Anschlag auf Moscheen in Lahore: Mindestens 70 Tote
Etwa 2000 Geiseln konnten von der Polizei nach stundenlangen Kämpfen befreit werden. Die Taliban bekennen sich zum Anschlag auf die Ahmadi-Minderheit. In Österreich gibt es 78 Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft.

Foto © APNach dem Überfall auf die Garhi Shahu Moschee in Lahore
Extremisten haben in der ostpakistanischen Stadt Lahore während des Freitagsgebets zwei Moscheen angegriffen und ein Blutbad angerichtet. Mindestens 70 Menschen starben nach Angaben der örtlichen Behörden, etwa 100 wurden verletzt. Krankenhausmitarbeiter sprachen unterdessen von bis zu 140 Verletzten. In den Gotteshäusern beten Angehörige der Ahmadiyya-Minderheit, die in Pakistan nicht als Muslime anerkannt werden. Zu dem Anschlag bekannten sich pakistanische Taliban-Milizen.
Handgranaten in Moscheen
Die Angreifer warfen nach Aussagen von Zeugen zunächst Handgranaten in die Moscheen in den Stadtteilen Model Town und Gardhi Shahu. Dann eröffneten sie das Feuer auf die Gläubigen. Einige sollen auch Sprengstoffgürtel getragen und sich selbst in die Luft gesprengt haben. Die Polizei in Lahore konnte etwa 2000 Menschen aus den beiden Moscheen befreien. Mindestens vier Terroristen seien verletzt worden; zwei wurden festgenommen, darunter ein Jugendlicher. In Fernsehaufnahmen war einer der Extremisten zu sehen, wie er von einem Minarett aus auf die anrückende Polizei feuerte.
Die Islamisten warfen den "Ahmadis" in einem Bekennerschreiben vor, Mohammed nicht als Propheten anzuerkennen, gegen den Heiligen Krieg zu konspirieren und gemeinsame Sache mit Juden zu machen. Der Angriff sei die letzte Warnung an die Minderheit, Pakistan zu verlassen. Anderenfalls würden sie sterben.
Die "Ahmadiyya-Muslim"-Bewegung ist eine 1889 gegründete islamische Religionsgemeinschaft, die jegliche Gewalt ablehnt. Sie hat weltweit bis zu 15 Millionen Anhänger. In Pakistan leben mehrere Millionen. Ihre Grundsätze weichen von denen anderer Muslime ab: Unter anderem gehen sie davon aus, dass Jesus die Kreuzigung überlebte und in Kaschmir starb. Pakistan ist der einzige islamische Staat, der die Ahmadi nicht zu den Muslimen zählt. Zudem hat das Land die Rechte der rund vier Millionen Ahmadis durch Gesetze eingeschränkt.
Ahmadiyya-Gemeinde in Wien
Eine Ahmadiyya-Gemeinde gibt es auch in Österreich. Sie zählt 78 Mitglieder, heißt es auf der Internetseite http://www.ahmadiyya.at. Seit dem Jahr 1992 gibt es eine Ahmadiyya-Gemeinde in Wien. Ahmadis leben und arbeiten aber auch in Graz, Sankt Pölten, Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark.
Pakistan ist immer wieder Schauplatz religiös motivierter Gewalt. Viele pakistanische Ahmadis sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen in westliche Länder geflüchtet. Obwohl es in Pakistan gesetzlich Religionsfreiheit gibt, dürfen Ahmadis ihren Glauben dort nicht ausüben.













