"Möchte den Rat ohne Schulden übernehmen"
Valentin Inzko über die Voraussetzungen für seine Obmannschaft beim Rat der Slowenen und die Versöhnungsarbeit. Er führt bereits Gespräche über sein Team.

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I st Ihre Entscheidung bereits gefallen, Obmann des Rates der Kärntner Slowenen zu werden?
VALENTIN INZKO: Nein, noch nicht.
Sie führen bereits Hintergrundgespräche, ist zu hören. Warum zögern Sie noch?
INZKO : Ich treffe dieser Tage einen Teil der Führung des Rates. Der Rat ist mittellos, um nicht zu sagen pleite. Es geht also auch um einen Kassasturz, denn ich möchte den Rat ohne Schulden übernehmen. Ich bekomme Signale, dass Obmann Smolle erfolgreich versucht, mir die Bilanz mit einer positiven Null zu übergeben. Noch wichtiger sind die Gespräche betreffend das eventuelle Team. Ich brauche einen starken Vorstand, einen geschäftsführenden Obmannstellvertreter, ein aktives Sekretariat. Wenn mir das gelingt und die Finanzen ausgeglichen sind, werde ich nicht zögern, mich zu entscheiden.
Für manche ist es nicht vorstellbar, dass Sie als welterfahrener Botschafter und jetzt als hoher Repräsentant für Bosnien mit Kontakten zu Staatsspitzen weltweit, in die Ebene eines regionalen Slowenenverbandes einsteigen.
INZKO: Nächste Woche berichte ich wieder dem Sicherheitsrat der Uno, ich treffe auch mit dem Uno-Generalsekretär zusammen, im Juni stehen Treffen mit drei Staatspräsidenten und eine Konferenz mit knapp 40 Außenministern in Sarajevo auf dem Programm. Im letzten Jahr hatte ich über 1300 Termine und dazu zahlreiche Auslandsreisen. Das ist die eine Seite. Andererseits habe ich immer danach getrachtet, die Verbindung zu meiner Kärntner Heimat nie zu verlieren. Jede Tätigkeit hat einen inneren Wert, wenn man ihr die entsprechende Bedeutung verleiht. Ich könnte mir vorstellen, einmal als Vizebürgermeister in der Gemeinde zu arbeiten, zuständig für grenzüberschreitende Kultur. Ich möchte die in der Welt gesammelte Erfahrung meiner engeren Heimat zur Verfügung stellen. Irgendwie habe ich Genugtuung dabei, heute Bill Clinton die Hand zu schütteln und am nächsten Tag einem Bürger meiner Gemeinde im Dorfgasthaus. Ich sehe da keine Unterschiede. Gerade unter den "einfachen" Menschen habe ich oft die edelsten gefunden.
Als Rat-Obmann wäre die Erwartung in Sie groß: von Einigkeit unter den drei Slowenenverbänden bis zur Ortstafellösung. Das Risiko des Scheiterns wäre da?
INZKO: Da haben Sie recht. Ich werde mir auch nicht erlauben können, das Gesicht zu verlieren.
Zum Status quo in Volksgruppenfragen in Kärnten: Was läuft derzeit am meisten schief?
INZKO: Das ist die Zusammenarbeit unter den drei Verbänden. Der slowenischen Musikschule, der größten Bildungsinstitution der Volksgruppe, geht es finanziell schlecht. Etwas besser geht es den privaten zwei- oder mehrsprachigen Kindergärten, finanziell meine ich, sie sind zum Bersten voll, können aber wegen Geldmangel nicht erweitert werden. Auch bei der Amtssprache könnte es besser laufen.
Und was funktioniert?
INZKO: Die sensationelle Tätigkeit unserer Kulturvereine. Da werden Opern und Musicals aufgeführt, internationale Marionettentheater, Festspiele organisiert, CDs und tausende Buchtitel herausgegeben etc. Alles ruht auf einem unerschöpflichen Idealismus und der Liebe zur eigenen Kultur, die jedoch jene des Nachbarn voll und gerne respektiert.
In der Zeit von Kanzler Schüssel galten Sie als sein Berater in Volksgruppenfragen. Glauben Sie an eine Ortstafellösung unter Bundeskanzler Faymann?
INZKO: Er hat das Problem geerbt und ich meine, dass er ehrlich bemüht sein wird, es zu lösen. Schüssel stand einen Meter vor dem Ziel, beinahe wäre ihm die Quadratur des Kreises gelungen. Man sollte heute auch auf Teilen seiner Lösungen aufbauen.
Ist eine Ortstafellösung ohne FPK-Führung möglich?
INZKO: Das ist denkbar, aber nicht erstrebenswert. Je breiter die Zustimmung, desto dauerhafter die Lösung.
Ist eine Lösung im Volksabstimmungs-Jubiläumsjahr realistisch oder nur eine Alibidebatte?
INZKO: Das Jubiläumsjahr ist ein Zeitfenster, das unbedingt genützt werden sollte, es soll dadurch aber kein allenfalls schädlicher Druck entstehen.
Hat die Drei-Spaltung der Volksgruppe Zukunft?
INZKO: Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass es einen Dachverband für die Volksgruppe geben sollte. Viel wichtiger ist es jedoch, mit einer Stimme zu sprechen, mit einer Zunge zu reden.
Ihr Vater war in der Kirche aber auch zwischen Mehrheit und Minderheit Brückenbauer, er war Mitbegründer und über Jahre Obmann des Rates der Slowenen. In seinem letzten Interview mit der "Kleinen Zeitung" sagte er vor acht Jahren: "Um Versöhnung und Zusammenleben muss man sich immer aufs Neue bemühen. Das sind Aufgaben, die nie zu Ende geführt sind." Ein Appell, der noch gilt?
INZKO: Und wie! Mein verehrter Vater hatte zu hundert Prozent recht. Versöhnung und das Zusammenleben können nie zu Ende geführt werden. Das ist ein kontinuierlicher Prozess für das ganze Leben, ein schöner und nobler Prozess. In diesem Sinne habe ich die "Versöhnungszwillinge" Dr. Ernst Waldstein und meinen Vater immer bewundert. Sie gaben nie auf, auch unter schwierigsten Umständen, sie blieben immer Optimisten. Vielleicht auch deshalb, weil sie tief aus dem Glauben schöpften und das Gebot "Liebe deinen Nächsten" ernst nahmen. Wenn Sie sich anschauen, wie es in manchen Familien zugeht, in manchen Schulen, Gesellschaften oder Staaten, dann kann man tatsächlich nur sagen, dass dieser Appell heute aktueller ist, denn je!












