anschläge erschüttert, hinter denen meist Mitglieder der pakistanischen Taliban, des internationalen Terrornetzes Al-Kaida oder anderer radikal-islamischer Gruppierungen vermutet werden. Mehr als 3.400 Menschen wurden in dem Zeitraum getötet. Die Regierung ist mehrmals gegen die Rückzugsgebiete der Extremisten an der Grenze zu Afghanistan vorgegangen.
USA als Ursache?
In den vergangenen Monaten wurde dabei immer wieder Lahore, die zweitgrößte Stadt des Landes, ins Visier genommen. Ende Mai starben bei zeitgleichen Anschlägen auf zwei Moscheen mehr als 80 Menschen: Während des Freitagsgebets eröffneten die Angreifer das Feuer auf Anhänger der Ahmadi-Sekte und warfen Granaten in die Gotteshäuser. Einer der Attentäter zündete zudem einen Sprengstoffgürtel. Am 12. März wurden zudem bei einem doppelten Selbstmordattentat 57 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt.
Die USA verurteilten den Angriff, in der pakistanischen Bevölkerung sehen aber viele gerade in dem Engagement der USA in ihrem Land die eigentliche Ursache für die Gewalt. "Amerika tötet Muslime in Afghanistan und in unseren Stammesgebieten, und die Militanten greifen Pakistan an, weil die Regierung Amerika unterstützt", sagte der 25-jährige Zahir Umar, der häufig den Schrein besucht. Die Pakistanis seien es, die unter der amerikanischen Politik und Aggression zu leiden hätten, sagte ein 34-jähriger Geschäftsbesitzer, Mohammed Asif.












