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Zuletzt aktualisiert: 10.04.2010 um 22:27 UhrKommentare

Polens Präsident kam bei Flugzeugabsturz ums Leben

Foto © APA

Beim Anflug auf den russischen Flughafen Smolensk ist eine Maschine mit dem polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und seiner Frau sowie zahlreicher politischer und militärischer Prominenz an Bord verunglückt. Alle 97 Insassen kamen ums Leben, mittlerweile wurde Kaczynskis Leiche identifiziert und geborgen. Kaczynski war auf dem Weg zu einer Gedenkfeier für ein Massaker im Dorf Katyn vor 70 Jahren.

Der Absturz ist offenbar auf einen Pilotenfehler zurückzuführen. Der Pilot der polnischen Regierungsmaschine habe beim Anflug auf den russischen Flughafen Smolensk mehrere Befehle der Fluglotsen ignoriert, die Landung abzubrechen und einen anderen Flughafen anzusteuern, sagte der Vize-Chef der russischen Luftwaffe, Alexander Aljoschin, am Samstag der Agentur Interfax zufolge.

Der Präsident wollte nach Katyn, um der polnischen Opfer des Massakers zu gedenken, das sowjetische Geheimpolizisten 1940 dort an tausenden Offizieren und Intellektuellen verübt hatten. An Bord des Flugzeugs waren unter anderen auch Kaczynskis Frau Maria, der polnische Zentralbankchef Slawomir Skrzypek und der stellvertretende Außenminister Andrzej Kremer. Auch mehrere Parlamentarier sowie die engsten Mitarbeiter Kaczynskis reisten mit ihm. Zu den Opfern gehörte außerdem Ryszard Kaczorowski, der letzte Präsident der polnischen Exilregierung in London, sowie die 80-jährige Solidarnosc-Mitbegründerin Anna Walentynowicz. Gestorben sei die "Elite der Nation", sagte der frühere polnische Präsident Lech Walesa.

Besonders hart getroffen wurde die militärische Führung Polens. Bei dem Absturz kamen neben Kaczynski, der als Präsident Oberbefehlshaber der Streitkräfte war, der Chef des Generalstabs (Gagor), der Befehlshaber des Heeres (Buk), der Kriegsmarine (Karweta) und der Sondereinheiten (Potasinski), der Chef des Operationskommandos der polnischen Armee (Kwiatkowski) und der Luftwaffe (Blasik) ums Leben. Unter den Opfern befinden sich auch Vize-Verteidigungsminister Komorowski und der Feldbischof der polnischen Streitkräfte, General Tadeusz Ploski.

In Warschau herrschte tiefe Betroffenheit über das Unglück. Regierungschef Tusk brach in Tränen aus, als er von der Nachricht hörte. Er rief das Kabinett zu einer Sondersitzung zusammen.

Nach der polnischen Verfassung übernimmt der Chef des Unterhauses (Bronislaw Komorowski) nach dem Tod des Präsidenten die Geschäfte des Staatschefs. Die Flaggen in Warschau wurden auf Halbmast gesetzt, vor dem Präsidentenpalast legten Bürger Blumen nieder und entzündeten Kerzen.

Kreml-Chef Medwedew wandte sich mit einer bewegenden Fernsehansprache an das polnische Volk. Er verspreche die sorgfältige Aufklärung der Tragödie in Zusammenarbeit mit den Behörden in Warschau. Die Rede dürfte auch deswegen in Warschau besondere Beachtung finden, weil die Beziehungen zwischen Russen und Polen als schwierig gelten. Kurz darauf drückten auch US-Präsident Obama und Papst Benedikt XVI. ihr Beileid aus.

Quelle: APA

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