10. Freitagsdemo gegen die Kärntner Regierung
Immer wieder freitags, Treffpunkt rot-weiß-rote Kuh: Gestern fand die 10. Demonstration gegen die Kärntner Landesregierung statt.

Foto © Neumüller
"Wir gehen bis sie gehen". Der Slogan hält. Gestern Nachmittag verteilten die Grünen im Landhaushof die erste Jubiläumstorte. "Unser Dank an alle, die auch bei miserabelstem Wetter da waren", ruft Landesparteisekretär Frank Frey. Und: "Alle nah heran." Auch fürs Foto. So 200, 250 Menschen sind es regelmäßig, die von der Landesregierung zum Landhaus ziehen. Einige kommen aus Spittal, aus Völkermarkt oder aus Villach, wie Walther Schütz vom "Bündnis für eine Welt", der die Demos als Chance zum Diskutieren und Reflektieren sieht.
"Wir sind zu wenige", finden viele der Unentwegten, die auch bei Schnee, Kälte und Regen auf die Straße gegangen sind. "Der Landhausplatz müsste voll sein und der Alte Platz auch", hört man immer wieder. Wenn Sozialabbau und rigorose Sparmaßnahmen im Bildungs- und Gesundheitsbereich die Kärntner nicht mobilisieren, was dann?
Scheuchuela
Ein Häuflein ist es zunächst, das sich gestern - zum zehnten Mal - vor der Landesregierung eingefunden hat. Bis auf die rot-weiß-rote Kuh der schwarz-blauen Milchkoalition zeigt sich niemand auf dem Balkon. Zu ebener Erde formieren sich die Demonstranten. Fast jeder hat schon ein grünes Pfeiferl - ist also nicht zum ersten Mal dabei. Der Wirt Raimund Spöck und der Musiker Emil Kritof teilen sich eine Ratsche. Für ein kurzerhand in "Scheuchuela" umgetauftes Instrument werden Bastelanleitungen ausgetauscht. Mit Pleitegeiern auf langen Stangen, Transparenten und möglichst viel Lärm setzt sich der Zug in Bewegung.
Dennoch gleicht die Demo einem Spaziergang. Eine pensionierte Krankenschwester sagt, sie sei da, weil "ich dann freier atme". Parolen und Sprechchöre haben sich bis jetzt nicht richtig durchgesetzt. Das zwischendurch skandierte "Kein Fortschritt ohne Rücktritt" verebbt bald wieder. Die Stimmung ist gut. Obwohl man deshalb da ist, weil es nichts zu lachen gibt. Angesichts von Hyposkandal und Sozialabbau.
Das zehnte Mal, da spürt man auch die Routine. Vor ein paar Wochen tauchten in der Domgasse die Hypo-Angestellten noch von den Fenstern weg, wenn unten das Pfeifkonzert losging. Jetzt lässt sich einfach keiner mehr blicken. Auch die Passanten haben sich an den bunten Zug gewöhnt. Die einen winken zustimmend, andere zeigen offen ihre Missbilligung. Am Alten Platz verharrt ein Pärchen in sicherem Abstand.
In den schmalen Gassen bis zu den City Arkaden sind alle gut drauf: Da schaut die Freitags-demo schon nach was aus. Und warm ist es diesmal auch. "Wir riechen den Kärntner Frühling, das lässt uns viel lustiger demonstrieren", ersucht dann auf der improvisierten Bühne im Landhaushof Grünen-Chef Rolf Holub um "Applaus für den Frühling". Weil: "In der Regierung sitzt der politische Winter." Jetzt gelte es, die überparteiliche Plattform "Freitagsdemo" (vom BSA, über den kitab-Verlag bis zum Wieser-Verlag), zu erweitern. "Die Roten trauen sich nicht", bedauert Holub. Aber: Man geht weiter. Am Karfreitag, wie es sich gehört, schweigend.













