Land der Orden
Die Regierung zeigt kurz vor dem Opernball keinen Genierer, ihre Mitglieder mit hohen Orden zu dekorieren. Die Voraussetzung dafür ist eigentlich nur ein dickes Sitzfleisch.

Foto © APADer Groß-Stern ist der oberste Orden der Republik und dem Präsidenten vorbehalten.
Ein Orden, meinte einmal ein französischer Präsident, sei ein kostenschonender Gegenstand, der es ermögliche, mit wenig Blech viel Eitelkeit zu befriedigen. Das gilt offenbar auch für Österreichs Spitzenpolitik. So ging vor fünf Tagen ein Raunen durch die Republik – weil es, kurz vor dem Opernball, fünf neue Ordensträger in der Regierung gibt. Auf Wunsch von Kanzler Werner Faymann hat der Ministerrat samt Betroffenen (!) beschlossen, drei aus den eigenen Reihen mit dem zweithöchsten Ehrenzeichen, dem Großen Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich, und zwei Staatssekretäre mit dessen silbernem Pendant zu schmücken.
Womit die Posse nicht zu Ende ist: Kanzler und Minister haben nur knapp die zeitlichen Mindeststandards erfüllt. Laut Protokollabteilung des Kanzleramts, in dessen "Ordensreferat" drei Mitarbeiter mit jährlich über tausend Verleihungen von Ehrenzeichen relativ ausgelastet sind, müssen Minister drei Jahre im Amt sein, bevor sie so dekoriert werden dürfen. Dieses Limit wurde gerade einmal um schnöde acht Tage übertroffen. Freilich geht keiner der mit dem rot emaillierten Malteserkreuz Aufgemotzten – im konkreten Fall Verteidigungsminister Norbert Darabos, Unterrichtsministerin Claudia Schmied (beide SPÖ) und Noch-Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) – aus der Deckung. Sie tun höchstens inoffiziell so, als wäre ihnen das Ehrenzeichen aufgezwungen worden.
Automatismus
Echten Genierer zeigt nur die Regierungsspitze: Kanzler Faymann und Vizekanzler Josef Pröll haben auf die Orden verzichtet, ohne näher zu erklären warum. So war dem beim Thema auffallend schmallippigen Faymann nur zu entlocken, er sei einer, "der lieber andere auszeichnet". Er wolle sich keine Gedanken machen, wie er zu Orden komme, habe aber "nichts gegen Ordensverleihungen".
Was Bürger über die häufigen Griffe der Politik in die Dekorationslade denken, ist in meist nicht ganz druckreifer Art Leserbriefen zu entnehmen. Auch Intimkenner des Auszeichnungswesens sind erbost. "Dieser Automatismus in der Politik ist ein glatter Unfug", schimpft etwa der Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Ordenskunde, Hartmut Rochowansky. Denn für die Behübschung von Politikern mit Republikorden sei "nicht die Tat ausschlaggebend, sondern nur deren Rang und Position". Das sei auch bei Abgeordneten so, die nach drei Jahren meist automatisch dekoriert werden, selbst wenn sie nur sprachlose Hinterbänkler gewesen seien. Der Ordensfachmann fragt sich selbst, "wie lange sich die Bürger das so noch gefallen lassen".
Wobei das Prozedere vor Ehrenzeichen-Verleihungen mitunter recht schrullig daherkommt: So hat sich Heinz Fischer in seiner Zeit als Nationalratspräsident recht besorgt beim damaligen Grünen-Chef Alexander Van der Bellen erkundigt, ob Peter Pilz bereit wäre, sich einen ihm jetzt zustehenden Verdienstorden umhängen zu lassen. Was bei Pilz schließlich "Lachkrämpfe" ausgelöst haben soll. Der Grüne hat auf den Orden verzichtet und argumentiert, solche Ehrungen würden stets "mit Verdiensten verwechselt", die "jeder kriegt, wenn er was ist".
Solche Skrupel kennen die meisten nicht. Selbst Grünen-Chefin Eva Glawischnig ließ sich im Juli 2009 bei einer routinemäßigen Ehrung von sieben Parlamentariern durch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer den vierthöchsten Orden der Republik verleihen.
Eine Frage der Ehre
Mit diesem Orden wurde gleichfalls Peter Westenthaler (BZÖ), inzwischen wegen falscher Zeugenaussage verurteilt, ausgezeichnet. Die Republik spendiert ihre Auszeichnungen auch Wirtschaftskapitänen, deren Verdienste im Nachhinein den Glanz verloren. 2005 durfte sich der damalige Bawag-Generaldirektor Johann Zwettler über das Große Goldene Ehrenzeichen freuen. Im späteren Bawag-Prozess saß er auf der Anklagebank. Wie sein Vorgänger Helmut Elsner – auch er ein Träger des hohen Ehrenzeichens.
Features
Ordensklassen
Groß-Stern: Der Groß-Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik, eine Hüftdekoration mit Bruststern, ist dem Bundespräsidenten vorbehalten. Auch viele ausländische Staatsoberhäupter wie der Kaiser von Japan wurden damit beglückt.
Band und Gold: Das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik ist ebenfalls eine Hüftdekoration mit Bruststern. Dieser Orden wird relativ häufig vergeben (siehe Liste rechts außen) und entspricht dem Großkreuz 1. Klasse.
Band und Silber: Das Große Silberne Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik schaut ähnlich aus wie die Orden im ersten und zweiten Rang. Träger sind etwa die Landeshauptfrau von Salzburg, Gabi Burgstaller, oder Ex-Staatssekretär Franz Morak.
Gold und Stern:Das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik, eine Halsdekoration mit Bruststern, haben beispielsweise Peter Westenthaler (BZÖ) oder der Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde, Robert Nünlist, bekommen.
Silber mit Stern: Das Große Silberne Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik, eine Halsdekoration mit Bruststern, haben etwa der Grüne Karl Öllinger, Albrecht Konecny (SPÖ) und Ex-Frauenministerin Heidrun Silhavy (SPÖ) erhalten.












