Zentralmatura für BHS auf dem Weg
Ein Jahr nach den Gymnasien sollen die berufsbildenden Schulen einheitliche schriftliche Abschlussprüfungen bekommen. Der Gesetzesentwurf ist am vergangenen Donnerstag in Begutachtung gegangen.

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Der Freund an der Nachbarschule hatte viel leichtere Maturafragen als man selbst? Auch wenn das oft eine subjektive Einschätzung ist, soll es bei den Schülern der berufsbildenden höheren Schulen (BHS) künftig grundsätzlich nicht mehr vorkommen. Zumindest, was den schriftlichen Teil der Reifeprüfung betrifft. Denn nach der Einführung der Zentralmatura an den allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) hat Bildungsministerin Claudia Schmied am Donnerstag auch den Gesetzesentwurf für die BHS in Begutachtung geschickt.
Ab dem Schuljahr 2014/2015 soll es an den berufsbildenden Schulen die zentrale Matura geben. Davor wird es laut Unterrichtsministerium eine Pilotphase an Schulen geben, wie sie auch an den AHS bereits läuft. Dort gibt es die Zentralmatura - oder die Vorbereitungen dazu - bereits in fast 90 Prozent der Schulen, ab 2013/1014 wird die einheitliche Reifeprüfung flächendeckend eingeführt.
Doch was in den Gymnasien bereits mit einigem Aufwand verbunden war, stellt sich für die berufsbildenden Schulen noch wesentlich komplizierter dar. "Die Vorbereitungen sind viel aufwendiger", sagt Josef Lucyshyn, der Direktor des mit der Abwicklung beauftragten Bundesinstituts für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung, kurz Bifie. Denn anders als bei den AHS gibt es in den BHS nicht nur drei, sondern immerhin 400 verschiedene Lehrpläne.
Alles zur selben Zeit
Grundsätzlich wird es auch in den BHS eine einheitliche schriftliche Matura in den Fächern Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache geben. Allerdings werden sich die Fragen von jenen in der AHS unterscheiden. Alle schriftlichen Maturaprüfungen aus einem Fach werden bundesweit zur selben Zeit mit denselben Fragen stattfinden, die auch die Lehrer vorher nicht kennen. Auch werden die Schüler eine vorwissenschaftliche Arbeit schreiben müssen. Diese soll wie auch die mündlichen Prüfungen durch den Schwerpunkt der Schule bestimmt werden.
Lehrpläne angepasst
Zur Zeit legen die Mitarbeiter des Bifie jene Kompetenzen fest, die alle Schüler der fünf verschiedenen BMS-Formen (kaufmännisch, technisch, humanberuflich, land- und forstwirtschaftlich, Kindergartenpädagogik) beherrschen sollen. Da gibt es noch etliche Hürden. Denn: "Jetzt müssen im Eiltempo jene Lehrpläne angepasst werden, die diese als Querschnittsmaterie fixierten Elemente noch nicht enthalten", sagt Lucyshyn. Bis Juni will man damit fertig sein - kommt doch der erste Jahrgang von Schülern, die die neue Matura absolvieren sollen, im September in die Schulen. Ab Herbst sollen dann die Fragen für Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch ausgearbeitet werden.
Anders als bei den AHS wird es bei den BHS je nach Schultyp ausdifferenzierte Fragen geben. Besucht ein Schüler etwa eine HTL, so wird er also einerseits dieselben Mathematikaufgaben wie ein Schüler der land- und forstwirtschaftlichen Schule lösen müssen. Doch beide werden auch noch spezielle, unterschiedliche Mathematikfragen bekommen.
Und was sagt die Gewerkschaft dazu? "Es gibt noch viele Unsicherheiten", sagt Roland Gangl, der stellvertretende Leiter der BMHS-Gewerkschaft. "Es gibt noch keine Lehrbücher und wir wissen noch nicht, was und wie genau geprüft wird." Er fordert ein Jahr mehr Zeit zur Vorbereitung.
Bildungsministerin Claudia Schmied erwartet sich von der Zentralmatura eine "einheitliche Qualität der Matura vom Neusiedler See bis zum Bodensee". Lucyshyn zufolge könnten die Maturanten dadurch auch besser einschätzen, ob sie für ein bestimmtes Fach geeignet sind.
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Hintergrund
TESTLAUF IN DER AHS
Bereits 90 Prozent der AHS nehmen heuer an Testläufen zur Zentralmatura teil.
Bei Reifeprüfungen werden dabei Aufgaben eingesetzt, die vom Bifie entwickelt wurden.
Die Teilnahme der Schulen ist freiwillig, der Schulgemeinschaftsausschuss muss zustimmen. Auch das Interesse, an Feldtests (Erprobung von Beispielen ohne Noten) teilzunehmen, ist hoch, weil die Lehrer so sehen, wo ihre Schüler stehen.
Andere Länder
In der überwiegenden Mehrheit aller europäischen Länder gibt es die Zentralmatura. Ausnahmen waren bislang neben Österreich nur Belgien, Island und Liechtenstein. In Spanien und Schweden gibt es keine reguläre Matura. Als Vorreiter gilt Österreich hingegen mit der verpflichtenden vorwissenschaftlichen Arbeit. Eine vergleichbare individuelle Schwerpunktsetzung gibt es derzeit nur in Tschechien, Kroatien, Slowenien und der Slowakei.













