Britischer Irak-Einsatz im Visier
In den kommenden Monaten sollen Dutzende der damals Verantwortlichen befragt werden, darunter Ex-Premier Tony Blair, Militärangehörige und führende Geheimdienstmitglieder.

Foto © APGroßbritanniens Ex-Premier Tony Blair im Irak
Blair als prominentester Zeuge soll Anfang kommenden Jahres dazu befragt werden, ob er den Plan des damaligen US-Präsidenten George W. Bush für eine Invasion im Irak bereits ein Jahr vor der Zustimmung durch das Parlament 2003 unterstützte. "Wir wollen die Beweise prüfen", sagte der Kommissionsvorsitzende John Chilcot. Das Gremium soll Empfehlungen aussprechen, um Fehler in der Zukunft zu vermeiden. Untersucht werden sollen vor allem die Begründung des Krieges, die Planung der Invasion und die Vorbereitung des Wiederaufbaus.
"Anhörungen, kein Gericht"
Chilcot betonte bei der Eröffnung, es handle sich um Anhörungen, niemand stehe vor Gericht. Er und seine Kollegen seien aber zu Gründlichkeit, Neutralität und Fairness entschlossen. Die Kommission könne nicht über Schuld und Unschuld entscheiden - dies könne nur ein Gericht: "Aber ich versichere, dass wir uns im Abschlussbericht nicht scheuen werden, Kritik zu üben - ganz gleich, ob an Institutionen, Vorgängen oder Individuen - wo sie gefragt ist."
Kriegsgegner und Abgeordnete, die dem Krieg unter der Führung der USA kritisch gegenüberstanden, haben wiederholt eine solche Untersuchung gefordert. Es habe bei den Briten, bei den US-Amerikanern und ihren Verbündeten etliche Fehler in der Arbeit der Geheimdienste vor dem Krieg und bei der Nachkriegsplanung gegeben, erklärten diese Kreise. Der Einsatz kostete 179 britische Militärangehörige das Leben und war in der Öffentlichkeit äußerst unpopulär.
Die Anhörungen könnten nach derzeitigem Stand rund ein Jahr dauern. Der Abschlussbericht der fünfköpfigen Kommission wird frühestens für Ende 2010 erwartet. Es hat zwar bereits zwei Untersuchungen zur Frage der Beteiligung Großbritanniens an dem Krieg gegeben. Sie bezogen sich aber auf Einzelaspekte und wurden als zu zurückhaltend kritisiert.
Großbritannien war der wichtigste Verbündete der USA, als diese unter Ex-Präsident George W. Bush im März 2003 im Irak einmarschierten. Anfangs waren dort 46.000 britische Soldaten stationiert - das größte ausländische Truppenkontingent nach den US-Streitkräften. Der Einsatz der Briten endete offiziell im Juli.
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Bis zu 45.000 Mann
Großbritannien hatte zeitweise bis zu 45.000 Soldaten im Irak im Einsatz, 179 Militärangehörige wurden seit Beginn der Invasion getötet. Im Juli 2009 endete der britische Irak-Einsatz offiziell. Fast alle Truppen sind mittlerweile abgezogen. Eine Untersuchung der britischen Rolle beim Einmarsch in den Irak war lange von Opposition und Menschenrechtsgruppen gefordert worden. Nach dem Abzug der Briten hatte Premier Brown Grünes Licht dafür gegeben.












