Der Streit ums Weiße Gold
Tansania und Sambia wollen ihre Elfenbeinbestände verkaufen dürfen. Die Erlaubnis soll bei der Artenschutzkonferenz in Doha erworben werden. Das würde aber auch der Wilderei Vorschub leisten.

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Die Spur des verwundeten Elefanten ist nicht schwer zu finden: Eine breite Furche zieht sich durch den kenianischen Busch. Das Tier wurde von einem Giftpfeil getroffen worden, die Hinterbeine gehorchten ihm nicht mehr richtig, und so hinkte es durch den Tsavo-East-Nationalpark, bis zu seinem Totenbett. Die Fußspuren der Wilderer um den Kadaver sind ebenfalls nicht zu übersehen, doch das eigentliche Ziel der Jagd, das Elfenbein, haben die Kriminellen zurücklassen müssen. Die Ranger sind noch rechtzeitig eingetroffen.
Ein weiteres Paar Stoßzähne ist so in die Hände des kenianischen Staats gelangt, doch anders als Tansania und Sambia will das ostafrikanische Land damit kein Geld verdienen. Denn die beiden Staaten wollen eine Sondererlaubnis, um ihre Bestände verkaufen zu dürfen. Die Konferenz der 175 Mitgliedstaaten des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens (CITES) wird über den Antrag Sambias und Tansanias entscheiden. Seit Samstag tagen die Delegierten im Golfemirat Katar.
Zunahme der Wilderei
"Jeder Versuch, das internationale Verkaufsverbot für Elfenbein aufzuheben, wird zu einer Zunahme der Wilderei führen", sagt Patrick Omandi von der Kenianischen Naturschutzbehörde. Kriminelle könnten versuchen, Elfenbein aus anderen Ländern über die Grenze nach Tansania und Sambia zu bringen, um es dort zu verkaufen.
Die Elefantenbestände der einzelnen afrikanischen Staaten sind in einem sehr unterschiedlichen Zustand. Die tansanische Regierung argumentiert damit, dass die Zahl der Tiere in dem Land seit dem Verkaufsstopp 1989 von rund 55.000 auf fast 137.000 gestiegen sei. Deshalb wolle man nun 90 Tonnen Elfenbein verkaufen. Sambia möchte rund 22 Tonnen auf den Markt werfen, die dortige Regierung begründet dies mit dem Bestand von 27.000 Elefanten, der stetig größer werde.
Ausgestorben
Doch in anderen Staaten seien die Dickhäuter bedroht, sagt Omandi. In Sierra Leone seien sie im Dezember ausgestorben, im Senegal gebe es weniger als zehn Tiere.
Tansania hält dagegen: Der Handel mit Elfenbein sei unentbehrlich, um die Elefanten zu erhalten. "Der Konflikt zwischen den Tieren und den Menschen nimmt zu, in vielen Gemeinden gelten Elefanten als Pest", heißt es in dem Antrag. Die Wertschätzung für die Tiere könne steigen, wenn die Gemeinden von den Verkäufen des Elfenbeins profitieren könnten.
Tod für Halsketten
Kenia befürchtet aber, dass auch eine begrenzte Ausfuhrgenehmigung für Elfenbein zu mehr Wilderei führte. Die Entwicklung seit der letzten Ausnahmegenehmigung im Jahr 2007 gibt den Gegnern des Elfenbeinhandels recht: Heute gibt es sieben Mal mehr Fälle von Wilderei. 2009 fielen 271 Tiere der illegalen Jagd zum Opfer. In Asien und den USA gibt es eine große Nachfrage nach Elfenbein, etwa zur Herstellung von Halsketten und Stempeln.
Zwar leben die Einwohner des Tsavo-East-Nationalparks seit Jahrhunderten zusammen mit den Elefanten. Doch in der vergangenen Zeit hat die Wilderei nach Angaben der Ranger zugenommen. Ein durchschnittliches Paar Stoßzähne bringt 1.500 Euro und mehr auf dem Schwarzmarkt, für eine verarmte Familie ist das sehr viel Geld. Seit fünf Jahren ist der Regen ausgeblieben, die Ernten verdorren und der Hunger breitet sich aus.
Elefanten haben keine Pässe
Besonders schlecht zu sprechen sind die kenianischen Behörden auf Tansania. Denn die beiden Ländern haben eine lange Grenze, dort wo die berühmten Nationalparks Masai Mara und Serengeti ineinander übergehen. Elefanten hätten schließlich keine Pässe und überquerten regelmäßig die Grenze, sagt Omandi.
Drei Viertel der 500 Wildhüter im Tsavo-East-Nationalpark haben eine paramilitärische Ausbildung. Denn je einträglicher das Geschäft mit dem Elfenbein ist, desto gefährlicher wird ihr Beruf. Erst im vergangenen Monat geriet eine Gruppe Ranger in eine Schießerei mit sechs Wilderern. Einer der Kriminellen sei dabei getötet worden, sagt Oberaufseher Yussuf Adan. "Wenn die Tansanier ihr Elfenbein verkaufen dürfen, wird das auch die Wilderer in Kenia weiter motivieren."
Versagen bei Schutz des Tigers
Der Tiger ist nach Ansicht des Generalsekretärs des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens (CITES) in seiner Existenz gefährdet. Auf der CITES-Jahrestagung in Doha warf Willem Wijnstekers der internationalen Gemeinschaft vor, hinsichtlich des Schutzes der Tiger "kläglich versagt" zu haben. Die Raubkatze sei mittlerweile vom Aussterben bedroht, sagte Wijnstekers am Montag.
Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es nur noch 3.200 Tiger in freier Wildbahn. Vor 20 Jahren lebten noch 100.000 Exemplare in Asien.
Die Delegierten der 175 CITES-Staaten beraten auf ihrer Jahrestagung, die bis zum 25. März dauert, unter anderem über den Kampf gegen Wilderei und Maßnahmen gegen den illegalen Handel mit Tiger-Produkten.













