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Zuletzt aktualisiert: 27.03.2010 um 17:48 UhrKommentare

"Mit ORF wurde gar nichts abgesprochen"

"Am Schauplatz"-Hauptfigur Philipp gibt in einem Interview an, täglich Geld für den ORF-Dreh bekommen zu haben. Abgesprochen wurde aber nichts. Philipp erhebt allerdings schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Diese hätte Aussagen erzwungen.

"Am Schauplatz"-Hauptfigur Philipp

Foto © APA"Am Schauplatz"-Hauptfigur Philipp

Der 19-jährige Philipp, der Hauptprotagonist der "Am Schauplatz"-Reportage über den rechten Rand, betont, dass er mit dem Kamerateam und dem ORF-Redakteur Eduard Moschitz nicht vorher abgesprochen hat, was er vor der Kamera sagen werde. Allerdings behauptet der Bursch im Interview mit der APA am Samstag, an jedem Drehtag Geld bekommen zu haben und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Diese hätte Aussagen erzwungen. Im Folgenden das Gespräch im Wortlaut:

Sie haben die fertige Sendung ja gesehen, nehme ich an. Haben Sie das Gefühl, dass das der Realität entspricht?
Philipp: "A bissl' was war schon 'druckt. Das mit zwei Jahr' Heim und so und Papa nie gesehen, das ist ja a Blödsinn. Ich habe ihn schon öfters gesehen und wir waren nur eineinhalb Jahre im Heim. Aber sonst hat's eh passt."

Entspricht das Ihrem Leben, was hier gezeigt wurde?
Philipp: "Jaja".

Mich würde grundsätzlich einmal interessieren, wie Sie den Redakteur Eduard Moschitz und das "Am Schauplatz"-Team kennengelernt haben.
Philipp: "Ich bin nach Hause gekommen und im Nebenhof war irgendwas mit Wiener Wohnen und der Moschitz war da auch dabei. Und ich hab' gerufen: "Scheiß Wiener Wohnen". Dann bin ich nach Hause gegangen. Drei Monate später steht der Moschitz vor der Tür und fangt an: 'He, du hast an schönen Hund. Was macht der? Und können wir das verfilmen? Willst du da mitmachen bei dem Schauplatz'. Und da hab ich dann mitgemacht."

Das war wann?
Philipp: "November, Oktober. Im Vorjahr."

Und dann haben Sie die "Am Schauplatz"-Folge über die Kampfhunde gedreht. Wie ist es zu aktuellen Sendung gekommen?
Philipp: "Er hat gemeint: 'Heast Philipp, du bist ja ein bissl' ein Rechter. Könnt ma des net a verfilmen?' Dann hamma halt weiterd'reht."

Wie heben Sie den Dreh erlebt? Wie funktioniert das. Haben Sie genau besprochen, was Sie reden werden, oder was Sie sagen sollen?"
Philipp: "Nein, nein. Ich hab das gesagt, was ich sagen will. Da wurde vorher nichts besprochen."

Wie viele Drehtage haben Sie Ihrer Erinnerung bei der zweiten "Am Schauplatz"-Folge nach gehabt?
Philipp: "Vier, fünf, vielleicht auch sechs"

Haben Sie Geld dafür gekriegt? Philipp: "Ja. Immer am Ende des Tages"

An jedem Tag, an dem Sie gedreht haben ?
Philipp: "Ja"

Und wie viel?
Philipp: "Einen Hunderter, immer."

Sie haben jeden Tag einen Hunderter bekommen?
Philipp: "Ich zumindest. Der Kevin war nicht immer dabei."

Ist das irgendwie begründet worden?
Philipp: "Ich hab einen Zettel bekommen zum Unterschreiben, aber die hat halt niemand. Die hat er immer mitgenommen, der Herr Moschitz."

Sie haben jeden Tag einen Zettel unterschrieben?
Philipp: "Immer wenn ich ein Geld bekommen hab, habe ich einen Zettel gekriegt, da muss ich meine Wohnadresse raufschreiben, mein Geburtsdatum und unterschreiben."

Wurde das Geld überwiesen oder haben Sie es bar auf die Hand bekommen?
Philipp: "Auf die Hand"

Der ORF sagt, dass nur einmal hundert Euro für die Abgeltung der Persönlichkeitsrechte gezahlt wurden.
Philipp: "So wurde das nie besprochen, dass ich nur einmal hundert bekomm und dann nie wieder. Ich habe einfach immer einen Hunderter bekommen. Entweder ist es vom ORF selber oder von seiner Kasse. Das weiß ich nicht. Ich hab immer was unterschrieben und hab' einen Hunderter bekommen."

Wie viel haben Sie insgesamt gekriegt?
Philipp: "Drei, vier hundert."

Kevin sagt im Interview mit dem "Kurier", Sie hätten hundert Euro pro Drehtag plus Spesen bekommen.
Philipp: "Das war zwar nie ausgemacht das Ganze. Auch nicht die hundert Euro pro Tag. Das war auch nicht ausgemacht. Das ist einfach so gekommen, jeden Tag. Am Anfang hat's geheißen: 'Da kannst du ein Geld verdienen. Philipp, machst mit?' Schon beim Hund (der Reportage über Kampfhunde, Anm.) hat es geheißen: 'Machst mit, kannst ein Geld verdienen.' Ja und das mit Essen und so, das ist automatisch gekommen: Wenn du kein Geld einstecken hast und der Moschitz sagt: "Heast, gemma Mittag essen, mach' ma Pause.' Wie willstn' des zahlen? Das zahlt a er. Und das war auch net ausgemacht. Also kann ma nur davon ausgehen, dass es entweder von seinem Geld selber ist oder er hängt des einfach irgendwo an beim ORF. Mit dem ganzen kenn ich mich nicht aus, was man darf und was net. Ausgmacht war gar nix. Das ist einfach so gekommen. Ein Hunderter war es bis jetzt immer. Einmal ein Fünfziger war's. Wenn net viel ist zum Drehen, brauchst dir nicht viel erwarten, was kriegst."

Aber wenn Sie beide vor der Kamera gestanden sind, haben Sie nachher Geld bekommen?
Philipp: "Ja. Zu 70 Prozent war es ich."

Sie?
Philipp: "Nur ich"

Also nicht pro Person einen Hunderter, sondern auf Sie beide aufgeteilt?
Philipp: "Nein: Halt es kommt drauf an. Wenn der Kevin von Tagesbeginn dabei ist, dann hat er auch einen Hunderter gekriegt."

Wenn Sie nur ein paar Drehtage hatten, muss das doch recht klar sein: Da verliert man ja nicht den Überblick, wer jetzt wie viel Geld gekriegt hat.
Philipp: "Nein. Es kommt ja immer drauf an. Der war ja net immer dabei, der Kevin. Ich war die Hauptfigur, also hab ich das Geld gekriegt. Wenn jetzt kurz einer daherkommt für 30 Minuten oder zehn Minuten, der kriegt nix. Sonst nur ich und der Kevin."

Kevin sagt "Kurier"-Interview auch, dass Sie vom "Am Schauplatz"-Team eingekleidet worden seien.
Philipp: "Er kann das gar nicht sagen, weil er war gar nicht dabei, als wir einkaufen waren. Einmal waren wir einkaufen. Da hab ich schon fünfzig Euro gekriegt, da hab ich mir zwei Leiberl gekauft und eine Fahne."

Es war aber nicht so, dass er gesagt hat: "Das und das zieht ihr euch an"?
Philipp: "Wir haben es uns halt aussuchen können. Es wurde nicht bestimmt ausgedrückt, was ich anziehen soll."


SPÖ für Untersuchungskommission

Die SPÖ fordert wegen der vielen Ungereimtheiten in der Affäre um die umstrittene "Am Schauplatz"-Reportage die Einsetzung einer Untersuchungskommission. SPÖ-Justizsprecher Johannes Jarolim sagte dazu in der ZIB 1: "Das zeigt auf, dass man die belastete Polizei selbst nicht weiter ermitteln lassen soll. Das ist eine hochsensible Angelegenheit und ich ersuche daher die Frau Justizministerin und auch die Frau Innenministerin, Sorge dafür zu tragen, dass eine derartige Kommission eingesetzt wird."

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