Nach 24 Jahren dürfen Sudanesen wieder wählen
Fünf Jahre nach dem Bürgerkrieg wählt der Sudan ein neues Parlament. Eine Wiederwahl des amtierenden Präsidenten Bashir gilt als sicher. Überschattet werden die Wahlen durch den Boykott mehrerer Oppositionsparteien im Norden.

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Überschattet von Betrugsvorwürfen haben im Sudan, dem größten Land Afrikas, am Sonntag die ersten allgemeinen Wahlen seit 24 Jahren begonnen. In dem auf drei Tage angesetzten Votum sind 16 Millionen Sudanesen aufgerufen, über Präsidenten, Parlament und Gouverneure abzustimmen. Nachdem die wichtigsten Oppositionsführer ihre Kandidatur zurückgezogen hatten, galt ein Sieg von Staatschef Omar al-Bashir als sicher.
In den Wahllokalen der Hauptstadt Khartum gab es am Sonntag zunächst keinen großen Andrang, die Straßen insgesamt waren leer. Teilweise kam es nach Beobachtung von AFP-Reportern zu logistischen Problemen. So mussten in einigen Wahllokalen am Morgen erst noch die Urnen gefaltet werden. In den anderen Teilen des Landes öffneten viele Wahllokale verspätet.
Der 66-jährige Bashir gab seine Stimme in einer Schule im Zentrum der Hauptstadt ab. Gegen den autoritär regierenden Präsidenten liegt beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag ein Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der westsudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur vor. Bashir, der sich 1989 an die Macht geputscht hatte, ging 1996 und 2000 als Sieger aus Präsidentschaftswahlen hervor; diese Abstimmungen wurden im In- und Ausland jedoch als Farce gewertet. Auch in diesem Jahr erhoben die Oppositionsparteien Betrugsvorwürfe.
Ex-US-Präsident Jimmy Carter, der mit seiner Carter-Stiftung die Wahlen überwacht, erklärte vor Journalisten in Khartum, die nationale Wahlkommission habe gute Arbeit geleistet, obwohl in manchen Gegenden des Landes die Wahlunterlagen zu spät angekommen seien. Neben der Carter-Stiftung hat auch die EU, die Arabische Liga, China und Japan Wahlbeobachter entsandt.
Der südsudanesische Führer Salva Kiir von der früheren Rebellenbewegung Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA) wählte in der Gebietshauptstadt Juba. Im halbautonomen Süden des Landes sollen die Bewohner über ihren Regierungschef abstimmen. Kiir tritt gegen den früheren Außenminister Lam Akol an. Nach 21 Jahren Bürgerkrieg mit 1,5 Millionen Toten im Südsudan, einem Gebiet so groß wie Frankreich, hatten die SPLA und die Regierung in Khartum im Jänner 2005 einen Friedensvertrag unterzeichnet. Im Jänner 2011 soll ein Volksentscheid über die Unabhängigkeit des Südsudan stattfinden. Zahlreiche Hilfsorganisationen warnten zuletzt vor einem neuen Krieg zwischen dem christlich und animistisch geprägten Süden und dem muslimischen Norden.
Die dreitägigen Wahlen gehören zu den kompliziertesten der Welt. Im Süden, der zehn Bundesstaaten umfasst, müssen die registrierten Wähler insgesamt zwölf Kreuze machen: unter anderem auch für die halbautonome südsudanesische Regierung, die Abgeordneten, eine eigene Frauenliste und die Gouverneure - ein schwieriges Unterfangen in einem Land, in dem mehr als 70 Prozent der Menschen nicht lesen und schreiben können.












