Gusenbauer: "Habe Zugang als Bauarbeitersohn"
Hans Peter Haselsteiner holt Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer als Aufsichtsratschef zur Strabag und als Vorstandschef in seine Familienstiftung.

Foto © APAlte Freunde: Hans Peter Haselsteiner und Alfred Gusenbauer, hier noch als Kanzler beim SPÖ-Sommerfest 2007
Von politischen Baustellen zu den echten, vom einstigen SPÖ-Bundeskanzler zum Aufsichtsratschef des Baukonzerns Strabag - wie passt das?
ALFRED GUSENBAUER: Die Strabag ist eines der bedeutendsten Unternehmen Österreichs und ich habe eine hohe Affinität zur Bauwirtschaft. Wenn man Sohn eines Bauarbeiters ist, hat man einen Zugang zum Bau von Straßen, Brücken und Häusern.
Auch eine Dankesgeste von Hans Peter Haselsteiner, der 2006 zu ihrer Wahl aufgerufen hatte?
GUSENBAUER: Nein. Der Aufsichtsratsvorsitz ist eine schöne Aufgabe und Herausforderung. Natürlich ist es Ausdruck des Vertrauens und der Freundschaft zwischen Hans Peter Haselsteiner und mir. Ich bin froh, dass auch alle anderen Großaktionäre (am größten Raiffeisen, Anm.) den Schritt gutheißen. Ich habe zu allen Akteuren der Baubranche gute Kontakte. Mein Freund Wolfi Hesoun von der Porr hat mich angerufen, dass er es super findet, dass ich jetzt im Strabag-Aufsichtsrat bin.
Das kann gleich hart werden. In Russland läuft es der Strabag gerade nicht nach Plan, das Sotschi-Geschäft bleibt unter Erwartung.
GUSENBAUER: Man muss das Gesamtvolumen der Strabag in Russland sehen, das ist immer noch beträchtlich, vor allem sind auch die Potenziale beträchtlich.
Indes ist auch die Rückkehr Oleg Deripasakas als Strabag-Großaktionär noch nicht fix.
GUSENBAUER: Das bereitet mir kein Kopfzerbrechen. Sowohl Haselsteiner als auch Raiffeisen sind sehr faire Partner, die Deripaska nicht unter Druck gesetzt haben.
Was ist die Herausforderung für den Baukonzern und Sie?
GUSENBAUER: In der Bauwirtschaft stehen uns harte Zeiten bevor. Die müssen wir geordnet bewältigen. Die Strabag ist für die nächsten Jahre gut aufgestellt. Mir liegen auch der Standort Österreich und die Arbeitsplätze am Herzen, wenn ich einen Betrieb mit 75.000 Leuten unterstützen kann. Die Strabag ist von der Größenordnung her ja so groß wie Post und ÖBB zusammen.
Allerdings gut organisiert und mit Gewinn. Wie lösen Sie das mit der Strabag, dass Sie noch Aufsichtsrat der Alpine Bau sind?
GUSENBAUER: Ich habe mein Aufsichtsratsmandat bei der Alpine mit 1. Mai zurückgelegt. Das würde sich ausschließen, weil es konkurrierende Unternehmen sind.
Sie waren vorübergehend sogar für einen Posten im Vorstand der Strabag im Gespräch.
GUSENBAUER: Das war ich nie. Ich führe mein eigenes Beratungsunternehmen und habe daneben noch andere Mandate, zum Beispiel als Beiratsvorsitzender der Signa-Holding von Rene Benko. Ich berate den Medienkonzern WAZ in Südosteuropa und ich betreue Projekte für erneuerbare Energie. Mit Hans Peter Haselsteiner war immer klar, dass ich den Aufsichtsratsvorsitzenden mache und dass ich ihn im Stiftungsvorstand der Haselsteiner Familien-Privatstiftung ablöse.
Die Haselsteiner-Stiftung ist eine der vermögendsten in Österreich. Die Strabag hat rund 14 Milliarden Euro Bauleistung im Jahr. Was verdient man da so?
GUSENBAUER: Es kommt nicht darauf an, was man verdient, sondern was man kriegt.
Die Rede ist von 50.000 Euro im Jahr als Aufsichtsratschef. Wie viel kommt in der Stiftung dazu?
GUSENBAUER: Über Geld redet man nicht, jedenfalls bei uns in der Privatwirtschaft.
Features
GUSI UND DIE STRABAG
Alfred Gusenbauer, SPÖ-Chef von 2000 bis 2008 und Bundeskanzler von 2006 bis 2008, wird Aufsichtsratschef des Baukonzerns Strabag. Er löst Waldemar Jud ab, der Christian Konrad nachgefolgt war.
Hans Peter Haselsteiner holt Gusenbauer auch in den Vorstand der Haselsteiner Familien-Privatstiftung, die zusammen mit Raiffeisen größter Strabag-Aktionär ist. Haselsteiner und seine Gattin Ulrike Haselsteiner scheiden aus dem Stiftungsvorstand aus, Gusenbauer zieht neben Günter Werginz und Christian Hader als Vorsitzender in den Stiftungsvorstand ein.













