Ein Heißsporn führt die Magyaren - Viktor Orban im Porträt
Der Rechtspopulist Viktor Orban (46) will Ungarn als Premier erneuern.

Foto © APAViktor Orban
Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn: Selten hat ein Mann so polarisiert wie Viktor Orban. Nach dem gestrigen Kantersieg bei den Wahlen steht der 46-Jährige als neuer Regierungschef Ungarns fest. Der Ton in Budapest, soviel ist sicher, wird rauer werden.
Ansonsten hat sich Orban wenig in die Karten schauen lassen. Bekannt als Heißsporn, der die linksliberale Regierung mit Radikalforderungen vor sich hertrieb, versuchte er, je näher sein zu erwartender Sieg rückte, die Erwartungen zurückzuschrauben. "Der Ausverkauf Ungarns muss aufhören!", versprach er seinen Wählern, doch angesichts von Krise und Schuldenberg werden die internationalen Kreditgeber auch dem selbstbewussten Orban auf die Finger schauen.
Der fünffache Vater verspricht den Wandel, er hat ihn an sich selbst mehrfach vollzogen. Über Nacht bekannt wurde er 1989, als er auf dem Budapester Heldenplatz vor Tausenden Menschen das damals Unerhörte forderte - den Abzug der sowjetischen Truppen. In der Folge galt er im In- und Ausland als linksliberaler Hoffnungsträger für den Aufbau der ungarischen Demokratie, als junger, dynamischer Freigeist.
Der Dämpfer kam 1994. Orbans Fidesz schaffte bei der Wahl nur sieben Prozent, doch der Volkstribun wollte ganz nach oben. Er erkannte: Der Aufstieg kommt von rechts. Orban beschwor fortan das Ungarntum, 1998 wurde er ein erstes Mal Premier. Mit seiner Partei hatte er zwar das Parlament erobert, Respekt hatte er für dieses aber wenig übrig. Er reduzierte die Zahl der Sitzungen, lästige Untersuchungsausschüsse schaffte er ab. Vier Jahre später sagten die Wähler wieder "Es reicht", Orban nahm es nur widerwillig hin. Er titulierte sich und Fidesz zur ungarischen Nation. "Das geht doch nicht, dass die Heimat in die Opposition muss!", empörte er sich damals. Er mobilisierte die Massen, seinen Kampf gegen die Regierung trug er am liebsten auf der Straße aus.
Dennoch hoffen viele, dass Orban, der trotz ergrautem Haupthaar noch immer jugendliche Tatkraft ausstrahlt, sich angesichts der Probleme mäßigt und seine starke Mehrheit nutzt, um Ungarn wieder auf Erfolgskurs zu bringen. NINA KOREN
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Fakten
Viktor Orban, geboren am 31. Mai 1963 in Szekesfehervar.
Werdegang: Jus-Studium (Budapest und Oxford). Mitbegründer der Fidesz-Partei. 1992 Vizepräsident der Liberalen Internationalen, 2002 EVP-Vizechef. 1998 bis 2002 Regierungschef, dann Oppositionsführer.













