Rohr-Nachfolger: Verglühte Fädenzieher & Hoffnungsträger
Kein Rohr-Nachfolger in Sicht: Rotes Parteichef-Schlamassel offenbart Überschätzung der Bezirksstädte-Bürgermeister.

Foto © APAKein großes G´riss um den roten Chef-Sessel
Der Villacher Bürgermeister Helmut Manzenreiter gibt es schon billiger. "Der Messias, der alles ändert, ist nicht drin", sagt er über das Anforderungsprofil für den künftigen SPÖ-Chef. Dabei war es Manzenreiter, der messianische Erwartungen in den Wolfsberger Bürgermeister Gerhard Seifried gesetzt hatte. Doch sein "Hoffnungsträger für das Land und die Partei" hat mit seiner Absage Manzenreiter übrig gelassen. Dieser wäre gegen SPÖ-Chef Reinhart Rohr wohl nicht so massiv angefahren, hätte er nicht ein Signal von Seifried gehabt. Jetzt ist Manzenreiter der Buhmann und muss ernsthaft erwägen, selbst in das Rennen zu gehen, wenn er nicht als Totengräber der Kärntner SPÖ in die Parteigeschichte eingehen will. Denn auch der Absprung von Gerhard Köfer wird von vielen Manzenreiter angelastet.
Besonders gute Kenner des SPÖ-Innenlebens sind aber der Meinung, der Spittaler Bürgermeister habe "erkannt, dass er nicht mehrheitsfähig ist". Köfer sei "fesch und flott, aber auf dem Niveau eines Herrn Dörfler", lautet eine Einschätzung. Mit Landeshauptmann Gerhard Dörfler verglichen zu werden, gilt verbreitet als vernichtendes Urteil.
Mehrheitsfähig scheint in der SPÖ derzeit überhaupt niemand mehr zu sein. Der St. Veiter Bürgermeister Gerhard Mock hat sich frühzeitig selbst aus dem Rennen genommen und wäre mit seiner Russen-Verbindung auch sehr angreifbar. Mock ist zumindest der einzige der Bezirksstadt-Bürgermeister, der im Vorjahr bei der Gemeinderatswahl die absolute Mehrheit behalten hat. Langsam wird aber deutlich, dass die hochstilisierten "mächtigen Bürgermeister" überschätzt sind. Mock hat in seiner Stadt mit dem von ihm autoritär geleiteten Wirtschaftsbetrieben Probleme, Köfer wirft man parteiintern vor, als Bezirksparteichef "aus der Stadt nicht hinausgegangen" zu sein und als Gegenspieler der Brüder Kurt und Uwe Scheuch schlechte Wahlergebnisse in Oberkärnten verantworten zu müssen. Seifried wird ein schlechtes Klima in seiner Stadtpartei, Bequemlichkeit und Überheblichkeit angelastet. Landesrat Peter Kaiser gilt als zu intellektuell und zu wenig volksnah. Und Manzenreiter, seit 20 Jahren der große Fädenzieher, hat sich jetzt mit Seifried vergaloppiert. Wer bleibt da als Retter der Kärntner SPÖ noch übrig?
"Parteifreunde"
Von Rohr gibt es keine Kommentare über seine "Parteifreunde". Man kann nachvollziehen, dass er angesichts der Entwicklung nicht versteht, warum sein Fahrplan über den Haufen geworfen werden musste. Er wollte den Landesparteitag mit der Wahl des Parteivorsitzenden zum regulären Termin im Frühsommer ansetzen. Zuvor hätten alle Bezirks- und Teilorganisationen ihre Landestage abhalten müssen. Genau das werfen ihm seine Kritiker vor.
Rohr habe in "alter Parteisekretärs-Schule auf Zeit sehen wollen", heißt es. Wenn bei den Bezirksparteitagen der eine oder andere Kritiker mit schlechten Ergebnissen abgestraft worden wäre, hätte sich Rohr berufen fühlen können, doch wieder als Parteichef zu kandidieren. Vielleicht wird man ihn sogar darum bitten müssen, wenn sich kein Nachfolger findet.
Immer wieder für Spekulationen herhalten müssen Infineon-Chefin Monika Kircher-Kohl und Heimat-Geschäftsführer Harald Repar, obwohl beide seit Jahren ihr Interesse ernsthaft dementieren. Jetzt gibt es Spekulationen über Klubobmann Herwig Seiser als Übergangschef. Dabei wird ihm gemeinsam mit Rohr und Kaiser angelastet, den von Dörfler, Scheuch und ÖVP-Chef Josef Martinz "aufgelegten Elfmeter" nicht verwandeln zu können, das heißt, aus den von der Koalition gebotenen Angriffsflächen nichts zu machen.
Die Entscheidung könnte erst beim Parteitag am 27. März fallen. Am 15. Februar gibt es zwar eine Präsidiumsklausur zur Kandidatenfindung. Nominierungen sind aber auch später und sogar noch am Parteitag möglich.












